03. April 2020

Neuer EBM ab 1. April

Sprechende Medizin wird aufgewertet

Seit 1. April 2020 gilt der neue „Einheitliche Bewertungsmaßstab“ (EBM). Die Bewertung aller Leistungen wurde überprüft und an aktuellen Kostenentwicklungen angepasst. Außerdem wurde versucht, für eine größere Honorargerechtigkeit zwischen und innerhalb der Arztgruppen sorgen. Eines der wesentlichen Ziele war es dabei, die „sprechende Medizin“ zu fördern – zu Lasten technischer Leistungen.1,2

Lesedauer: 3 Minuten

Redaktion: Maria Weiß

Die jetzt in Kraft getreten Änderungen lassen sich in zwei wesentliche Bereiche unterteilen: Zum einen die Anpassung der betriebswirtschaftlichen Kalkulationsgrundlage – zum anderen strukturelle Veränderungen, um den EBM stärker an die medizinische Wissenschaft und Technik anzupassen und sich vermehrt am Versorgungsbedarf der Versicherten zu orientieren.

Anpassung der betriebswirtschaftlichen Kalkulationsgrundlage

Die Bewertung ärztlicher Leistungen erfolgt weiterhin auf Grundlage des Standardbewertungssystems (StaBS). In drei Punkten wurden Änderungen vorgenommen:

  • Aktualisierung des kalkulatorischen Arztlohns (von 105.571,80 Euro auf 117.060 Euro)
  • Aktualisierung der Praxiskosten (auf Basis der Kostenstrukturstatistik des Statistischen Bundesamtes)
  • Aktualisierung der Kalkulationszeiten der einzelnen Leistungen (bei gleichbleibendem Vergütungsvolumen)

Im Rahmen der Plausibilisierung der Kalkulationszeiten wurden die Zeitansätze aller Leistungen im EBM überprüft, indem die tatsächliche (empirische) Arbeitszeit der Ärzte den kalkulierten Zeiten gegenübergestellt wurde. Dabei zeigte sich, dass die abgerechneten Zeiten etwa doppelt so lang waren wie die Jahresarbeitszeit. Die „Plausibilisierung“ der einzelnen Zeitansätze führt unter dem Strich dazu, dass die veranschlagten Zeiten im Schnitt um etwa 30 % gesenkt wurden. Ausgenommen von der Absenkung waren Leistungen mit einer festen Taktung wie Gesprächsleistungen oder Anästhesien.

Die Förderung der sprechenden Medizin erfolgte auch durch eine Höherbewertung der Gesprächsleistungen im EBM, z.B.

GOP 03230: 128 Punkte / 14,06 Euro (alt: 90 Punkte / 9,89 Euro)
GOP 04230: 128 Punkte / 14,06 Euro (alt: 90 Punkte / 9,89 Euro)
GOP 04430: 128 Punkte / 14,06 Euro (alt: 90 Punkte / 9,89 Euro)
GOP 30944: 128 Punkte / 14,06 Euro (alt: 90 Punkte / 9,89 Euro)

Gesprächsleistungen der Kapitel 14, 16, 21, 22 und 23 wurden darüber hinaus untereinander angeglichen:

GOP 14220: 154 Punkte / 16,92 Euro (alt: 136 Punkte / 14,94 Euro)
GOP 16220: 154 Punkte / 16,92 Euro (alt: 90 Punkte / 9,89 Euro)
GOP 21220: 154 Punkte / 16,92 Euro (alt: 136 Punkte / 14,94 Euro)
GOP 22220: 154 Punkte / 16,92 Euro (alt: 108 Punkte / 11,87 Euro)
GOP 22221: 154 Punkte / 16,92 Euro (alt: 90 Punkte / 9,89 Euro)
GOP 23220: 154 Punkte / 16,92 Euro (alt: 108 Punkte / 11,87 Euro)

Strukturelle Veränderungen

Im Großen und Ganzen wird die Struktur beibehalten. Es erfolgten aber verschiedene (Folge-)Anpassungen in den Allgemeinen Bestimmungen zum EBM, die der Klarstellung, Konkretisierung sowie Weiterentwicklung der Regelungen dienen.

Außerdem wurden u.a. verschiedene Leistungen inhaltlich erweitert, Berechnungsausschlüsse überarbeitet und in einzelnen Bereichen Sachkostenregelungen angepasst.

Eine fachübergreifende Änderung ist z.B. die Ausdehnung des Zeitraums der Berechnungsfähigkeit der Samstagssprechstunde (GOP 01102) von bisher 07:00 Uhr bis 14:00 Uhr auf 07:00 Uhr bis 19:00 Uhr.

Bespiele aus den einzelnen Fachgruppen:

In Allgemein- und Hausarztpraxen soll die sprechende Medizin in Zukunft höher bewertet werden. Dies erfolgte durch die Anhebung der Gesprächsleistung (GOP 03230) um 42 % – bei gleichzeitiger Absenkung der Versichertenpauschalen sowie der GOP 03040 („Vorhaltepauschale“) um ca.4 bis 6 %. Nutzen Praxen ihr Gesprächsbudget bereits jetzt aus, überkompensiert die Höherbewertung des Gesprächs dann die Absenkung der anderen Leistungen.

Einen leichten Zuschlag gibt es bei der Gesundheitsuntersuchung (326 statt 320 Punkte), beim problemorientierten ärztlichen Gespräch (128 statt 90 Punkte) und beim Hausärztlich-geriatrischem Betreuungskomplex (174 statt 159 Punkte).

Kinder- und Jugendärzte, die zur Beratung einer Schwangeren hinzugezogen werden, um medizinische und soziale Fragen zu eventuellen Gesundheitsschädigungen des Ungeborenen zu beantworten, können ab sofort die neue GOP 01799 ansetzen. Die Leistung ist mit 65 Punkten je fünf Minuten bewertet und kann  bis zu viermal im Behandlungsfall erbracht werden. Die Vergütung erfolgt zunächst außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung.

Für Frauenärzte gibt es eine Neuerung bei der Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung: Demnach können klinische Untersuchung und Abklärungsdiagnostik künftig am selben Behandlungstag erbracht werden.

Änderungen gibt es auch bei der Abrechnung der Allergiediagnostik. Die allergologische Anamnese wurde hier von der eigentlichen Allergietestung entkoppelt und kann jetzt gesondert abgerechnet werden (GOP 30100).  Zur Durchführung der Testreihen werden die Kostenpauschalen 40350 und 40351 in einen neuen Abschnitt 40.7 (Leistungsbezogene Kostenpauschalen bei Allergietestungen) aufgenommen. Diese Änderung gilt auch für andere Fachgruppen wie Dermatologen, HNO-Ärzte, Pädiater und Internisten.

  1. Weiterentwicklung des EBM; Kassenärztliche Vereinigung
  2. EBM-REFORM: ÜBERSICHT DER AUSWIRKUNGEN JE FACHGRUPPE; Kassenärztliche Vereinigung

Bildquelle: © gettyImages/cat-scape

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