02. Juli 2020

„Die Sprechstunde”

EBM & GOÄ: Covid-19 und weitere Neuerungen

Der Abrechnungsexperte Dr. med. Gerd Zimmermann hat in der ersten Folge der coliquio-„Sprechstunde“ über Abrechnungs-Änderungen zum Quartalsbeginn referiert. Hier finden Sie den Vortrag und eine Auswahl der wichtigsten Fragen, die er Ihren Kollegen im Rahmen unserer Live-Veranstaltung beantwortet hat.

Die Themenschwerpunkte im Überblick:

  • EBM & GOÄ – Neuerungen zum 1. Juli 2020
  • Schwerpunkt Abrechnungsschlüssel für Covid-19
  • Was kommt – was geht – was bleibt?

  • 1. Wird ein Patient mit klinischem Verdacht auf eine Covid-19 Erkrankung nach negativem Testergebnis des Corona-Abstriches weiterhin als Verdachtsfall mit U07.2+G geführt? (Antwort im Video: ab Minute 17:35)

    2. Gilt die neue Ziffer 02402 auch bei einer telefonischen Beratung, wenn ich den Patienten zum Abstrich ins Drive-in schicke? Welcher Diagnoseschlüssel gilt dann? Wie oft ist dieser im Behandlungsfall ansetzbar? (19:01)

    3. Viele brauchen einen Nasenabstrich – welche Ziffern (IGEL) und GOÄ setze ich an? (1, 298, Attest?) Und wie sieht es bei der Blutabnahme für Covid-Antikörper aus? (20:30)

    4. Gibt es Regularien, wie der Abstrich zu entnehmen ist? Kann das auch eine MFA machen? Reicht der kontaktlose Selbstabstrich (wie vielerorts praktiziert)? (22:02)

    5. In welche Kategorie der Corona-Kasuistiken gehört die minimal erkältete Altenpflegerin im Heim? (23:19)

    6. Zu KV Bayern (4.6.2020): In den Informationen zur Videosprechstunde steht, dass keine AUs und Verordnungen ausgestellt werden dürfen. Dies sei eine Anordnung vom BGM. Ist dies korrekt? (23:48)

    7. Was empfehlen Sie den bayerischen Kollegen im Hinblick auf Söders Aussage, jeder dürfe sich beim Vertragsarzt so oft er wolle kostenlos testen lassen? (24:33)

    8. Was ändert sich in der EBM-Regelung an den Ziffern der ärztlichen Psychotherapie? (28:10)

    9. Was ist mit Paienten mit respiratorischem Infekt, die lt. RKI auch getestet werden sollen. Welche Ziffern werden dort angesetzt? (28:50)

    10. Ich habe die Abrechnung der Ziffer 3 GOÄ bei telefonischer Beratung nicht verstanden. Können Sie dies bitte noch einmal erläutern? (29:24)

    11. In Baden-Württemberg sollen Lehrer ein Attest bekommen, falls sie zur Risikogruppe gehören. Gehört z.B. ein gut eingestellter Hypertoniker auch zur Risikogruppe? (30:40)

    12. Reicht beim Coronatest für alle asymptomatischen Patienten in Bayern die Testung durch Gurgelspüllösung? (32:53)

    13. Darf die A245 auch bei “nur Kontakt” mit der Helferin abgerechnet werden? (33:35)

    14. Wie kann ich eine Reiseberatung bezüglich Coronavirus bei Patienten abrechnen? (34:02)

    15. Ist der Gesundheitscheck bei HzV-Patienten alle 3 Jahre oder alle 2 Jahre möglich? (35:40)

    16. Wenn bei jemandem im Rahmen eines Massentests ein positives Ergebnis herauskommt, bleibt es dann bei der U99.0.Z11 oder muss dann ein anderer ICD-Code eingesetzt werden? (36:27)

    17. Wie wird bei Privatpatienten der iFOBT abgerechnet, den ich ins Labor weiterleite? (37:01)

    18. 88240 nur bei nachgewiesenen Covid-Infektionen oder auch bei begründeten negativen Ergebnissen? (38:45)

    19. Muss bei der ICD-Verschlüsselung zwingend eine Seitenangabe angegeben werden (AU)? (39:26)

    20. Darf man die A245 auch bei Post- oder Bahn-Patienten abrechnen? (40:14)

    21. Was darf ich bei einem Patienten abrechnen, der eine Kopie des Corona-Tests haben möchte? (42:25)

    22. Wie sehen die RKI-Kriterien zur Testung von asymptomatischen Personen aus? (43:00)

    23. Wo liegt der Unterschied zwischen den RKI-Kriterien und den Anforderungen bei den Massentests aus der Corona-Test-Verordnung? (44:34)

    24. Dürfen Patienten ohne Symptome mit Coronarisikowarnung hausärztlicherseits zu Lasten der GKV eine PCR-Abstrichbestimmung bekommen? Nur diese oder auch direkte Kontakte? (45:54)

    25. A245 bei Berufsgenossenschaft? (46:37)

    26. Darf ich eine gesunde Person mit Warnung über Corona-App krankschreiben? (48:29)

    27. Die Bundesärztekammer hat den Beginn der A245 mit dem 3. April angesetzt, andere Quellen nennen die Abrechenbarkeit erst ab Anfang Mai! Was ist richtig? (50:56)

    28. Muss man das neue Labor-Formular-Muster 10C verwenden, wenn eine Testung nach Corona-App-Warnung stattgefunden hat, und was passiert, wenn man das nicht macht? (52:00)

    29. Wer ist für die Testung der asymptomatischen Reiserückkehrer zuständig, die von vornherein unter Quarantäne stehen und nicht in die Praxis kommen dürfen? (54:04)

    30. Ist es richtig, dass man seit heute für den Versand eines Briefes nur noch die Nr. 40110, die mit 81 Cent bewertet ist, berechnen kann? (55:00)

10 ausgewählte Fragen & Antworten des Experten

Wir haben einige Fragen, die an den Experten während der Sendung live gestellt wurden, hier für Sie zusammengestellt.

Update von Dr. Zimmermann am 03.07.2020: Die Bundesärztekammer hat die Regelung für die Nr. A245 GOÄ bis zum 30.09.2020 verlängert (bisher 31.07.2020).

Gilt die neue Ziffer 02402 auch bei einer telefonischen Beratung, wenn ich den Patienten zum Abstrich ins Drive-In schicke? [19:20]

  • Die 02402 steht erst einmal für die Abrechnung des Abstrichs aber auch für die Beratung. Das heißt, die Ziffer kann jeweils berechnet werden, wenn ein Abstrich gemacht und/oder eine Beratung durchgeführt wurde. Sie ist also auch dann berechnungsfähig, wenn nur eines von beiden gemacht wurde. Da bisher eine telefonische Beratung nicht ausdrücklich ausgeschlossen ist, wäre auch dies in dem Fall möglich.

    Aber: Wenn man den Patienten dann zum Drive-In schickt und der Corona-Test dann negativ ausfällt, dann geht das eigentlich nicht.

Welcher Diagnoseschlüssel gilt in diesem Fall? Wie oft ist dieser im Behandlungsfall ansetzbar? [20:06]

  • In dem Fall wäre zunächst mal die U99.0 (Spezielle Verfahren zur Untersuchung auf SARS-CoV-2) und die Z11 (Spezielle Verfahren zur Untersuchung auf infektiöse und parasitäre Krankheiten) die Kodierung. Am Behandlungstag kann die Ziffer 02402 einmal eingesetzt werden und im Behandlungsfall, also im Quartal, beliebig oft. Bei positivem Testergebnis käme U07.1G dazu.

In welche Kategorie der Corona-Kasuistiken gehört die minimal erkältete Altenpflegerin im Heim? [23:24]

  • Das wäre die Kategorie Massentests, wenn sie eine App hat, dann auch die Kategorie App. Möglich wäre auch die Kategorie U07.2G. Also im Grunde genommen, sind alle drei Fälle möglich, sofern die Patientin eben überhaupt ein Handy hat.

Viele Patienten brauchen einen Nasenabstrich. Welche Ziffern setze ich an? [20:33]

  • „Bei der GOÄ haben wir ja die gute Situation, dass man alles abrechnen kann, was man macht”, erklärt Dr. Zimmermann. In diesem Fall des Nasenabstrichs wäre die Abstrichziffer die 298, die Beratung wäre Nummer 1 und für die Untersuchung komme die Nr. 5 oder Nr. 7 infrage – und zumindest noch bis zum 30.09. die A245. Diese sollte nicht vergessen werden.

    Und für eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wäre noch die Nummer 70 zu berechnen, da der Patient ja bei einem positiven Testergebnis zu Hause bleiben müsste.

    Im EBM sind alle Abstrichleistungen oder Blutentnahmen in der Versichertenpauschale enthalten, ausgenommen bei einem Abstrich in Folge einer Warnung durch die Corona-App.

Welche Ziffern sind für eine Blutabnahme für den Covid-19-AK-Test zu berechnen? [21:20]

  • Hier gilt die Nr. 250 für die venöse Blutabnahme und bis 30.09.2020 die Nr. A245 GOÄ, wenn man das Blut als Arzt oder Ärztin selbst abnimmt. Grundsätzlich ist eine Antikörperbestimmung bei jedem Patienten auch erlaubt – allerdings muss hierfür ein Grund vorliegen. Rein vorsorgliche Antikörperbestimmungen sind keine Kassenleistung, selbst in der PKV nicht. Der Patient muss den Test als IGeL in diesem Fall selbst bezahlen.

    Die Leistung kann nur zu Lasten der GKV berechnet werden, wenn anamnestisch ein Kontakt mit einem positiven Fall vorlag.

Kann eine MFA den Abstrich durchführen? Und ist auch ein kontaktloser Selbstabstrich möglich? [22:35]

  • Ja, das geht. Denn solche Leistungen sind generell delegierbar. Auch könnten Patienten selbst den Abstrich durchführen. Allerdings könnte man diese nicht abrechnen. Sollte jedoch die Corona-Warn-App anschlagen, könnte der Arzt die 02402 abrechnen, wenn dieser mit dem Patienten einen direkten Kontakt hatte und diesen berät.

Was ändert sich in der EBM-Regelung an den Ziffern der ärztlichen Psychotherapie? [28:36]

  • Bis zum 30.09.2020 sind definierte psychotherapeutische Leistungen telefonisch bzw. per Videosprechstunde berechnungsfähig.

Wie sehen die RKI-Kriterien zur Testung von asymptomatischen Personen aus? [43:14]

  • Asymptomatische Personen sollen getestet werden, wenn sie Kontakt zu bestimmten Personen hatten, z.B. mit denen sie im gleichen Haushalt leben oder die sie im gleichen Haushalt pflegen (z.B. im Altenheim), die positiv getestet wurden.

    Außerdem sollten Personen, die aus einem von Corona stark betroffenen Land eingereist sind, getestet werden – auch wenn diese asymptomatisch sind.

Darf ich eine gesunde Person mit einer Warnung über die Corona-Warn-App krankschreiben? [48:35]

  • Das komme auf den Grund der Krankmeldung an, erläutert Dr. Zimmermann. Wenn jemand eigentlich körperlich gesund ist, kann man ihn nicht krankschreiben. Kommt es aber aufgrund der Warnung bei der Person zu einer psychosomatischen Störung, kann man durchaus mit der entsprechenden Diagnose, eine Krankmeldung ausstellen.

Darf man die A245 auch bei Post- oder Bahn-Patienten abrechnen? [40:18]

  • Das sei eine gute Frage, die eigentlich mit den Patienten zu klären sei, so der Experte. Denn die Vereinbarung ist definitiv nur zwischen der Bundesärztekammer, der PKV und der Beihilfestelle geschlossen worden.

    Für Bahn- und Postbeamte, die ja eine spezielle Privatversicherung haben, gilt das so nicht. Hinzu kommt, dass man die A245 nur mit dem 2,3-fachen Satz abrechnen kann. Diesen Multiplikator haben weder Bahn noch Post nicht. Der Vorschlag des Experten: Trotzdem abrechnen und abwarten was passiert. Das Schlimmste, was passieren könnte, dass man mit dem Patienten eine Diskussion kommt, falls dieser nicht den gesamten Betrag von seiner Versicherung erstattet bekommen sollte.

    Doch Dr. Zimmermann ergänzt: Es gibt ja noch den Basis- und den Standardtarif. Da Post- und Bahnangestellte ganz normale PKV-Versicherte sind, könnte man aufgrund der Vereinbarung mit der PKV sagen, der 2,3-fache Satz gelte beim Basis- und beim Standardtarif sehr wohl, auch wenn alle anderen Leistungen dort nicht auf den 2,3-fachen Satz multipliziert werden könnten.

Haben Sie noch weitere Fragen an unseren Abrechnungsexperten Dr. Zimmermann? Diese können Sie gerne unter folgendem Link stellen. In der kommenden Woche werden wir ausgewählte Antworten veröffentlichen.

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