05. Oktober 2016

Gefahr durch Medikamente im Straßenverkehr

Eine große Zahl von weit verbreiteten Arzneimitteln kann die Fahrsicherheit beeinflussen, sei es durch zentrale Wirkungen oder unerwünschte Nebeneffekte. Als Arzt sind Sie rechtlich dazu verpflichtet Ihre Patienten zu informieren und über die Risiken aufzuklären. Lesen Sie hier, welche Wirkstoffklassen die Fahrsicherheit beeinträchtigen können.

Dieser Beitrag basiert auf einer Publikation in MMW Fortschritte der Medizin 2016; 14: 42-46. Wichtige Medikamentengruppen fasst Christoph Renninger, coliquio-Redaktion, für Sie zusammen.

Bei jedem fünften Medikament kann es laut Herstellerangaben zu einem Einfluss auf die Fachsicherheit kommen, dies gilt vor allem für zentral wirksame Substanzen. Dabei können sowohl kognitive als auch motorische Beeinträchtigungen auftreten. Bei der Verordnung eines solchen Medikaments besteht für Sie eine rechtliche Aufklärungspflicht, um eine Eigen- und Fremdgefährdung auszuschließen. Auch Fahrradfahren gilt als „Führen eines Fahrzeugs“. Besonders bei Therapiebeginn oder Dosisänderungen kann es zu kritischen Situationen kommen. Zudem sollten Wechselwirkungen mit anderen Substanzen, auch durch Selbstmedikation, beachtet werden.

Diese Medikamentengruppen können sich auf die Fahrsicherheit auswirken

Sedativa, Hypnotika und Tranquillanzien

Am häufigsten werden in dieser Medikamentengruppe Benzodiazepine verschrieben, daher spielen sie die größte Rolle bei einer möglichen Unfallgefahr. Neben der sedativ-hypnotischen Wirkung, haben die Medikamente einen muskelrelaxierenden Effekt. Bei der Einnahme als Schlafmittel kann es zu sogenannten Carry-over-Effekten kommen, sodass auch noch am nächsten Morgen die Fahrsicherheit beeinträchtigt sein kann. Dies gilt besonders bei lang wirksamen Substanzen, wie Diazepam. Die Effekte hängen von der Halbwertszeit ab und können vor allem bei älteren Patienten und bei mehrfacher oder hochdosierter Einnahme auftreten. Problematisch ist auch eine Einnahme als Anxiolytikum während des Tages- das relative Unfallrisiko ist hierbei verdoppelt.

In dieser Hinsicht günstiger sind Substanzen wie Zolpidem oder Zoplicon, da diese aufgrund der kürzeren Halbwertszeit seltener zu Carry-Over-Effekten führen. Allerdings wurden unter Zolpidem Fälle von Schlafwandeln und nächtlichem Autofahren berichtet, ohne dass sich der Patient daran erinnern kann.

Analgetika

Unter Schmerzmitteln sind in erster Linie Opioide zu nennen. Aufgrund von Nebenwirkungen wie Sedierung, Atemdepression, aber auch Miosis, kann eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr nicht immer möglich sein. Dies gilt besonders bei Therapiebeginn, da die Nebenwirkungen mit längerer Therapiedauer abnehmen.

Auch bei manchen anderen Analgetika wird in den Fachinformationen auf einen Einfluss auf die Fahrsicherheit hingewiesen. Dies trifft unter anderem auf Ibuprofen zu, welches jedoch nicht ZNS-wirksam ist.

Antihypertensiva

Bei der Bluthochdrucktherapie besteht vor allem zu Therapiebeginn das Risiko eines plötzlichen Blutdruckabfalls. Weitere Nebenwirkungen können Schwindel, Müdigkeit und Schwächegefühle sein. Daher ist eine regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks von großer Bedeutung, um eine Gefährdung im Straßenverkehr zu vermeiden.

Antidepressiva

Einige Antidepressiva haben neben der stimmungsaufhellenden Wirkung auch einen sedierenden Effekt, dadurch kann die Fahrtüchtigkeit eingeschränkt sein. Das gilt vor allem für trizyklische Antidepressiva, wie Amitriptylin oder Trimipramin. Bei anderen Substanzklassen wie selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI) gibt es nur einen mäßigen Einfluss auf die Verkehrssicherheit. Allerdings kann es Kombination mit Alkohol zu Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit kommen.

Antipsychotika

Bei diesen Medikamenten sind es vor allem unerwünschte Nebenwirkungen, die sich im Straßenverkehr auswirken. Besonders extrapyramidalmotorische Störungen, die bei klassischen Neuroleptika auftreten können, sind zu beachten.

S. Penzel & L.D. Paul. Unfallgefahr durch Medikamente. MMW- Fortschritte der Medizin 2016; 14: 42-46.

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.

coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigter Geschäftsführer:
Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653