09. Oktober 2019

Telefonate nur unter Umständen berechnungsfähig

Durch kaum etwas wird der tägliche Praxisablauf mehr gestört als durch Telefonate, insbesondere wenn Anrufer unbedingt den Arzt sprechen wollen. Um bei der Abrechnung alles richtig zu machen, muss man sich allerdings etwas auskennen.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Dieser Beitrag erscheint hier mit freundlicher Genehmigung des Online-Portals “Der niedergelassene Arzt”.

Gemäß 4.3.1 der allgemeinen Bestimmungen des EBM sind telefonische Arzt-Patienten-Kontakte (APK) Inhalt der Versichertenpauschalen und nicht gesondert berechnungsfähig. Es gibt aber Ausnahmen: Bei alleinigen telefonischen APK in Folgequartalen oder bei telefonischen APK zu bestimmten Zeiten (Unzeiten).

Alleinige telefonische APK

Eine Berechnungsmöglichkeit für Telefonate in Folgequartalen besteht, wenn bei einem Patienten im gesamten Quartal kein persönlicher APK stattfindet und somit keine Versichertenpauschale abgerechnet wird. Für eine derartige telefonische Konsultation ist die Gebührenordnungsposition (GOP) 01435 (Haus-/Fachärztliche Bereitschaftspauschale) abzurechnen.

Nachteil: Die 01435 für telefonische Kontakte entfällt, wenn ein Patient zunächst in einem Folgequartal anruft und dafür die 01435 berechnet wird, derselbe Patient aber in demselben Quartal später noch persönlich in die Praxis kommt und dann eine Versichertenpauschale abgerechnet wird.

Besondere Konstellation für Gemeinschaftspraxen

Die GOP 01435 ist von der Berechnung neben einer Versichertenpauschale nur in demselben Arztfall ausgeschlossen.

Beispiel: Ein Patient hat in einer Gemeinschaftspraxis zunächst einen persönlichen Kontakt mit Arzt A mit Berechnung der Versichertenpauschale. Zu einem anderen Zeitpunkt im Quartal wird Arzt B von demselben Patienten angerufen. Arzt B kann die GOP 01435 berechnen, da nur Arzt A eine Versichertenpauschale abgerechnet hat. Somit kommt die Berechnung der GOP 01435 vornehmlich für Gemeinschaftspraxen in Frage.

Telefonate zu Unzeiten

Vielfach wird fälschlich angenommen, dass Telefonate mit Patienten aufgrund der Ausschlussbestimmung in den allgemeinen Bestimmungen des EBM nicht gesondert berechnungsfähig seien.

Rufen Patienten unvorhergesehen – die Telefonate dürfen nicht verabredet sein – später am Abend oder nachts an, sind die GOP 01100 und 01101 zu den in den Leistungsbeschreibungen angegebenen Zeiten berechnungsfähig, allerdings nicht, wenn zu diesen Zeiten noch Sprechstunden stattfinden.

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Telefonate zu Unzeiten nach den GOP 01100, 01101 und 01102 sollten auch bei alleinigen telefonischen Kontakten in Folgequartalen berechnet werden, wenn die Anrufe zu den vorgegebenen Zeiten erfolgen.

Vorteil: Kommt zusätzlich ein persönlicher APK zustande mit Berechnung einer Versichertenpauschale, werden die zuvor berechneten GOP 01100, 01101 oder 01102 nicht gestrichen, während die GOP 01435 in dieser Konstellation entfällt.

Telefonate an Samstagen

Finden Telefonsprechstunden während der normalen Sprechzeiten statt, können die geführten Telefonate nicht extra abgerechnet werden.

Anders an Samstagen: Wird eine Telefonsprechstunde samstags von 7.00 bis 14.00 Uhr eingerichtet, können alle zu dieser Zeit von Patienten eingehenden Telefonate mit der GOP 01102 (101 Punkte, 10,93 Euro) berechnet werden. So bietet es sich an, in einer Telefonsprechstunde am Samstag mit Patienten zum Beispiel Befunde oder Laborwerte telefonisch zu erörtern.

Telefonate mit Praxismitarbeitern

Haben Patienten in Folgequartalen ausschließlich Telefonkontakt mit Praxismitarbeitern, kann dafür der Verwaltungskomplex GOP 01430 berechnet werden.

Nachteil: Auch die GOP 01430 entfällt, wenn im Laufe des Quartals bei demselben Patienten eine Versichertenpauschale abgerechnet wird.

Wichtig

  • GOP 01100 und 01101: Unvorhergesehene, nicht vereinbarte Anrufe von Patienten zu „Unzeiten“ außerhalb von Sprechstundenzeiten
  • GOP 01102: Telefonate, auch vereinbarte, an Samstagen zwischen 7.00 und 14.00 Uhr
  • GOP 01435: Telefonate mit dem Arzt, wenn in demselben Quartal bei demselben Patienten keine Versicherten­pauschale berechnet wird
  • GOP 01100, 01101 und 01102: Telefonate nach den GOP 01100, 01101 und 01102 werden im Gegensatz zur GOP 01435 auch vergütet, wenn bei demselben Patienten in demselben Quartal eine Versichertenpauschale abgerechnet wird

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