06. September 2019

Ärzte als Patienten

Sterben Ärzte anders?

Eine große kanadische Studie hat untersucht, ob sich das Lebensende von Ärzten im Vergleich zur übrigen Bevölkerung unterscheidet. Sie gingen auch der Frage nach, ob Ärzte aufgrund ihrer medizinischen Erfahrung eine intensive Behandlung eher ablehnen.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einer Publikation in der Fachzeitschrift JAMA Network Open, die Christoph Renninger für Sie zusammengefasst hat.1

Ähnliche Todesursachen, etwas höheres Alter

Die Wissenschaftler analysierten Todesfälle von 2516 Ärzten (89,3% Männer) und 954.836 anderen Personen in der kanadischen Provinz Ontario zwischen 2004 und 2015. Nach einer Anpassung bezüglich Alter, Geschlecht und Einkommen verblieben 7513 Personen in der Kontrollgruppe. Die Ärzte waren mit 82 Jahren etwas älter als die anderen Berufsgruppen (80 Jahre).

Die häufigste Todesursache war in beiden Gruppen eine ischämische Herzkrankheit (ca. 13%), gefolgt von zerebrovaskulären Erkrankungen und Lungenkrebs. Bei den Ärzten traten insgesamt weniger Komorbiditäten auf und sie lebten seltener in ländlichen Regionen.

Der Anteil, der in den eigenen vier Wänden starb, war in beiden Gruppen ähnlich (42,8% der Ärzte, 39% der Nicht-Ärzte). Allerdings verstarben Ärzte häufiger auf der Intensivstation (11,9% vs. 10%). Bei den Todesfällen auf anderen Krankenhausstationen lag der Anteil von Ärzten unter 45 Jahren bei 12,5%, im Alter von über 84 Jahren bei 37,5%. Eine ähnliche Verteilung war auch bei den Nicht-Ärzten zu erkennen.

Häufiger intensive Behandlung

In den 6 Monaten vor dem Tod waren Ärzte seltener in der Notaufnahme, die Zahl an Klinikaufenthalten unterschied sich im Vergleich zu den anderen Berufen jedoch nicht. Dagegen waren Ärzte häufiger als Patienten auf Intensivstationen und erhielten öfter Nahrung über eine Magensonde. Keine Unterschiede gab es bei künstlicher Beatmung, Dialyse und kardiopulmonaler Reanimation.

Ärztliche Patienten erhielten häufiger eine palliative Behandlung (52,9% vs. 47,4%) und auch die Zahl an häuslichen Besuchen zur Pflege war höher (54,3% vs. 50,1%). Unter den 1375 Ärzten mit einer chronischen Krankheit gab es keine Unterschiede bezüglich der Behandlung im Vergleich mit 4117 Kontrollpersonen. Allerdings verstarben chronisch kranke Ärzte häufiger zu Hause.

Krebspatienten und Opioide

Es konnten 457 Ärzte identifiziert werden, die an einer Krebserkrankung litten, und 1347 Krebstote mit ähnlichen Charakteristika. Auch bei diesen Patienten trat bei Ärzten der Tod häufiger im eigenen Heim auf. Eine Chemotherapie im letzten halben Jahr vor dem Tod erhielten 37,9% der Ärzte, aber nur 29,8% der Vergleichsgruppe. Dies widerspricht der Annahme, dass sich Ärzte als Patienten gegen eine intensive Therapie entscheiden.

Unter Ärzten und Nicht-Ärzten über 65 Jahren erhielten im letzten Lebenshalbjahr die Mediziner häufiger ein Rezept für mindestens ein Opioid (48,4% vs. 46,6%). Auch die Dauer der Opioidverordnung war bei Ärzten länger (13,8 Tage vs. 13,1 Tage). Beim Blick auf die Kosten für die Behandlung am Lebensende gab es keine Unterschiede zwischen Ärzten und anderen Patienten.

  1. Wunsch H et al. End-of-Life care received by physicians compared with nonphysicians. JAMA Network Open 2019; 2(7): e197650.

Bildquelle: © Getty Images/KatarzynaBialasiewicz

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