17. Januar 2020

Steuern und Finanzen 2020: Das ändert sich für Ärzte

Neues Jahr, neue Steuerregelungen: 2020 gibt es wieder eine Vielzahl von Steuerrechtsänderungen, die sich auch auf den Alltag von Ärzten auswirken können. Ein Überblick über einige zentrale Neuerungen.

Lesedauer: 3 Minuten

Folgende Informationen hat Dr. Nina Mörsch, coliquio-Redaktion, für Sie zusammengestellt.

Grundfreibetrag

Seit dem 1. Januar 2020 beträgt der Grundfreibetrag für Ledige 9408 Euro (240 Euro mehr als 2019), Jahr und 18.816 Euro für gemeinsam veranlagte Ehepaare. Für den Veranlagungszeitraum 2020 werden zudem die übrigen Eckwerte des Einkommensteuertarifs zum Ausgleich der kalten Progression nach rechts verschoben und zwar um 1,95 %. 1

Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent greift daher künftig bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 57.052 Euro (2019: 55.961 Euro). Bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen ab 270.501 Euro (2019: 265.327 Euro) gilt der sog. Balkonsteuersatz von 45 Prozent. Bei zusammenveranlagten Ehegatten verdoppeln sich die Beträge, erläutert der Bund der Steuerzahler Deutschland e.V. 2

Sozialversicherungsgrößen

  • Die Beitragsbemessungsgrenze zur Arbeitslosen- und Rentenversicherung steigt auf 82.800 Euro (West) pro Jahr bzw. 77.400 Euro (Ost). Das Portal Arzt und Wirtschaft weist daraufhin, dass diese Grenzen auch für Ärzte relevant ist, weil sich die (Pflicht)-Beiträge zur Ärzteversorgung grundsätzlich auch an den Höchstgrenzen im gesetzlichen System orientieren. 3

    Der Beitragssatz für die Arbeitslosenversicherung sinkt ab Januar 2020 um 0,1 Punkte von 2,5 Prozent auf 2,4 Prozent. Diese Absenkung gilt befristet bis Ende 2022.

  • In der gesetzlichen Krankenversicherung wird von 54.450 Euro jährlich auf voraussichtlich 56.250 Euro im Jahr 2020 steigen. Die gleichen Werte gelten für die Pflegeversicherung. Hinweis: Die Jahresarbeitsentgeltgrenze (Versicherungspflichtgrenze) steigt von derzeit 60.750 Euro auf 62.550 Euro Jahresbrutto. Wer mehr verdient, kann sich freiwillig versichern lassen. 2

Familie

  • Der sächliche Kinderfreibetrag erhöht sich im Jahr 2020 um 96 Euro auf 2.586 Euro pro Kind und Elternteil. Der ebenfalls in § 32 Abs. 6 Einkommensteuergesetz geregelte Freibetrag für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf bleibt unverändert bei 1.320 Euro pro Kind und Elternteil bestehen. Insgesamt wird einem Elternpaar pro Kind im Jahr 2020 also ein Kinderfreibetrag von 7.812 Euro gewährt.

    Keine Kindergelderhöhung: Das Kindergeld soll hingegen erst 2021 erneut steigen, dann voraussichtlich um 15 Euro pro Monat und Kind.1

  • Unterhaltskosten für einen unterhaltsberechtigten Dritten können als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden. Für das Jahr 2020 sind maximal 9.408 Euro zuzüglich Basiskranken- und Pflegeversicherung abziehbar. Darauf weist der Bund der Steuerzahler Deutschland e.V. hin. 2

Für Arbeitgeber & Arbeitnehmer

  • Der gesetzliche Mindestlohn ist zum zum 1. Januar 2020 von jetzt 9,19 Euro auf 9,35 Euro pro Stunde gestiegen. Auch die Branchenmindestlöhne steigen. Bei den Pflegekräften etwa liegt er dann bei 11,35 Euro (West) statt 11,05 Euro und 10,85 Euro (Ost) statt 10,55 Euro. Weiterhin keinen Anspruch auf Mindestlohn haben unter anderem Auszubildende, Praktikanten und Ehrenamtliche.

  • Berufliche Fort- und Weiterbildungskosten werden rückwirkend ab 2019 steuerfrei. Die Steuerbefreiung gilt für Fort- oder Weiterbildungsmaßnahmen, die überwiegend im betrieblichen Interesse des Arbeitgebers vorgenommen werden oder der individuellen Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter dienen (z.B. Sprachkurse, Computerkurse). 

    Hintergrund: Berufliche Weiterbildungskosten stellen keinen Arbeitslohn dar, wenn sie im Interesse des Arbeitgebers vorgenommen werden. Sie sind daher steuerfrei.

  • Grundsätzlich können Arbeitgeber ihren Mitarbeitern Sachbezüge bis zu einem Wert von 44 Euro pro Monat kostenlos oder vergünstigt gewähren, ohne dass darauf Steuern anfallen. Ab dem 1. Januar 2020 können jedoch zweckgebundene Geldleistungen, nachträgliche Kostenerstattungen (z.B. Tankquittungen) Geldsurrogate und andere Vorteile, die auf einen Geldbetrag lauten, nicht mehr steuerfrei übergeben werden, so der Bund der Steuerzahler Deutschland e.V. 2

    Nur noch Gutscheine und Geldkarten, die ausschließlich zum Bezug von Waren oder Dienstleistungen berechtigen, gelten weiterhin als Sachbezug (z. B. aufladbare Geschenkkarten für den Einzelhandel, Centergutschein, sog. City-Cards). Neue Bedingung ist zudem, dass der Gutschein zusätzlich zum regulären Arbeitslohn gewährt wird. Geldkarten, die als generelles Zahlungsmittel eingesetzt werden können, können ab dem Jahr 2020 nicht mehr steuerfrei abgegeben werden.

    Hinweis: Keine Auswirkung hat die Neuregelung aber auf die Erstattung von Kosten für eine Dienstreise. Hier können Fahrtkosten weiterhin steuerfrei erstattet werden.

Bahntickets, Flüge und mehr: Weitere Steuerentlastungen im Überblick
Lesen Sie im zweiten Teil des Beitrags, welche weiteren Steuerentlastungen seit Jahresbeginn gelten und erfahren Sie die aktuellen Abgabefristen Ihrer Steuererklärung.

  1. Bundesfinanzministerium, 27.12.2019: Das ändert sich zum Jahresbeginn
  2. Bund der Steuerzahler Deutschland e.V., 02.01.2020: Das ist 2020 neu!
  3. arzt-wirtschaft.de, 22.12.2019: Freibeträge und Pauschalen: Was sich 2020 für Steuerzahler ändert
  4. Verbraucherzentrale, 13.01.2020: Steuererklärung: Wer sie wann beim Finanzamt abgeben muss

Bild: © GettyImages/sefa ozel

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