03. September 2019

Halluzinogene Pilze

„Magic Mushrooms“ als nächstes großes Geschäft?

Erst Cannabis, jetzt Magic Mushrooms“: Für psychedelische Pilze werden die US-amerikanischen Gesetze lockerer. Forscher kamen indes zu dem Schluss, dass der Wirkstoff Psilocybin positive Effekte haben kann. Es gibt jedoch auch warnende Stimmen.1

Lesedauer: 2 Minuten

Nachdem die Legalisierung von Cannabis in Nordamerika bereits weit fortgeschritten ist, könnte mit Magic Mushrooms“ eine weitere Droge in Stellung gebracht werden. Die halluzinogenen Pilze mit dem Wirkstoff Psilocybin sind vor allem als Rauschmittel bekannt, gelten jedoch als große medizinische und therapeutische Hoffnungsträger. Helfen sollen sie laut Fürsprechern etwa bei der Behandlung von Depressionen sowie anderen Stress-Syndromen oder Suchtproblemen.

In den USA gibt es bereits erste Schritte zur Entkriminalisierung. Im Juni stimmte der Stadtrat der kalifornischen Metropole Oakland dafür, die Strafverfolgung von Menschen einzustellen, die psilocybinhaltige Pilze konsumieren oder besitzen. Einen Monat zuvor war dies schon in Colorados Hauptstadt Denver geschehen, die auch eine Vorreiterrolle bei der Legalisierung von Marihuana als Genussmittel hatte. Im Herbst 2020 könnte mit Oregon der erste ganze US-Bundesstaat hinzukommen.

Fürsprecher von Magic Mushrooms“ verweisen darauf, dass die Droge in bestimmten Kulturkreisen schon seit Jahrhunderten als Heilmittel angewendet wird. Aber gesetzlich haben die Pilze, die Sittenwächtern neben anderen psychedelischen Rauschmitteln wie LSD schon während der Hippiezeit ein Dorn im Auge waren, einen schweren Stand. Seit 1970 sind sie unter dem US-Bundesgesetz verboten. Auch die UN stufen sie als Droge der Kategorie 1 ein – hier wird das Missbrauchspotenzial deutlich höher bewertet als der mögliche medizinische Nutzen. 

FDA genehmigte Studien

In den USA stehen die Zeichen zwar nicht auf Legalisierung, aber zumindest auf Lockerung. Die Aufsichtsbehörde FDA genehmigte die Studien eines Pharma-Startups namens Compas“ im Oktober 2018. Forscher der New York University und anderer renommierter US-Institutionen kamen in den vergangenen Jahren auch zu dem Schluss, dass Psilocybin Depressionen von Krebspatienten lindern und bei Tabak- und Alkoholsucht helfen kann.

Die Parallelen zu Cannabis, das es über einen langen Zeitraum von der Entkriminalisierung zur weitgehenden Legalisierung schaffte, machen Freunden magischer Pilze Hoffnung. Doch verglichen mit Marihuana – das unter dem US-Bundesgesetz im Übrigen noch immer illegal ist – handelt es sich bei Psilocybin um ein deutlich schwereres Kaliber.

Kritiker warnen vor Verharmlosung

Einige Experten sehen die Aussicht auf laxere Regulierung daher kritisch. Der Unterschied zwischen Cannabis und psychedelischen Drogen sei in etwa wie der zwischen konventionellen und nuklearen Waffen“, warnte der Psychotherapeut Bruce Tobin gegenüber Bloomberg.

Tobin setzt sich selbst für Psilocybin zu medizinischen Zwecken ein und hat eine entsprechende Sondergenehmigung in Kanada beantragt.

Doch dass die Droge einen ähnlichen Weg in Richtung Legalisierung gehen könnte wie Cannabis, bereitet ihm durchaus Sorgen. Mir ist etwas unbehaglich, dass es so viele Unternehmer in Kanada gibt, die Psilocybin als das nächste große Ding sehen.“ Manche Menschen sollten besser überhaupt keine psychedelischen Drogen nehmen, findet Tobin.

  1. dpa, 14.08.2019

Bildquelle: © picture alliance/Westend61

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