04. Dezember 2020

Covid-19 & Burnout: So belastet die Pandemie Ärzte

Die Corona-Pandemie drückt bei Ärzten auf die Stimmung, wie der deutsche Medscape-Report zu Burnout und Depression zeigt. Forscher wollen nun Konsequenzen ziehen und bitten um Mithilfe.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Redaktion: Dr. med. Laura Cabrera

In zwei Jahren stieg Anteil der Betroffenen

Der Medscape-Report zu Burnout und Depressionen bei Ärzten in Deutschland 2020 spricht eine deutliche Sprache, besonders im Vergleich zu seinem zwei Jahre alten Vorgänger. An der Befragung von 2018 nahmen 615 Mediziner teil, an der aktuellen 1130. 1,2

Der Anteil der betroffenen Ärztinnen und Ärzten ist innerhalb dieser zwei Jahre deutlich gestiegen, nämlich von 44 % auf 55 %. Dabei hat sich am Prozentsatz derjeniger, die unter einer depressiven Verstimmung oder unter einer klinischen Depression leiden, nur wenig geändert. Jetzt geben mehr Ärzte an, dass ihr Beruf die Hauptursache für ihre depressiven Symptome ist, während private Stressfaktoren ein wenig an Bedeutung verloren haben.

Gereizt gegenüber Patienten

In diesem Sommer berichten 77 % der Ärzte, dass ihre Depression sich negativ auf ihre Patienten auswirken. Das gleiche haben vor 2 Jahren nur 59 % der Teilnehmer berichtet. Die Betroffenen haben weniger Geduld, sowohl für Menschen als auch für die Dokumentation, und neigen zu Fehlern, die ihnen sonst nicht passieren würden. Vor zwei Jahren noch berichteten 84 % der Ärzte, dass sich ihre schlechte Stimmung auch negativ auf ihre Kollegen und Angestellten auswirken, während diese Frage im aktuellen Report hingegen nicht erwähnt wird.

Überstunden und Formular-Flut

Die Hälfte der teilnehmenden Ärzte gibt an, dass die Corona-Pandemie ihr Burnout-Gefühl verstärkt hat. Bei immerhin 10% konnte die Pandemie die Symptome mildern, beim Rest sind die Symptome gleich geblieben.

Dabei berichten exemplarisch zwei Ärzte von ihren konkreten Erfahrungen. So findet sich eine Klinikärztin in dem bekannten Dilemma wieder, dass ihre durch Freizeit ausgeglichenen Überstunden nur zu weiteren Überstunden der Kollegen führen, während die Auszahlung keine Option ist. Zudem bereite es ihr Mühe, sich nach der Versorgung schwerst erkrankter Covid-19-Patienten den leichter Erkrankten, z.B. Patienten mit Reizdarm, zu widmen. Ein Arzt aus der Praxis hingegen berichtet über die zunehmende Formular-Flut wegen Corona und die Testungen von Reiserückkehrern, Lehrern und Kindertagestätten.

Was Ärzte sich wünschen

Auf die Frage, was Ärzte sich in der aktuellen Krise wünschen, antworten 42 % der Teilnehmer, dass sie sich mehr moralische Wertschätzung für ihre Arbeit wünschen. Ob Applaus dem entspricht, sei dahingestellt. 23 % wünschen sich Bonuszahlungen, 20 % einen Ausgleich ihrer Überstunden.

Ihre Stimme zählt wieder

Schon in der ersten Welle erhoben Dr. Lucia Jerg-Bretzke und Dr. Petra Beschoner von der Uniklinik Ulm die seelische Belastung von Ärzten, Psychotherapeuten und Pflegekräften in der VOICE-Studie. 8000 Teilnehmer haben in dem Online-Survey bereits über die Spuren berichtet, die die Corona-Krise bei ihnen hinterlassen hat. Die Ergebnisse werden zur Zeit zur Publikation vorbereitet und unterstützen die Entwicklung eines nationalen Pandemiemanagements.

Damit Gesetzgeber und Krankenhäuser nun evidenzbasierte Konsequenzen ziehen können, wollen die Forscher jetzt wissen, was sich seit der ersten Welle geändert hat. Wenn auch Sie mit ihrer Stimme an der Umfrage teilnehmen wollen, leitet dieser Link Sie direkt weiter zur Studienseite. Nähere Informationen finden Sie in diesem Dokument und in der untenstehenden Aufklappbox.

  • Entscheidend gesichert zu wissen, ob und inwiefern sich in der zweiten Welle, im Vergleich zur ersten Welle, beispielsweise weniger Schul- und Kitaschließungen, mehr Schutzmaterial und umfangreichere Informationen auf das Stresserleben und die Gesundheit der Beschäftigten auswirken. Daraus lassen sich dann Rückschlüsse auf wirklich sinnvolle und hilfreiche Maßnahmen ziehen, die etabliert werden können. 

    Das bundesweite, von der Regierung (BMBF) geförderte Projekt „EviPan“, zu dem auch die VOICE-Studie gehört, hat u.a. zum Ziel die Handlungsfähigkeit des Gesundheitssystems zu sichern. Der Erhalt der Arbeitsfähigkeit und der körperlichen und psychischen Gesundheit des medizinischen Personals ist eine zentrale Voraussetzung für die erfolgreiche Bewältigung der Covid-19-Pandemie und künftiger Pandemien.

    Weiterführende Informationen finden Sie in der Pressemitteilung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

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