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Praxismanagement

21. Dez. 2022
Praxismanagement und Umwelt 

10 Tipps für mehr Nachhaltigkeit in der Praxis 

Ob Seife zum Nachfüllen, nachhaltige Berufskleidung oder Wechsel zu Ökostrom: Auch in der Arztpraxis bieten sich viele Möglichkeiten die Umwelt zu schonen. Hier finden Sie 10 praktische Tipps und Anregungen für mehr Klimaschutz im Praxisalltag. 

Lesedauer: ca. 5 Minuten

Regenwald als Symbol für Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit: Ärztinnen und Ärzte können mit gutem Beispiel vorangehen. (Foto: © Getty Images / Petmal)

Autorin: Lisa Vandieken

Klimaschutz ist Gesundheitsschutz  

Der Klimawandel ist die weltweit größte Bedrohung für die Gesundheit.1 Immer mehr Akteurinnen und Akteure im Gesundheitswesen setzen sich daher aktiv für mehr Nachhaltigkeit ein. Zudem gilt es, Strategien im Umgang mit den aus dem Klimawandel resultierenden Herausforderungen zu erarbeiten.2 Neben Maßnahmen und Bestrebungen für eine klimafreundliche Gesundheitsversorgung auf nationaler und internationaler Ebene, zählt auch das Engagement des Einzelnen im eigenen Wirkungsfeld. 

Problembewusstsein und Bereitschaft unter Ärzten vorhanden 

Als Berufsgruppe, der die Deutschen das größte Vertrauen entgegenbringen3, können und wollen Ärztinnen und Ärzte vielfach als gutes Beispiel vorangehen. So ist bereits ein großes Problembewusstsein in weiten Teilen der Ärzteschaft vorhanden: Wie eine Umfrage zeigte, sehen 83 % der Befragten den Klimawandel als dringendes Problem, das sofortiges Handeln erfordert.4 Die Befragung zeigte auch: Ärztinnen und Ärzte sehen sich bereits mehrheitlich in der Verantwortung, Tipps zu einem gesundheitsfördernden und gleichzeitig klimafreundlichen Lebensstil zu geben. Auch die Bereitschaft, Ressourcen in den Bereichen Energie, Mobilität und Verbrauchsmaterialien zu schonen, ist unter ihnen groß.4 

Fußabdruck des Gesundheitssektors
  • Wäre der globale Gesundheitssektor ein Land, so stünde er in Sachen Ausstoß von Klimagasen im weltweiten Ranking auf Platz 5.5 
  • In Deutschland macht der Gesundheitssektor 5,2 % der Gesamtemissionen aus.5 
  • Weltweit betrachtet verursachen innerhalb des Gesundheitssektors die damit zusammenhängenden Produktions- und Lieferketten 71 % der Emissionen. Direkte Emissionen der Gesundheitseinrichtungen machen etwa 17 % aus, weitere 12 % entfallen auf indirekte Emissionen, z. B. durch Strom, Wärme und Kühlung.5 
  • Im Jahr 2014 fielen in Deutschland 245.100 Tonnen Abfälle aus der medizinischen Versorgung und Forschung an.6  
  • Zu den am häufigsten verwendeten Einwegprodukten in Gesundheitseinrichtungen zählen u. a. Nierenschalen.7 

10 Ansätze für mehr Umweltschutz in der Arztpraxis 

Sie möchten sich ebenfalls in Ihrem beruflichen Umfeld für mehr Umweltschutz einbringen und fragen sich, was Sie konkret in Ihrer Praxis für mehr Nachhaltigkeit tun können? Keine Sorge, Klimaschutz muss nicht aufwendig oder kompliziert sein. Diese 10 Tipps für die ärztliche Praxis lassen sich leicht umsetzen und können so als erste Impulsgeber dienen (mod. nach 8-12): 

  • Medikation überprüfen, Überversorgung vermeiden 

Medikamente sind für den größten Teil der Treibhausgasemissionen von Arztpraxen verantwortlich.11  

  • Auch um Wechselwirkungen bei Polymedikation zu vermeiden, sollte bei langen Medikamentenlisten regelmäßig überprüft werden, ob die Verordnung aktuell noch angezeigt ist.  
  • Überversorgung und unnötige apparative Untersuchungen gilt es zu vermeiden. 
  • Durch die verwendeten Treibhausgase sind Dosieraerosole unter den Medikamenten am klimaschädlichsten. Für eine durchschnittliche Praxis sind ihre Auswirkungen auf das Klima stärker als die von Heizung und Stromverbrauch zusammen. Wann immer möglich sollten daher Pulverinhalatoren zum Einsatz kommen.11 
  • Im Büro Potenziale zur Einsparung nutzen 
  • Recyclingpapier nutzen: Die Herstellung von Recyclingpapier spart im Vergleich zu Frischfaserpapier 60 % Wasser und knapp 20 % der CO2-Emissionen. Zusätzlich kann die Umstellung im Einkauf Geld sparen.9 
  • Prozesse möglichst digitalisieren 
  • überflüssige/unerwünschte Werbesendungen abbestellen 
  • bei Bürogeräten und Verbrauchsmaterial auf Nachhaltigkeit achten – ein Großmarkt mit nachhaltigem Sortiment ist beispielsweise Memo (www.memo.de) 
  • Nachhaltigkeit im Internet, z. B. durch Nutzung der Google-Alternative Ecosia 
  • Nachhaltige Produkte kaufen 
  • z. B. nachhaltig prouzierte und CO2-neutral gelieferte Berufsbekleidung von Green Textile Solutions oder 7Days 
  • Hygieneanforderungen und -vorschriften lassen sich zum Teil auch mit ökologischen und biologisch abbaubaren Reinigungsmittel-Alternativen erfüllen – sprechen Sie Ihre Reinigungsfirma an 
  • wenn möglich, Nachfüllpackungen einkaufen (verfügbar z. B. für Ultraschallgele, Desinfektionstücher und -mittel, Seifen) 
  • Liegenpapierrolle, Einmalhandtücher und Toilettenpapier aus recyceltem Material 
  • Sterilisation statt Wegwerfmaterial  
  • Gesundheits- und klimafreundliche Mobilität fördern 
  • Attraktivität von Fahrrad und ÖPNV für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, z. B. durch ein Jobticket oder Fördergelder für e-Mobilität (z. B. für eBikes), erhöhen 
  • Dienstreisen mit der Bahn statt mit dem Flugzeug absolvieren oder Webmeetings statt Präsenzveranstaltungen 
  • Patientinnen und Patienten zum Praxisbesuch zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV motivieren (z. B. durch Fahrradparkplätze, oder Bewerbung der ÖPNV-Anbindung der Praxis)
  • Energieversorgung und Energieverbrauch unter die Lupe nehmen 
  • Umstellung auf Ökostrom 
  • Wassersparen, z. B. mithilfe von Perlatoren, Wasserspartasten in Toilettenspülungen oder wassersparenden Armaturen 
  • Prüfung der Möglichkeiten der Eigenproduktion von Strom, z. B. Photovoltaik 
  • ältere Geräte überprüfen und ggf. in energiesparende Anlagen neuester Generation investieren 
  • Energie einsparen durch LED-Beleuchtung, Abschalten statt Standby, Stoßlüften und moderates Heizen 
  • Lebensmittelversorgung nachhaltig gestalten
  • Wasserspender mit Gläsern oder recycelten Pappbechern ausstatten 
  • Patientinnen und Patienten zu gesunder Ernährung aufklären und motivieren 
  • Pflanzenbasierte, saisonale, regionale und biologische Kost für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 
  • Abfallwirtschaft optimieren 
  • Mülltrennung optimieren, z. B. Glasmüll separat entsorgen und dem Recycling zuführen, Papier und Restmüll konsequent trennen 
  • ausgediente Geräte, Tonerkartuschen, Leuchtmittel und Co. in Wertstoffhöfen entsorgen 
  • Recyclingprogramm für Einmalhandschuhe in Zusammenarbeit mit TerryaCycle nutzen 
  • Auf nachhaltiges Finanzmanagement setzen
  • Wechsel zu einer ökologischen Bank, die z. B. in erneuerbare Energien oder Ökolandbau investiert 
  • auf Versicherungen mit nachhaltiger Anlagepolitik setzen 
  • einen Überblick bietet u. a. www.utopia.de 
  • Problembewusstsein schaffen
  • Einbindung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Entwicklung ressourcenschonender Abläufe, z. B. durch Projektgruppen oder das Anbieten von Weiterbildungen und Vorträgen 
  • Aufklärung von Patientinnen und Patienten über den Zusammenhang von Wohlbefinden und Umwelt 
  • Thematik auch bei Kolleginnen und Kollegen adressieren 
  • Sich weiter zum Thema informieren und fortbilden
  • Weitere Informationen und Möglichkeiten zum Aktivwerden bieten u. a.: 

Praktisches Beispiel: Optimierung der Medikamentengabe 

Eine britische Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine Optimierung der Medikamentengabe (insbesondere im Falle von Polypharmazie) folgende Einsparungen pro 100.000 Personen bringen könnte: 

  • 202 Tonnen Treibhausgasemissionen 
  • 0,3 Mio. m3 Frischwasser 
  • 24 Tonnen Abfall 

(Potenzielle Einsparungen ergeben sich hauptsächlich durch Vermeidung von Nebenwirkungen und deren Behandlung, in Teilen aber auch direkt durch weniger Verschreibungen).13 

Sie suchen weitere Anregungen zur Nachhaltigkeit in der Arztpraxis?  

Die hier aufgeführten und zahlreiche weitere Tipps und Informationen finden Sie unter anderem hier: 

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