20. September 2019

Teil 2 des Interviews

Posttraumatische Belastung im Arztberuf

Erfahren Sie im zweiten Teil unseres Interviews mit Prof. Kersting mehr über Resilienz und das internetbasierte Therapieangebot der Universität Leipzig. >> Zu Teil 1

Lesedauer: 2 Minuten

Wie können Betroffene es auf Dauer schaffen, dennoch den Arztberuf auszuüben? Welche Faktoren stärken die Resilienz?

Zunächst ist es wichtig, dass jeder Arzt die Möglichkeit hat, seine eigene Situation mit ein bisschen Abstand zu betrachten – zwar kritisch zu betrachten, aber auch sich einzugestehen, dass Fehler passieren. Natürlich geht es bei Fehlern immer darum zu überlegen, was man tun kann, um Fehler zu vermeiden. Wir lernen diesen Beruf um Menschen zu heilen, aber manche Menschen können wir nicht heilen. Wir haben es nicht immer in der Hand. Selbst wenn man noch so sorgfältig ist, besteht immer das Risiko einen Fehler zu machen. Das ist ein Risiko, mit dem man lebt.

Zum zweiten: Ärzte haben in der Regel ein sehr hohes Arbeitspensum, sie müssen viele Dienste machen. Es gibt einen großen Druck aus der Verwaltung wirtschaftlich zu arbeiten, den die Ärzte spüren. Trotzdem sind sie immer in der Verantwortung. Daher muss man für einen Ausgleich zwischen Arbeit und Erholungszeiten sorgen: Freizeit, Urlaub und eine Wochenarbeitszeit, die den Ärzten ermöglicht, selbst gesund zu bleiben.

In Kürze startet Ihre Studie mit dem Namen „Internettherapie für posttraumatischen Stress nach belastenden Ereignissen im Arztberuf“. Was erwartet die Teilnehmer?

Wir haben sehr viel Erfahrung mit Internettherapie und haben bereits für viele Erkrankungen Konzepte erarbeitet.
Wir sind dann auf die PTBS im Arztberuf gekommen, weil die Prävalenz so hoch ist und weil die Betroffenen es schwer haben, einen Psychotherapeuten aufzusuchen. Das liegt zum einen an der Stigmatisierung.  Ich glaube auch, viele Ärzte erkennen nicht, dass sie unter dieser Symptomatik leiden und welche Auswirkungen damit für den Beruf verbunden sind. Diejenigen, die es erkennen, wissen oft nicht, wohin sie sich wenden sollen. Darüber hinaus ist eine intensive Psychotherapie oft schwer mit den Arbeitszeiten zu vereinbaren.

Sie interessieren Sich für die Studie und wollen teilnehmen?

Falls Sie Interesse an der Teilnahme haben, schreiben Sie eine Email an:  ipsa.studie@medizin.uni-leipzig.de

Weitere Infos finden Sie auf www.belastung-im-arztberuf.de

Die Internettherapie, die wir anbieten, umfasst einen Zeitraum von fünf Wochen. Es ist eine Schreibtherapie mit zwei Schreibsitzungen pro Woche und einer individuellen Rückmeldung von einer Therapeutin, die werktags innerhalb von 24 h erfolgt. Es geht darum, das belastende Ereignis zu erinnern und nach einer Anleitung darüber zu schreiben.  Ärzte in ganz Deutschland können teilnehmen und sich die Zeiten der Schreibtherapie selbst wählen.

Es entstehen keine Kosten, da die Behandlung im Rahmen einer Studie durchgeführt wird. Das Projekt wird evaluiert, weil wir eine Wirksamkeit nachweisen möchten. Das hat zur Folge, dass die Teilnehmer mehrere Fragebögen ausfüllen müssen. Es gibt eine Eingangsdiagnostik, ob das Projekt für die Person geeignet ist. Suizidalität, schwerer Suchtmittelmissbrauch etc. sind Ausschlusskriterien.

Prof. Dr. med. Anette Kersting ist Direktorin der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Leipzig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die psychosomatische Medizin, Esstörungen, Trauer und Internettherapie.

Teaserbild: © Getty Images/Rattankun Thongbun

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