17. November 2021

Umfrage zeigt Ursachen und Lösungen auf

Knapp, ungeeignet, unflexibel – das sind die Probleme mit MFAs

Gute Medizinische Fachangestellte (MFA) sind sehr schwer zu bekommen und noch schwerer zu halten. Diese Erfahrung haben wohl schon die meisten Ärzte gemacht.1

Lesedauer: 3,5 Minuten

Viele Praxen bilden aus

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat jetzt die Zahlen zur These präsentiert. 61% der befragten Praxen bilden aus oder haben dies vor, um Fachkräfte zu qualifizieren und an der Praxis zu halten. Doch die Rechnung geht nicht immer auf.

So verloren etwa ein Viertel der Arztpraxen im Untersuchungszeitraum mehr als die Hälfte ihrer selbst ausgebildeten MFA. 54% der in diesen Praxen fertig ausgebildeten MFA verließen 2019/ 2020 den Versorgungbereich komplett Richtung stationärer Versorgung (ein Fünftel davon wechselte an ein Krankenhaus) oder eines ganz anderen Berufes und gingen damit der vertragsärztlichen Versorgung verloren.

Das ist eines der Ergebnisse der Zi-Befragung zur Personalsituation in den Praxen der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten.1

Personal wandert ab

Aber auch das bestehende Personal wandert ab, wie 46% der Praxen klagen:

  • Bei 28% der Praxen zum Beispiel deshalb, weil MFA in Mutterschutz oder Elternzeitphasen gehen, und
  • 22% derer, die die Praxen verlassen, tun dies, weil ihre Chefs sie für ungeeignet halten.

Dies spreche im Übrigen nicht für eine Akademisierung der Ausbildung, wie das ZI betont. Vielmehr sollten die gegebenen Ausbildungsinhalte gestärkt werden, „um bei einem gegebenen Fachkräftepotenzial möglichst viele Personen für eine Tätigkeit in den vertragsärztlichen Praxen gewinnen zu können“.

Probleme bei der Suche

Als Hauptproblem bei der MFA-Suche gaben die befragten Praxisinhaberinnen und -inhaber denn auch an:

  • vor allem die mangelnde Qualifikation der Bewerberinnen (52%) sowie
  • keine Reaktionen auf Stellenausschreibungen (46%) und
  • die unterschiedlichen Gehalts- und Arbeitszeitvorstellungen (22/23%).

Kein Wunder, dass die meisten befragten Praxen auch für 2021/22 zu mehr als 2 Dritteln „substanzielle Probleme“ bei der Suche nach geeigneten Fachkräften erwarten.

Folgen des Personalmangels

Die Folgen des Personalmangels sind erheblich:

  • Fast ein Drittel der Praxen berichteten davon, dass sie viele Aufgaben nicht mehr wie gewohnt delegieren konnten, weil die nicht-ärztlichen Fachleute in der Praxis fehlten.
  • Mehr noch: „15% der Vertragsarztpraxen gab an, durch eine Reduktion des Leistungsumfangs reagiert zu haben“, und zwar durchschnittlich anderthalb Monate im Jahr, heißt es in der Zi-Untersuchung.

Viele Praxen wählten in der Not wohl auch die andere Alternative: die Mehrbelastung des Personals. „Aber auch dies kann indirekte bzw. qualitative Auswirkungen auf die ärztliche Patientenversorgung habe“, so das Zi.

Drei Viertel der Praxischeffinnen und -chefs antworteten auf den Personalschwund unter anderem mit Sonderzahlungen und Zuschlägen, „die sich auf fast 4.400 pro Praxis belaufen“, so das Zi. Extrazahlungen flossen sogar dann, als die Praxen während der Corona-Pandemie ohnedies mehr Geld für die Praxisorganisation ausgeben mussten. „Über 2 Drittel der Vertragsarztpraxen haben durchschnittlich 856 Euro je nicht-ärztliche/n Mitarbeiter/in pro Praxis gezahlt“, resümiert das Zi.

„Die Vergütungsschere muss geschlossen werden!“

„Immer häufiger machen Krankenhäuser das Rennen um die gut ausgebildeten nicht-medizinischen Fachkräfte. Das wundert nicht, denn seit Jahren steigt der so genannte Orientierungswert und damit der Preis pro Leistung für Krankenhäuser stärker als der für Vertragsarztpraxen“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried. „Zwischen 2016 und 2020 ist dieser für Krankenhäuser um 15,02% gestiegen, für Vertragsarztpraxen lediglich um 6,96%.“

Somit sei es kein Wunder, dass es Krankenhäusern leichter falle, höhere Tarifgehälter etwa für Medizinische Fachangestellte zu zahlen. Nun müsse die Politik dazu beitragen, die MFA in den Praxen zu halten. „Wird nicht zugunsten der Vertragsarztpraxen nachgesteuert und die Vergütungsschere zwischen Klinik und Praxis geschlossen, drohen auch für Patientinnen und Patienten spürbare Engpässe in den Praxen, die jährlich mehr als 90% der gesetzlich Versicherten behandeln“, so von Stillfried.

Hannelore König, Präsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V. (vmf) begrüßte die Anstrengungen der Praxen, mehr MFA auszubilden. Sie kritisierte aber, dass 11% der Praxen die Ausbildung reduzieren wollen.

Durchaus kritisch sei der Einsatz von Auszubildenden als Arbeitskräfte zu sehen, das habe die Pandemie gezeigt. Auch in Zeiten von Fachkräfteengpässen müsse die Ausbildung Vorrang vor dem Einsatz als Arbeitskraft haben. König schlägt vor: „Der Staat könnte durch die verstärkte Förderung von überbetrieblichen Ausbildungsstätten die ausbildenden Betriebe – vor allem die Facharztpraxen – entlasten.“

Zudem fordert König die Tarifbindung der MFA-Gehälter. „Ein an den Tarifvertrag angelehnter Arbeitsvertrag ist zu wenig“, erklärte die Präsidentin. „Nur die ‚echte‘ Tarifbindung im Arbeitsvertrag schafft für die MFA Sicherheit und Perspektive.“

Dieser Beitrag ist im Original auf Medscape erschienen.

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