23. September 2021

STIKO

Zwischen Covid-19-Impfungen und anderen Impfungen kein Impfabstand mehr erforderlich

Impfungen gegen Covid-19 und beispielsweise Influenza können nun gleichzeitig erfolgen. Dafür hat sich die Ständige Impfkommission ausgesprochen und einen entsprechenden Entwurf zur Aktualisierung der Covid-19-Impfempfehlung in das Stellungnahmeverfahren gegeben. Außerdem empfiehlt sie Personen mit einer Immundefizienz eine Auffrischimpfung. 1

Lesedauer: 2,5 Minuten

Der Empfehlungsentwurf der Ständigen Impfkommission (STIKO) bezieht sich auf alle Totimpfstoffe, die künftig simultan mit einer Covid-19-Impfung verabreicht werden können. Zwischen der Covid-19-Impfung und der Applikation anderer Totimpfstoffe muss danach kein Mindestabstand mehr eingehalten werden.

Injektion an unterschiedlichen Gliedmaßen

„Unter der Voraussetzung, dass eine Indikation zur Impfung sowohl gegen Influenza als auch gegen Covid-19 bestehe, ist die gleichzeitige Verabreichung der beiden Impfstoffe möglich“, heißt es in dem Entwurf. Die Injektion solle in der Regel an unterschiedlichen Gliedmaßen erfolgen.

Die STIKO weist darauf hin, dass bei einer gleichzeitigen Anwendung Impfreaktionen häufiger als bei der getrennten Gabe auftreten könnten. Umfangreiche Erfahrungen mit Nicht-Covid-19-Impfstoffen zeigten jedoch, dass die Immunantwort und das Nebenwirkungsprofil nach gleichzeitiger Verabreichung verschiedener Impfstoffe im Allgemeinen dem bei jeweils alleiniger Anwendung entsprächen.

Wissenschaftliche Begründung

Die STIKO weist in ihrer wissenschaftlichen Begründung auf die Gefahr hin, dass sich die Influenza in der Saison 2021/22 stärker ausbreiten könnte. „Da die Risikogruppen für schwere Verläufe von Covid-19 und Influenza überlappen, ist unter diesen Umständen ein umfassender Influenza-Impfschutz in allen von der STIKO definierten Zielgruppen in den kommenden Monaten essenziell.“

Bisher war eine gleichzeitige Verabreichung von Covid-19-Impfstoffen mit anderen Impfstoffen von der STIKO nicht empfohlen, vielmehr sollte ein Mindestabstand von 14 Tagen eingehalten werden. Diese Empfehlung war vornehmlich eine Vorsichtsmaßnahme, wie die STIKO betont. Bei der Einführung der Covid-19-Impfstoffe, die unter Nutzung neuer Technologien entwickelt worden sind, sollten mögliche Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen klar zugeordnet werden können und nicht durch mögliche Reaktionen auf gleichzeitig verabreichte andere Impfstoffe überlagert werden.

Mittlerweile lägen umfangreiche Daten zur Sicherheit und Verträglichkeit der in Deutschland zugelassenen Covid-19-Impfstoffe vor, sodass das Auseinanderziehen beider Impfungen für die genaue Differenzierung der Impfreaktionen nicht mehr erforderlich sei.

Die STIKO schreibt in dem Empfehlungsentwurf, dass bisher noch keine publizierten Ergebnisse zur simultanen Anwendung von in Deutschland zugelassenen Covid-19-Impfstoffen und anderen Impfstoffen vorlägen. Unveröffentlichte Daten aus dem Vereinigten Königreich zeigten jedoch „keine erhöhte Reaktogenität bei gleichzeitiger Anwendung“.

STIKO: Auffrischimpfung bei Immundefizienz

Die Ständige Impfkommission hat außerdem eine Empfehlung zur Impfung von Personen mit einer Immundefizienz abgegeben. Auch diese Empfehlung durchläuft zunächst das Stellungnahmeverfahren, bevor sie dann nach erneuter Beratung veröffentlicht wird.  

Sie sieht unter anderem vor, dass allen Personen mit einer Immundefizienz, zum Beispiel Krebspatienten unter aktiver Chemotherapie oder Patienten mit einer chronischen Niereninsuffizienz, sechs Monaten nach einer Covid-19-Grundimmunisierung (homologes oder heterologes Impfschema) eine zusätzliche Impfstoffdosis eines mRNA-Impfstoffs als Auffrischimpfung angeboten werden soll.

Eine STIKO-Empfehlung generell zu Auffrischimpfungen steht noch aus.

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