10. Dezember 2020

“Die Sprechstunde”

EBM & GOÄ: Was bleibt, was ändert sich 2021?

Von Corona-Schnelltests bis zur Telefonsprechstunde: Der Abrechnungsexperte Dr. med. Gerd Zimmermann erläutert den aktuellen Stand sowie Neuerungen zur Abrechnung, die im neuen Jahr relevant werden. Die Aufzeichnung des Videos, eine Auswahl 7 relevanter Fragen und Antworten sowie die Vortragsfolien finden Sie hier.

Die Themenschwerpunkte im Überblick:

  • Aktuelles und Neuerungen zur „Corona-Abrechnung“: Corona-GOÄ bis 31.12.2020, Corona-EBM
  • Grundsätzliches: Die Besonderheiten in der digitalen Praxis: Video-AU, Telefon-AU, Porto, Videosprechstunde, Telekonsil, Konnektor-Ausbaustufen, eAU

Videodauer: 1 Stunde

7 ausgewählte Fragen und Antworten

Einige Fragen der teilnehmenden Ärzte und Ärztinnen und die entsprechenden Antworten von Dr. Zimmermann haben wir im Folgenden mit den entsprechenden Zeitangaben für Sie zusammengestellt:

Wie werden die Schnelltests beim eigenen Personal abgerechnet ? [20:00]

  • Man muss hier zunächst zwischen kurativen und präventiven Fällen unterscheiden, so der Abrechnungsexperte Dr. Zimmermann. Kurativ bedeutet, dass der Patient positiv getestet wurde oder eindeutige Symptome hat. Entsprechende Leistungen werden dann über die KV abgerechnet.

    Alle Schnelltests bei präventiven Fälle – sowohl bei Patienten, als auch beim Personal – werden zwar auch über die KV abgerechnet, aber diese “laufen über einen anderen Topf”, aus der Reserve der Krankenkassen. Das wird über das Bundesministerium für Gesundheit gesteuert. Allerdings erhält der Arzt hier für die Leistung am Patienten 15 Euro, plus 9 Euro für den Test. Bei der Testung des eigenen Personals können nur die 9 Euro für den Test abgerechnet werden, der Abstrich erfolgt sozusagen “kostenlos”.

Was tun, wenn beim medizinischen Personal der Schnelltest positiv ausfällt – sollte man dann eine PCR nachschalten? [21:15]

  • Mit der vierten Änderung der Coronavirus-Testverordnung wurde das jetzt klar geregelt: Wenn ein Antigen-Test bei einem Patienten positiv ausfällt, muss dieses Testergebnis bestätigt werden. Das ist dann eine Kassenleistung, d.h. dieser Patient gilt dann nicht mehr als präventiv, sondern als kurativ: Dann kann hier die Ziffer 02402 zum Beispiel für den Abstrich abgerechnet werden (Da der PCR-Test nur durch das Labor durchgeführt werden kann, ist dieser nicht abrechenbar).

Ist die Ziffer 88240 bei jedem Arzt-Patienten-Kontakt abzurechnen oder nur 1x im Quartal? [22:43]

  • Aufgrund der vierten Änderung der Testverordnung gilt folgendes: An jedem Tag, an dem Kontakt zu einem Patienten besteht, bei dem entweder mit Sicherheit eine Infektion vorliegt oder aber bei dem der hochgradige Verdacht auf eine SARS-CoV-2-Infektion besteht, kann die Ziffer 88240 angesetzt werden. Dies gilt nun auch neben der Versicherten- oder der Grundpauschale, dies war bislang nicht der Fall.

Muß die U07.2G bei einem Verdacht, der zum Abstrich führt, eingegeben werden ? Und muß sie wieder rausgenommen werden, wenn der Abstrich positiv ist (U07.1)? [31:13]

  • Die U0.72G ist der hochgradige Verdacht auf eine Infektion, ohne dass ein Test durchgeführt wird. „Meiner Meinung nach gar nicht denkbar”, so der Abrechnungsexperte. Es gibt aber den extrem seltenen Fall, in dem man diese Ziffer ansetzen kann: Wenn nämlich in einem Altenheim Corona-Fälle auftreten, man aber nicht das ganze Altenheim testen möchte. In diesem Fall ist klar, dass geschaut werden muss, ob auch andere infiziert sind, dann würde bei den Betreffenden kein Test durchgeführt werden. Sie würden dann als hochgradige Verdachtsfälle wegen des Kontaktes laufen. Hier kann dann die U0.72G angesetzt werden.

    Sobald jedoch ein Test durchgeführt wird, insbesondere wenn dieser positiv ausfällt, muss man zur Ziffer U0.71 wechseln.

Wie kann man die Videosprechstunde bei einem Privatpatienten abrechnen? [35:55]

  • Bei einer Videosprechstunde mit einem Privatpatienten könnte man zum Beispiel nach den Beschlüssen vom 14. und 15. Mai, die im Vortrag gezeigt wurden, die A1 oder die 3, wenn das Gespräch länger dauert ohne A oder für die visuelle Untersuchung am Bildschirm die A5 nehmen.

    Beispiel: Ein Patient hat eine Gürtelrose, was sich am Bildschirm eindeutig diagnostizieren lässt, dann könnte ich die 1 vielleicht sogar die 3 und die 5A abrechnen. Was die GOÄ aber nicht bietet, ist die 01450 und 51, also der Zuschlag für den Aufwand der Videosprechstunde. Dies muss man dann durch den Multiplikator abrechnen, mit der Begründung des technischen Aufwands.

Was fällt unter ein Telekonsil – bereits der telefonische Austausch z.B. mit einem Kardiologen? [38:10]

  • Es gibt ein paar Auflagen, aber ja, im Prinzip handelt es sich dabei bereits um einen fachlichen Austausch am Telefon. Es darf aber nicht nur ein “einfaches” Telefonat sein, sondern der Kollege muss vorab die Dokumente zugeschickt bekommen. Es muss ersichtlich sein, dass der Arzt z.B. Untersuchungsergebnisse oder Laborwerte eines Patienten nicht einordnen kann und deshalb den Rat eines Kollegen hinzuziehen möchte.

    Diese Unterlagen könnten auch elektronisch übermittelt werden: In diesem Zusammenhang könnte dann auch z.B. der elektronische Arztbrief abgerechnet werden.

    Für die initiierende Hausärzte wäre hier dann die Ziffer 01670 abrechenbar, der Fachkollege könnte die 01772 und 01773 abrechnen, letztere Ziffer bis zu dreimal. Ganz wichtig: Auf diese Art und Weise kann man auch mit Krankenhausärzten konsulieren, die keine Ermächtigung haben.

    Das Telekonsil muss mindestens 10 min dauern, was aber nicht bedeutet, dass dies in einem Stück stattfinden muss, so könnte man z.B. 4 Wochen später nochmal den Kollegen etwa wegen der Therapie konsultieren.

Wie sieht es mit den Ziffern der Telefonsprechstunde aus? Können die 01435 und die 01434 nach wie vor zusammen abgerechnet werden? [41:30]

  • Die 01435 konnte man schon immer abrechnen, auch außerhalb der Pandemiezeiten. Nur die Ziffer 01434 ist hinzugekommen und diese lässt sich einmal zusammen mit der 01435 beim Erstkontakt abrechnen. Wenn dann der Patient in die Praxis kommt und man die Versichertenpauschale absetzt, muss die 01435 wieder rausgenommen werden, die -34 kann jedoch stehen bleiben. Bei den Hausärzten ist das kontingentiert bis zu 6 -mal. Die anderen Fachgruppen haben da ein geringeres Kontingent – außer die Psychotherapeuten.

Bild: © coliquio.de

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