Im Verhältnis größere Spieler bekommen vom Schiedsrichter härtere Strafen
Als „Napoleon-Komplex“ bezeichnet man das Phänomen, das kleinere Männer wahrscheinlich zur Kompensation ihrer geringeren Körpergröße besonders aggressiv und brutal auftreten. Beeinflusst die eigene Körpergröße im Verhältnis zu der des Spielers aber auch das Urteil von Schiedsrichtern im Fußball?
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Autorin: Maria Weiß
Dieser Frage sind der Volkswirt Dr. Hendrik Sonnabend von der Fern-Universität Hagen und sein Team im Rahmen einer Studie nachgegangen. Dazu analysierten sie 2.340 Bundesligaspiele aus den Jahren 2014 bis 2021 und beurteilten das Größenverhältnis von Schiedsrichter zu Fußballspieler und den Einfluss auf die Verteilung von gelben und roten Karten bei Foulspiel.
Strafen als Mittel der Autoritäts-Demonstration
Verglichen mit einer Situation auf Augenhöhe neigten die Schiedsrichter tatsächlich zu härteren Strafen, wenn die Spieler deutlich größer waren als die Schiedsrichter. Die Rate an gepfiffenen Fouls und gelben Karten war hier um 10 % höher. „Es wird offensichtlich, dass Strafen genutzt werden, um Autorität zu demonstrieren. Wenn ihnen das nicht über physische Dominanz gelingt, gibt es eine Strafe, ganz nach dem Motto – hier wird nach meiner Pfeife getanzt“, so der Wissenschaftler.
Besonders auffällig war dieser Unterschied in der ersten Halbzeit – in der zweiten Halbzeit waren die Spieler wegen der härteren Strafen möglicherweise vorsichtiger. Auch die Erfahrung der Schiedsrichter spielte eine Rolle. Je länger sie diese Funktion schon ausübten, umso weniger ließen sie sich von dem Größenverhältnis zum Spieler in ihren Entscheidungen beeinflussen.
Auch einen umgekehrten Napoleon-Effekt konnten die Forschenden beobachten. So fallen die Urteile deutlich gnädiger aus, wenn der betroffene Spieler deutlich kleiner ist als der Schiedsrichter. Die kleineren Spieler erhalten 16 % weniger Strafen als diejenigen, die sich in der Körpergröße vom Schiedsrichter nicht unterscheiden.
Insgesamt scheint es von Vorteil, wenn die Schiedsrichter so groß sind, dass sie die Spieler überwiegend überragen – sie erscheinen dann während des Spiels entspannter und halten sich mit Strafen eher zurück. Die durchschnittliche Körpergröße bei männlichen Schiedsrichtern beträgt 1,86 m, die Durchschnittskörpergröße bei männlichen Fußballern bei 1,84 m.
Möglicherweise liegt hier schon eine gewisse Selektion bei der Berufswahl vor, so die Autoren. Sie empfehlen, Aspekte wie die Körpergröße in Zukunft mehr zu beachten, wenn man Verzerrungen bei den Bewertungen vermeiden will. Dies gelte möglicherweise auch für andere Konfliktsituationen z.B. in der Arbeitswelt.

