18. September 2019

Vorsicht bei der Ausstellung von Attesten

Immer wieder sind Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (AU) Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen. Was müssen Ärzte beachten, um auf der sicheren Seite zu sein?

Lesedauer: 2,5 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einer Information der Ärztekammer Hamburg, die Christoph Renninger für Sie zusammengefasst hat.1

Von der Erkrankung überzeugt sein

Vor Ausstellung eines Attests zur Arbeits- oder Schulunfähigkeit muss der Arzt die vom Patienten behaupteten Symptome durch eine gründliche Anamnese, körperliche Untersuchungen und – falls notwendig – weiterführende Diagnostik überprüfen.

Kommt der Mediziner zur Überzeugung, dass auch objektiv die beschriebenen gesundheitlichen Einschränkungen vorliegen und durch Befunde belegt werden können, kann die AU ausgestellt werden. Eine subjektive Beschreibung durch den Patienten reicht nicht aus.

Rückwirkende Atteste nur in Ausnahmefällen

Je länger der Zeitraum zwischen dem angegebenen Krankheitsbeginn und der Untersuchung, desto schwieriger ist eine objektive Überprüfung. Rückwirkende Atteste sollten daher nur in Ausnahmefällen ausgestellt werden. Zu Beschwerden können folgende Formulierungen führen, da sie dem Empfänger möglicherweise subjektiv erscheinen:

  • „Nach Mitteilung des Patienten war er seit dem XX.XX. krank.”
  • „Der Patient berichtet, dass er seit mehreren Tagen an (…) leide”

Grenzen des Fachgebiets kennen

Der diagnostische und therapeutische Rahmen des eigenen Fachgebiets sollte eingehalten werden, um kompetent eine entsprechende ärztliche Bescheinigung ausstellen zu können. Lässt sich die Symptomatik nicht sicher klären, sollte der Patient an einen Fachkollegen überwiesen oder der fachärztliche Rat eines Kollegen eingeholt werden.

Bei Gemeinschaftspraxen mit mehreren Fachgebieten oder medizinischen Versorgungszentren (MVZ) sollte eindeutig erkennbar sein, welcher Arzt für die Bescheinigung verantwortlich ist. Ist die Unterschrift unleserlich, sollte der Klarnamen hinzugefügt werden.

Um Missbrauch vorzubeugen, sollte der Zweck der Bescheinigung festgehalten werden („Zur Vorlage beim Familiengericht“, „Attest für den Arbeitgeber“, …).

Bei Auffälligkeiten: Überprüfung durch den MDK

Meldet sich ein Mitarbeiter besonders häufig oder oftmals nur kurze Zeit arbeitsunfähig, können Arbeitgeber bei Zweifeln bei der Krankenkasse eine Überprüfung der AU beantragen. Diese wird vom Medizinschen Dienst der Krankenkassen (MDK) durchgeführt. Der Arzt ist gegenüber dem MDK zur Auskunft verpflichtet (§7 Abs.1 AU-Richtlinie).

Eine Überprüfung ist auch möglich, wenn ein Arzt durch eine besonders hohe Zahl an Bescheinigungen zur Arbeitsunfähigkeit auffällig geworden ist. Besonderes mediales Interesse erregte im vergangenen Jahr die „Attest-Affäre” an der Universität Hohenheim.

Vorsicht bei Attesten für die Schule

Ärzte machen sich strafbar (§278 Strafgesetzbuch), wenn sie ein falsches Zeugnis über den Gesundheitszustand eines Menschen wider besseren Wissens ausstellen.

Doch gerade zu Ferienbeginn kommt es immer wieder zu Bescheinigungen, um Schüler vom Unterricht oder der Teilnahme an schulischen Veranstaltungen zu befreien. Oftmals sind Schüler bereits im Ausland oder auf dem Weg in den Urlaub, obwohl sie laut Attest schulunfähig krank seien. Die Frage „Früher in die Sommerferien mit ärztlichen Attest?” wurde auch bei coliquio kontrovers diskutiert.

Problematisch können auch außermedizinische Gründe sein, da diese nicht für die Ausstellung eines ärztlichen Attests ausreichen. Dies gilt etwa, wenn Schüler aus religiösen oder kulturellen Gründen bestimmte Unterrichtsveranstaltungen mit ärztlicher Unterstützung versäumen, aber am sonstigen Schulbetrieb teilnehmen.

Das Ausstellung einer AU kann zu einer Herausforderung werden, lesen Sie mehr über einige knifflige Fälle, die in der Praxis auftreten können.

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  1. Mohr T. Vorsicht beim Ausstellen von Attesten. Hamburger Ärzteblatt, 07/08 2015: 22-23.

Bildquelle: © Getty Images/FabioBalbi

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