05. August 2020

Praxisabgabe gegen Geld – geht das überhaupt noch?

Im Laufe der letzten Jahre hat sich der Nachfragemarkt in einen Anbietermarkt verwandelt. Während für spezialärztliche Praxen, meist im Facharztbereich, hohe Preise erzielt werden, haben Hausärzte häufig das Nachsehen.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Stefanie Pranschke-Schade, Fachanwältin für Medizinrecht und Wirtschaftsmediatorin von der Rechtsanwaltskanzlei “Broglie, Schade & Partner GbR”, beleuchtet hier die aktuelle Marktsituation.

Schwierige Zeiten für Einzelpraxen

Einzelpraxen haben es schwer, auch im Zulassungsverfahren, wenn ein Wunschkandidat platziert werden soll. Die vertragsärztlichen Regelungen, wie z. B. das Ausschreibungsverfahren, erschweren die Platzierung des Wunschkandidaten. Ein Verzicht auf die Zulassung zu Gunsten einer Anstellung kann nicht stattfinden, hierzu ist die Gründung eines MVZ nicht zu vermeiden. Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel MVZ vs. BAG: 5 Fragen und Antworten” >>

Anstellung weiterer Ärzte: Alteingesessene Ärzte reduzieren ihre ärztliche Tätigkeit und stellen einen Arzt/Ärztin als Weiterbildungsassistent/in oder auf einer halben Zulassung an. Mit dieser Maßnahme kann eine Einzelpraxis an Attraktivität für Dritte gewinnen. Die Anstellung als Probezeit hat auch schon manchen angestellten Arzt dazu bewogen, dann selbst freiberuflich tätig zu werden. Fest steht, die Verdienstmöglichkeiten in der freiberuflichen Praxis sind und bleiben gut.

Kaufpreisgestaltung

Nicht zu unterschätzender Nachteil allerdings ist die Kaufpreisfrage. Aufgrund des Umstandes, dass die Arztpraxis nicht mehr als freiberufliches Unternehmen geführt, sondern mit angestellten Ärzten arbeiten wird, ist die Gewinnsituation stark vermindert, wenn nicht aufgezehrt. Die Gemeinde darf mit dem Unternehmen aus kommunalrechtlicher Sicht jedoch keine Verluste langfristig erwirtschaften und so steht der zu zahlende Kaufpreis immer im Mittelpunkt der Diskussion und sollte frühzeitig erörtert werden. Wo der Wille in die Realisierung von allen Beteiligten vorhanden ist, ist es auch möglich, einen für alle Beteiligten wertschätzenden Weg zu finden. Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel “So lässt sich der Wert einer Praxis ermitteln” >>

Veräußerung von Gesellschaftsanteilen noch immer lukrativ

Die Veräußerung von Gesellschaftsanteilen ist ein sowohl im Hausarzt-, als auch im Facharztbereich noch immer lukratives Geschäft. Hier werden auch innerärztlich noch die höchsten Preise erzielt. Gerade Berufsausübungsgemeinschaften, auch ortsübergreifende, gewinnen zunehmend an Attraktivität, weil neben der Arbeitskraft, die untereinander aufgeteilt werden kann, auch der Zuwachs an Patienten ein risikoarmes Einkommen garantiert.

MVZ oder Krankenhaus als Käufer: Weiterhin kaufen gewerbliche MVZ-Trägergesellschaften Praxen auf, die in ihr Portfolio passen. Hierzu gehören Investoren, die sich mit dem Erwerb eines kleinen Krankenhauses eine Gründereigenschaft für MVZs erkauft haben, und Krankenhäuser, die sich den Zugang zum ambulanten Markt sichern wollen. Durch den Hausarztmangel in verschiedenen ländlichen Regionen sind auch Allgemeinarztpraxen an Krankenhäuser veräußerbar.

Corona-Krise: Weniger Investoren, mehr Fokus auf Digitalisierung

Bedingt durch die Corona-Krise verhalten sich größere Investoren zurzeit verhalten. Es ist jedoch davon auszugehen, dass im nächsten Jahr die Strukturen weiter ausgebaut werden. Die Corona-Pandemie sorgt aber auch dafür, dass digitale Strukturen in der Arztpraxis eine immer höhere Akzeptanz erhalten. Damit dürfte auch der Einsatz von Ärzten, die nicht vor Ort sein werden, zunehmen.

Sie suchen eine Praxisnachfolge?

Online-Seminar "Praxiswertermittlung/Due Diligence"

Die Rechtsanwaltskanzlei “Broglie, Schade & Partner GbR” veranstaltet am 16.09.2020 von 18 bis 19.30 Uhr ein Online-Seminar für Ärzte rund um die Praxisabgabe und -übernahme. Neben der Praxiswertermittlung werden die Experten auf die zulassungsrechtlichen Aspekte sowie die Frage der Vertragsgestaltung eingehen. Weitere Informationen und Anmeldung>>

Bildquelle: © gettyImages/Kerkez

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