01. Juli 2020

Ab 1. Juli in Kraft

Neuerungen für Praxisärzte

Das dritte Quartal bringt für niedergelassene Ärzte einige Neuerungen mit sich. Erfahren Sie jetzt unter anderem, was sich bei den Corona-Sonderregelungen am 1. Juli ändert und welche Indikationserweiterungen in Kraft treten.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Quellen: Kassenärztliche Bundesvereinigung, Gemeinsamer Bundesausschuss, Ärztezeitung. Die folgenden Informationen hat Dr. Nina Mörsch zusammengestellt.

Auslaufen von Sonderregelungen zum 1. Juli

„Das Abflachen der Neuinfektionen und die umfassende Rücknahme der Einschränkungen des öffentlichen Lebens erlauben eine schrittweise Rückkehr zur regulären Patientenversorgung in den vertragsärztlichen und -zahnärztlichen Praxen”, erklärt der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA). Sollte sich die Infektionsdynamik wieder beschleunigen, würden auch kurzfristig neue Sonderregelungen beschlossen. Folgende Sonderregelungen laufen zum 1. Juli 2020 aus 1:

1. Telefonische AU: Die Ausstellung einer neuen Verordnung von Arzneimitteln nach telefonischer Anamnese ist ab 1. Juli nicht mehr möglich. Der GB-A betont allerdings: „Zum zwingenden Schutz besonders vulnerabler Patientengruppen sind Folgeverordnungen weiterhin auch ohne direkten Arzt-Patienten-Kontakt möglich.” Den Ärzten wird die Übernahme der Portokosten für den Versand von Arzneimittelrezepten und anderer Verordnungen von 90 Cent ab Juli nicht mehr erstattet.

Ausnahmeregelung für Landkreise Gütersloh und Warendorf: Befristet bis zum 14. Juli 2020 können Vertragsärzte mit Sitz in den beiden Landkreisen die Arbeitsunfähigkeit von Versicherten für einen Zeitraum von bis zu 7 Kalendertagen auch allein aufgrund telefonischer Befunderhebung feststellen. 2

2. Frist zur Vorlage von Verordnungen: Die Frist zur Vorlage von Verordnungen von häuslicher Krankenpflege, spezialisierter ambulanter Palliativversorgung sowie Soziotherapie bei der Krankenkasse beträgt künftig wieder 3 Tage statt 10 Tage.

3. Folgeverordnungen nach telefonischer Anamnese: Folgeverordnungen von häuslicher Krankenpflege, von Hilfsmitteln, Krankentransporte und Krankenfahrten sowie Heilmittel (letztere auch von Zahnärzten verordnete) können nicht länger nach telefonischer Anamnese ausgestellt werden. 1

4. Versandkosten für Arztbriefe: Mehr digital, weniger Porto und Faxe: Von Juli an entfällt Möglichkeit, die Kostenpauschale 40122 (90 Cent) für den Versand von Arnei-, Verband- Hilfsmittel- und anderer Verordnungen zu berechnen, wenn nur ein telefonischer oder Videokontakt mit dem Patienten erfolgt ist. Zudem gibt es eine neue Fax-Kostenpauschale (10 Cent pro Fax, ab Juli 2021 nur noch 5 Cent). 3

Allerdings werden elektronische Arztbriefe von nun an stärker gefördert:

  • Versand von Briefen: GOP 86900 für den Versand (0,28 Euro) plus GOP 01660 für die Strukturförderpauschale (1 Punkt / 0,1099 Euro)
  • Empfang von Briefen: GOP 86901 für den Empfang (0,27 Euro)

    • Heilmittelverordnungen können innerhalb von 28 Tagen begonnen werden (regulär 14 Tage) Sofern aus ärztlicher Sicht ein früherer Behandlungsbeginn notwendig ist, kann dies auf dem Verordnungsvordruck durch Angabe im Feld „spätester Behandlungsbeginn“ kenntlich gemacht werden.
    • Krankentransporte zur ambulanten Behandlung bedürfen weiterhin keiner Genehmigung der Krankenkasse, sofern es sich um Krankentransporte zu nicht aufschiebbaren und zwingend notwendigen ambulanten Behandlungen
    • von nachweislich an COVID-19-Erkrankten handelt oder
    • von Versicherten, die aufgrund einer behördlichen Anordnung unter Quarantäne stehen.
    • Dies ist auf der Verordnung entsprechend zu kennzeichnen.2

EBM & GOÄ: Covid-19 und weitere Neuerungen
Der Abrechnungsexperte Dr. med. Gerd Zimmermann hat in der ersten Folge der coliquio-„Sprechstunde“ über Abrechnungs-Änderungen zum Quartalsbeginn referiert. Hier finden Sie seinen Vortrag und eine Auswahl der wichtigsten Fragen, die er Ihren Kollegen im Rahmen unserer Live-Veranstaltung beantwortet hat.

Videosprechstunden weiterhin unbegrenzt möglich

Ärzte und Psychotherapeuten können auch im dritten Quartal unbegrenzt Videosprechstunden anbieten. Nicht verlängert wird hingegen die Sonderregelung zur Telefonkonsultation. Auch die Erstattung der Portokosten für Folgeverordnungen und Überweisungen entfällt ab Juli. Psychotherapeuten dürfen zudem neben Einzeltherapiesitzungen in Einzelfällen auch Psychotherapeutische Sprechstunden und probatorische Sitzungen (auch neuropsychologische Therapie) per Video durchführen.

medflex, der coliquio-Messenger, bietet seit kurzem eine Video-Chat Funktion, deren Nutzung für Ärzte vergütet werden kann. Das sichere und DSGVO-konforme Videogespräch eignet sich sowohl für spontane Konsultationen als auch für geplante Videosprechstunden. Diese neu integrierte Funktion im medizinischen Messenger ist für alle Nutzer kostenfrei. Als coliquio-Mitglied können Sie sofort unverbindlich testen.

Nachweispflicht für Fortbildung um ein weiteres Quartal verlängert

Die Frist für den Nachweis der fachlichen Fortbildung wird für Ärzte und Psychotherapeuten aufgrund der Coronavirus-Pandemie um ein weiteres Quartal bis zum 30. September 2020 verlängert.

Dies gilt auch für Ärzte und Psychotherapeuten, die bereits mit Honorarkürzungen und Auflagen zum Nachholen der Fortbildungen innerhalb von zwei Jahren belegt wurden. Darüber hinaus können die Kassenärztlichen Vereinigungen Sanktionen, die bereits aufgrund des fehlenden Fortbildungsnachweises verhängt wurden, aussetzen.4

  • Um Ärzte und Psychotherapeuten weiter zu entlasten, werden die für den Nachweis der Fortbildungsverpflichtung erforderlichen Punktzahl von 250 auf 200 Punkte ebenfalls bis zum 30. September gesenkt.

Indikationserweiterungen und neue Formulare ab 1. Juli
Weitere Änderungen erfahren Sie im zweiten Teil des Beitrags.

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