26. April 2019

Kommentar

Wie sieht die Zukunft der Niederlassung aus?

Studium, Praxis, Zukunftsmedizin. Wie werden Ärzte heute auf die Übernahme oder Gründung der eigenen Praxis vorbereitet? Was muss ein Arzt mitbringen, um auch morgen noch erfolgreich – was auch immer das bedeutet – in der eigenen Praxis zu arbeiten? Und was denkt die junge Generation der Ärzte über die Selbständigkeit und den Einfluss des Arztes auf die Branche?

Ein Kommentar von Oliver Neumann

Lesedauer: 3 Minuten

Der Arzt ist in Deutschland sehr gut ausgebildet

Das Studium der Medizin und die Ausbildung zum Facharzt beanspruchen zwischen 12 und 14 Jahre. In dieser Zeit ist der Arzt fachlich zum Experten geworden. Doch wie wird er auf unternehmerische Tätigkeiten vorbereitet?

Oliver Neumann Bild: © Susanne Beimann
Oliver Neumann Bild: © Susanne Beimann

Bis zum Ende der Facharztausbildung können Ärzte sich durch die eigene Initiative auf eine berufliche Selbständigkeit vorbereiten. Von wem aber lernen sie betriebswirtschaftliche Themen, Abrechnungsangelegenheiten (RLV, QZV und EBM) und Führungskompetenzen? Genau in dieser Phase fehlt auch eine Vorbereitung auf die Zukunftsperspektive Arztpraxis. Denn nur, wenn ich mir vorstellen kann, was mich als selbständiger Arzt in eigener Praxis erwartet, kann ich beurteilen, ob dieser Weg für mich interessant ist.

Praxis als Berufung? Oder Hauptsache raus aus der Klinik?

Die entscheidende Frage ist, werde ich in die eigene Praxis gehen, weil ich es zu 100 % will und eine Niederlassung meine Berufung ist oder weil ich nach 10 Jahren Nacht- und Wochenenddienst, einfach keine Lust mehr auf das Krankenhaus habe. Gehe ich also hin zu der eigenen Praxis oder gehe ich einfach nur weg von der Tätigkeit im Krankenhaus?

Die Ausbildung müsste in dieser Hinsicht deutlich mehr zum Thema „Führen der eigenen Praxis ausgerichtet“ werden. Es fehlt eine Akademie oder eine ausbildungsbegleitende Möglichkeit für Ärzte, damit diese Entscheidung überhaupt rechtzeitig getroffen werden könnte. Aufbaustudiengänge richten sich meist an Betriebswirte oder an Ärzte mit Berufserfahrung.

Auch die Kassenärztlichen Vereinigungen, Kammern, Verbände und gute Berater, die die Niederlassung begleiten, können diese Lücke nicht rechtzeitig schließen.

Bin ich „nur“ selbstständig oder auch unternehmerisch tätig?

Für viele bedeutet die unternehmerische Tätigkeit noch immer die Optimierung von Gewinnen und das Anordnen von unnötigen medizinischen Leistungen. Dies ist gerade im ärztlichen Kontext mit der ärztlichen Ethik und auch mit der Berufsordnung nicht vereinbar. Der Arzt, der unternehmerisch tätig ist, ist jedoch vielmehr mit der Verbesserung der betriebswirtschaftlichen Prozesse (Mitarbeiterführung, Controlling, Organisation und Marketing) beschäftigt und zunächst einmal weit weg von Gewinnoptimierung.

Keine KI kann den Arzt ersetzen

Der Arzt als Unternehmer wird sich immer vorrangig mit der Patientenversorgung beschäftigen. Die Beziehung „von Menschen zu Menschen“ und „von Ärzten zu Patienten“ wird auch in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Kein digitaler Prozess und keine Künstliche Intelligenz (KI) kann und wird den Arzt ersetzen. Allerdings können Ärzte – insbesondere bei der ambulanten Versorgung – diese Hilfsmittel nutzen, um mehr Zeit für den Patienten zu haben.

Die neue Generation von Ärzten

Schon heute haben viele junge Ärzte großen Einfluss auf ihre Follower durch Facebook und Instagram. Krankenhäuser z.B. erreichen die Patienten nur für die Dauer des Aufenthaltes: Verlässt der Patient das Krankenhaus, verliert der Arzt den Einfluss zu über 80 %.

Sozial Media hingegen ermöglicht den jungen Ärzten, Kontakt zu halten und Einfluss auf ihre Follower zu nehmen. Gleichzeitig bauen sie sich mit der Community die „Patienten von morgen“ standortunabhängig schon heute auf. Junge Ärzte sind über online-Kampagnen mit ihrer Community verbunden. Diese #medicalstudents werden eine neue Art der Patientenversorgung erleben und ggf. selbst mitgestalten.

MTA’s werden mehr Aufgaben übernehmen

Qualität der Beratung und der Versorgung wird auch für das nichtärztliche Personal ein Thema werden. Medizinisch-technische Assistenten (MTA) werden mehr Patientenkontakt bekommen und gestützt von Digitalisierungsprozessen die Versorgung der Patienten begleiten. Diese Zukunftsvision bedeutet aber auch, verbesserte Verwaltungsstrukturen und schlankere Vergütungssysteme für alle Beteiligten. Dann klappt es auch mit der Patientenversorgung.  

Diese und weitere Themen rund ums Praxismanagement werden auch auf dem erstmalig am 6. Juli 2019 in Dortmund stattfindenden Ärzte-Forum „Startup Praxis“ im Kollegenkreis diskutiert. Nicht nur Gründer sind eingeladen, sondern auch etablierte Praxisinhaber und solche, die es werden wollen. Weitere Informationen finden Sie unter www.startup-praxis.de

  • Oliver Neumann ist seit über 16 Jahren in der unternehmerischen Beratung von Ärzten tätig. In seinem Businessdoc-Podcast interviewt er unterschiedliche Gäste aus dem Gesundheitsmarkt, um Ärzten Lust auf das Thema eigene Praxis zu machen. Mehr unter: www.businessdoc.online

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