21. Januar 2021

Dissoziative Störungen: State of the Art vom DGPPN-Kongress 2020

Von Amnesie bis Krampfanfall: Dissoziative Störungen und ihre Therapie sind meist komplex, die Patienten oft traumatisiert. Zwei Experten gaben auf dem DGPPN-Kongress 2020 Einblicke in die aktuelle Studienlage und Tipps für die Therapie. 1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf dem State-of-the-Art-Symposium: “ST-11 Dissoziative Störungen” vom DGPPN-Kongress 2020. Redaktion: Dr. med. Laura Cabrera.

Fallvignette

Eine junge Frau (28) besucht die Sprechstunde und berichtet über Erinnerungslücken. Manchmal bemerkt sie, dass Stunden vergangen sind, in denen sie nicht weiß, was sie gemacht hat. In der Anamnese berichtet sie, dass sie sich an nur wenige Kindheitsereignisse erinnern kann, die meisten davon aus der Schule, doch nichts aus der Familie. Erst ab dem 17. Lebensjahr, als sie von zu Hause ausgezogen ist, sind die Erinnerungen für sie zugänglich.

Eine solche Fallvignette ist typisch für eine dissoziative Störung. In ihrem State-of-the-Art Vortrag fassten Carsten Spitzer (Rostock) und Kathlen Priebe (Berlin) den aktuellen Kenntnisstand zur Diagnose und Behandlung dissoziativer Störungen zusammen.

Nicht immer krankheitswertig

Dissoziative Symptome sind gekennzeichnet durch eine Unterbrechung der Wahrnehmung des Körpers, der Emotionen und der Umwelt und können mit einer Einschränkung des Gedächtnisses einhergehen. Dissoziation ist nur dann als pathologisch zu werten, wenn sie nicht mehr willentlich beeinflussbar ist, die Alltagstüchtigkeit der Patienten einschränkt und subjektives Leiden erzeugt.

Oft erlebt, doch selten berichtet

Symptome wie Depersonalisation, Derealisation, Amnesie, Schmerzunempfindlichkeit und Bewegungsstörungen kommen auch bei psychischen Erkrankungen vor, die nicht direkt zu den Traumafolgestörungen zählen. Man geht davon aus, dass diese Symptome sehr viel häufiger vorkommen als berichtet wird, da die Patienten sich der Symptome oft schämen oder gar keine Worte für ihre Erlebnisse finden.

In Selbstbeurteilungsskalen und diagnostischen Interviews werden solche Formulierungen für die Patienten angeboten. Goldstandard ist der SKID-D als semistrukturiertes Interview.

Trauma ist kein Diagnosekriterium

Viele Patienten haben in ihrer Lebensgeschichte belastende Erlebnisse erfahren. Zu diesen Ereignissen zählen nicht nur sexueller, sondern auch emotionaler Missbrauch, Vernachlässigung und eine gestörte Bindung zur ersten Bezugsperson bzw. der Mutter. Nach aktuellem Forschungsstand darf die Diagnose aber auch vergeben werden, wenn sich in der Anamnese keine traumatischen Erlebnisse finden.

Tipps für die Psychotherapie

Was es bei der Therapie der dissoziativen Störung zu beachten gilt, wie man dem Patient seine Störung erklärt und welche Medikamente man einsetzen kann, erfahren Sie in Teil 2 des Beitrags.

  1. State-of-the-Art-Symposium: “ST-11 Dissoziative Störungen” vom DGPPN-Kongress 2020

Bildquelle: © Getty Images/ Tatyana Maximova

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