23. März 2020

Virchow-Bund

Diese Vorkehrungen sollten Arztpraxen jetzt treffen

Praxisärzte sind von der Corona-Pandemie an vorderster Front betroffen. In einem offenen Brief hat sich Dr. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Virchowbundes, deshalb an die Kollegen gewendet. Darin erläutert er, welche Vorkehrungen aus seiner Sicht niedergelassene Ärzte jetzt treffen sollten. 1

Lesedauer: 2,5 Minuten

Quelle: Virchowbund. Redaktion: Dr. Nina Mörsch

„Die Lage ist ernst. Denn es stehen möglicherweise entscheidende Tage vor uns. Die Situation in den italienischen Krankenhäusern erschüttert uns zutiefst. Wenn ich die Berichte aus Norditalien, und insbesondere Bergamo, lese, dann müssen wir uns leider auch mit der Frage auseinandersetzen, ob die Krise in Deutschland nicht ähnliche Zustände erreichen wird. Dies müssen wir in unseren Überlegungen dringend berücksichtigen”. Mit diesen Worten richtete sich der Bundesvorsitzende des Virchowbundes, Dr. Dirk Heinrich, letzte Woche an die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland.

Ressourcen bündeln, Kapazitäten mit Krankenhäuser koordinieren

In Anbetracht der rasanten Ausbreitung von SARS-Covid-19 in Deutschland und der zu erwartenden Extrembelastung der Gesundheitsversorgung sei es an der Zeit, Vorkehrungen für die kommenden Wochen zu treffen. Dazu zählten, Ressourcen zu bündeln und Kapazitäten mit den Krankenhäusern zu koordinieren. Entscheidend dabei sei die Vernetzung aller niedergelassener Kolleginnen und Kollegen vor Ort.

Bei den Vorbereitungen auf die bevorstehende Tage sollten die Ärzte insbesondere folgende Patientengruppen im Fokus haben:

1. Tatsächlich an COVID-19 erkrankte Patienten

2. Chronisch kranke Patienten, die einen positiven Test auf COVID-19 auf weisen oder die an COVID-19 erkrankt sind und eine Spezialuntersuchung benötigen.

Um die Infektionsmöglichkeiten zu reduzieren und Ressourcen zu sparen, sollten betroffene Patienten in einigen, wenigen Arzt- bzw. Facharztpraxen konzentriert werden. Praxen aus einer Region müssten hierfür identifizert werden, die sich dann an ein oder zwei Vor- oder Nachmittagen nur um diese Patienten kümmern.

Praxen für den Dienst im Krankenhaus freistellen

Um Ersatz bei einem möglichen Ausfall von Ärzten und Pflegenden in Kliniken zu schaffen, schlägt Dr. Heinrich ebenfalls vor, die ambulante Versorgung insbesondere von fachärztlich versorgten Patienten auf einige Praxen zu konzentrieren. Andere Praxen könnten so für den Dienst im Krankenhaus freigestellt werden. Ein rotierendes System könne dabei sicherstellen, dass jede Praxis in beiden Bereichen zum Einsatz kommt. „Ich bin mir dabei bewusst, dass auch das zu Ausfällen in der Folge führen wird”, betont der Bundesvorsitzende.

Angesichts dieses Notfallplans rät er Ärzten zu folgenden Maßnahmen:

  • Kontaktieren Sie Krankenhäuser und das zuständige Gesundheitsamt in der Region und hinterlassen Sie Ihre Handynummer, falls in der Klinik, in Abstrich-Zentren oder in ähnlichen Notfalleinrichtungen Ärzte benötigt werden.
  • Informieren Sie die Kassenärztliche Vereinigung und die Landesärztekammer über die geplante Notdienststruktur und bereiten Sie Aushänge zur Information der Patienten in den Praxen vor.
  • Versuchen Sie in Eigenregie, an Schutzausrüstung zu kommen. Nehmen Sie Kontakt zu Herstellern wie Draeger, 3M oder anderen auf. Das können auch Ihre MFA übernehmen. Fragen Sie nach direktem Verkauf an medizinische Leistungserbringer.

1. Virchowbund, 19. März 2020: Offener Brief an die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland

Bild: © GettyImages/AndreyPopov

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