02. Mai 2019

Gutes Praxispersonal langfristig halten

Steuerfreie Zuwendungen an MFAs: 8 Tipps

Wenn qualifizierte und motivierte Mitarbeiter die Praxis verlassen, verlieren Praxisinhaber nicht nur eine kompetente Arbeitskraft. Sie müssen auch Zeit für die Suche nach einem adäquaten Ersatz investieren. Die Regel lautet daher, gute Mitarbeiter langfristig zu halten. Wir sagen Ihnen, mit welchen steuerlichen Vorzügen dies gelingen kann.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Redaktion: Dr. Nina Mörsch, Volker Stimmler

Für Ärzte wird es immer schwieriger, geeignete Medizinische Fachangestellte (MFA) zu finden: So berichtet der Verband medizinischer Fachberufe e.V. seit Jahren von einem zunehmenden Mangel an qualifiziertem Fachpersonal in Arzt- und Zahnarztpraxsen. Wer gutes Personal gefunden oder selbst ausgebildet hat, möchte dieses deshalb auch auf lange Sicht an die Praxis binden.

Attraktive Alternativen zur Gehaltserhöhung

Welchen Anreiz können Praxisinhaber ihren Angestellten bieten, damit sich diese nicht anderweitig umsehen? Als Alternative zu einer außertariflichen Gehaltserhöhung, die nicht immer zur Diskussion steht, bieten sich steuerfreie Sachzuwendungen an, so Finanzexperten.2 Eine Sachleistung fließt den Mitarbeitern nicht in Form eines Geldbetrags, sondern als geldwerter Vorteil zu. Dabei handelt es sich um Waren oder Dienstleistungen, die MFAs in der Regel zusätzlich zum Lohn erhalten. Folgende Leistungen des Arbeitgebers bleiben steuerfrei:

1. Geschenke und Gutscheine: 44-Euro-Regelung beachten

Möchten Sie sich bei Ihren Angestellten auch ohne besonderen Anlass erkenntlich zeigen, können Sie ihnen im Rahmen der Freigrenze von bis zu 44 Euro pro Monat pro Mitarbeiter Sachzuwendungen zukommen lassen. Bewährt haben sich beispielweise:

  • Warengutscheine,
  • Tankgutscheine,
  • Eintrittskarten,
  • Restaurant-Schecks oder
  • eine Prepaid-Kreditkarte, die bis 44 Euro aufladbar ist (darf nicht für Barabhebungen nutzbar sein).

Monatliche Freigrenze unbedingt einhalten: Die monatliche Freigrenze für alle Sachgeschenke von 44 Euro pro Monat muss unbedingt eingehalten werden. Wird dieser Betrag nur um einen Cent überschritten, müssen Sie als Arbeitgeber für die gesamte Zuwendung Lohnsteuer und Sozialversicherung abführen. Um die 44-Euro-Grenze einzuhalten, können Sie jedoch eigene Zuzahlungen leisten (§ 8 Abs. 2 Satz 11 Einkommensteuergesetz). Wichtig es detailliert zu dokumentieren, wann genau dem Mitarbeiter eine Zuwendung zugeflossen ist. Sie können also nicht eine höhere Zuwendungssumme überreichen und dann in monatlichen Tranchen verbuchen. Ebensowenig ist es erlaubt, Restbeträge von nicht vollausgeschöpften Zuwendungen in Folgemonate zu übertragen.

Geldgeschenke müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wie normalen Lohn versteuern. Sie werden als Barlohn behandelt. Deshalb führt der Arbeitgeber hierfür normale Lohnsteuer und Sozialversicherunsgbeiträge ab. 

2. Blumen, CDs, Wein: Persönlicher Anlass erforderlich

Bei Aufmerksamkeiten wie Blumen, CDs, Wein und Büchern beträgt die Freigrenze sogar 60 Euro brutto (also inklusive Umsatzsteuer). Doch dafür ist im Gegensatz zur Sachzuwendung ein persönlicher Anlass erforderlich. Beispiele hierfür sind: 1

  • Mitarbeiterjubiläum,
  • Geburtstag,
  • Trauung,
  • Geburt eines Kindes,
  • Taufe,
  • Konfirmatin/Firmung eines Kindes,
  • Promotion,
  • Rückkehr aus der Elternzeit oder nach einer längeren Krankheit und
  • Beförderung,
  • Verabschiedung eines Mitarbeiters

Achtung: Betriebsjubiläen, Weihnachten oder Ostern stellen keine persönlichen Anlässe dar!

3. Betriebsveranstaltungen: Freigrenze bis zu 110 Euro

Zweimal im Jahr können Sie Ihre Mitarbeiter mit einer Veranstaltung wie einer Betriebsfeier belohnen und dabei pro Mitarbeiter und Veranstaltung eine Freigrenze von bis zu 110 Euro (inklusive Umsatzsteuer) nutzen. Zu beachten ist, dass diese Veranstaltung tatsächlich allen Mitarbeitern eines Betriebs oder einer Projektgruppe offenstehen muss. Die Ausgaben im Rahmen der Feierlichkeiten können dabei Kost, auch Logis bei mehrtägigen Veranstaltungen, Anreise, Eintrittskarten und die anteilig umgelegten Kosten der Ausrichtung des Events und Geschenke umfassen. Gesetzliche Grundlage hierfür ist § 19 EStG Abs. 1 Satz 1 Nr. 1a Satz 4.

4. Betriebliche Krankenzusatzversicherung

Ärzte können ihre Mitarbeiter finanziell bei einem zusätzlichen Krankenversicherungsschutz unterstützen. Schließt der Arbeitgeber als Versicherungsnehmer für seinen Angestellten eine betriebliche Krankenversicherung ab und zahlt monatliche Beiträge von höchstens 44 Euro, dann liegt ein steuerbegünstigter Sachbezug vor. So hat es der Bundesfinanzhof entschieden (BFH, Urteil vom 7. Juni 2018, Az. VI R 13/16). Denn hier hat der Arbeitgeber konkrete Leistungen zugesagt. Deshalb sind die übernommenen Beiträge als Sachzuwendung zu bewerten und bleiben in diesem Fall steuer- und sozialversicherungsfrei.

Anders ist die Situation, wenn der Arbeitnehmer selbst einen Vertrag für eine Krankenzusatzversicherung abschließt und von der Firma einen monatlichen Zuschuss erhält. Selbst wenn dieser unterhalb der 44-Euro-Freigrenze bleibt, stellt dies Barlohn dar und deshalb fallen Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge an (BFH, Urteil vom 4. Juli 2018, Az. VI R 16/17). 

1. Finanztip: Steuerfreie Sachzuwendungen

2. Dr. med. Gunther Carl: Steuerbegünstigte Zusatzentlohnung: Gute Arzthelferinnen an die Praxis binden. Springer Medizin, Pädiatrie, Ausgabe 6/2018

Bild: © iStock.com/Cecilie_Arcurs

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