11. August 2020

Update Psychiatrie

Alzheimer-Diagnose: Vielversprechende Blutmarker

Im Rahmen der Alzheimer’s Association International Conference, die vom 27.-31. Juli virtuell durchgeführt wurde, eröffneten Forscher mit ihren Studienergebnissen spannende, neue Perspektiven auf die Diagnostik des Morbus Alzheimer.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Redaktion: Dr. med. Laura Cabrera

Alzheimer-Marker haben prognostischen Wert1

Die Kombination aus temporal betonter Hirnatrophie, Amyloid-Plaques und hyperphosphoryliertem Tau (p-tau) dient der Diagnose eines Morbus Alzheimer. Laut einer Untersuchung von Ebenau und Kollegen an 693 niederländischen Patienten haben diese Marker auch prognostische Aussagekraft.

Die Patienten gaben zu Studienbeginn an, selbst einen kognitiven Abbau zu bemerken. Das Durchschnittsalter lag bei 60 Jahren, der durchschnittliche Mini-Mental-Score der Probanden lag bei 28 von 30 Punkten. Die Probanden wurden untersucht auf Amyloid-Pathologien (mit PET oder Liquor), niedrige p-tau-Werte im Liquor und temporale Atrophien im MRT. Die mittlere Nachbeobachtung dauerte 3 Jahre.

Markante Steigerung des Risikos festgestellt

Patienten, die nur pathologische Amyloid-Befunde aufwiesen (n=122), hatten ein 5-fach erhöhtes Risiko, in dieser Zeit ein Mild Cognitive Impairment zu entwickeln oder mit einer Demenz diagnostiziert zu werden. Bezüglich der Demenz selbst ergab sich ein 10-fach erhöhtes Risiko. Lag auch ein erniedrigter Liquor- p-tau-Wert vor, erhöhte sich das Risiko um das 9- bzw. 20-fache. Waren alle drei Marker pathologisch, stiegen die Risiken um das 30- bzw. 60-fache.

Die unregelmäßige Verteilung der Probanden mit verschiedenen Marker-Profilen schränkt dabei die Aussagekraft der Studie ein, sodass der Algorithmus an größeren Patientenzahlen getestet werden muss.

Statt Liquorpunktion bald Bluttest ausreichend?

Ein Ansatzpunkt, um die Diagnostik einer beginnenden Alzheimer-Demenz in Zukunft zu vereinfachen, liegt im Nachweis von Komponenten des Tau-Proteins im Blut. Während zuletzt p-tau181 als vielversprechend galt, wurde nun auf der Internationalen Konferenz der Alzheimer’s Association die Komponente p-tau217 als zuverlässiger und spezifischer vorgestellt.

Multizentrische, internationale Studie

Mit einer Präzision von 98% konnte p-tau217 bei 81 verstorbenen Patienten aus Arizona, an denen eine neuropathologische Untersuchung durchgeführt werden durfte, diejenigen Personen identifizieren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit unter einem Morbus Alzheimer gelitten haben (besonders viele Amyloid-Plaques und fortgeschrittene neurofibrilläre Tangles). Die gleiche Genauigkeit zeigte p-tau217 auch bei 345 lebenden Probanden, bei denen es 121 Alzheimer-Patienten von den restlichen Kontrollprobanden abgrenzen konnte. Insgesamt waren bei der internationalen, multizentrischen Untersuchung dieses neuen Markers 1402 Probanden involviert.

Früherkennung womöglich 20 Jahre vor der ersten Symptomatik

Noch spannender wird dieser neue Biomarker in seiner potenziellen Bedeutung für die Früherkennung. Eine der untersuchten Kohorten bestand aus einer Stichprobe mit Trägern der Paisa-Mutation, einer Punktmutation auf dem 14. Chromosom. Die Träger der Mutation entwickeln etwa mit 45 Jahren ein Mild Cognitive Impairment und mit etwa 50 Jahren das Vollbild eines Morbus Alzheimer. In dieser Bevölkerungsgruppe war der p-tau217-Wert im Blut bereits im 25. Lebensjahr, also im Schnitt 20 Jahre vor Einsetzen der Symptomatik, signifikant höher als bei Nicht-Mutations-Trägern der gleichen Bevölkerungsgruppe.

Einen detaillierten Bericht zu dem vielversprechenden Labortest finden Sie auf alzforum.org (auf Englisch).

  1. Ebenau JL et al. ATN classification and clinical progression in subjective cognitive decline: The SCIENCe project. Neurology 2020 Jul 7; 95:e46
  2. Palmqvist S, Janelidze S, Quiroz YT, et al. Discriminative Accuracy of Plasma Phospho-tau217 for Alzheimer Disease vs Other Neurodegenerative Disorders. JAMA. Published online July 28, 2020.

Bildquelle: © Getty Images/jarun011

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