08. Januar 2021

Neuerungen 2021: Das ändert sich für Ärzte

Mit Start des neuen Jahres treten einige Änderungen im Bereich Gesundheit in Kraft, die für Ärzte in Praxis und Klinik relevant sein können. Wir stellen Ihnen hier eine Auswahl wichtiger Neuregelungen vor.

Lesedauer: 4 Minuten

Die folgenden Informationen haben Dr. Nina Mörsch und Dr. Linda Fischer für Sie zusammengestellt.

Corona-Sonderregelungen: Bis zum 31. März 2021 verlängert

Zahlreiche Sonderregelungen während der Corona-Pandemie wurden aufgrund der angespannten Infektionslage um drei Monate verlängert. Dazu gehört unter anderem die Regelung zur telefonischen Konsultation. Welche weiteren Regelungen in Bezug auf Covid-19-Leistungen verlängert wurden, lesen Sie hier in einem Übersichtsbeitrag.

Labor-Meldungen zu positiven Corona-Tests künftig digital

Positive Ergebnisse von Corona-Tests müssen mit Beginn des Jahres 2021 digital von den Laboren an die Gesundheitsämter gemeldet werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: „So lassen sich Infektionsketten schneller nachvollziehen und unterbrechen.“

Konkret müssen Mitteilungen zu positiven Tests ab 1. Januar über das Deutsche Elektronische Melde- und Informationssystem (Demis) laufen, an das alle Gesundheitsämter angeschlossen sind. „Mit dem digitalen System erfahren die Gesundheitsämter sofort, wenn jemand positiv auf das Coronavirus getestet wurde“, sagte Spahn. 1

Elektronische Patientenakte: Ärzte müssen bis 1. Juli vorbereitet sein

Mit dem neuen Jahr startet auch die elektronische Patientenakte (ePA) – allerdings vorerst mit einer Testphase. Erst ab Juli 2021 sind Vertragsärzte und Psychotherapeuten flächendeckend gesetzlich dazu verpflichtet, die digitalen Akten mit Befunden, Therapieplänen etc. zu befüllen und Daten auszulesen, sofern die Versicherten dies wünschen. Deshalb müssen Praxen bis dahin die notwendige Ausstattung vorhalten, um Daten über die Telematikinfrastruktur (TI) in die ePA zu übertragen oder auszulesen. Andernfalls droht eine Kürzung der Vergütung um ein Prozent.

Auch in den Kliniken greift die Verpflichtung zur Unterstützung der ePA im Krankenhaus ab 1. Januar 2021. Für Krankenhäuser, welche die dafür notwendigen Voraussetzungen bis Januar 2022 nicht geschaffen haben, droht eine gesetzliche Sanktionierung. Informationen zu rechtlichen Rahmenbdingungen, notwendigen technischen Komponenten der TI und zu erforderlichen Kenntnissen zu den umzusetzenden Anwendungsfällen der ePA in klinischen und administrativen Prozessen, finden Sie hier. 2

Heilmittelverordnung: Behandlungsbeginn bis 28 Tage nach Verordnung

Die Verordnung von Heilmitteln wird mit der ab Januar 2021 geltenden überarbeiteten Heilmittel-Richtlinie einfacher: Die Regelsystematik wird durch weniger komplexe Regelungen ersetzt, der Heilmittelkatalog wird übersichtlicher und die seither drei verschiedenen Verordnungsformulare werden auf ein Formular für alle Heilmittel reduziert.

AU: Ab Oktober nur noch elektronisch an die Krankenkasse

Zukünftig müssen nicht mehr die Versicherten selbst ihre Krankenkasse und ihren Arbeitgeber über eine Arbeitsunfähigkeit informieren. Dies erfolgt ab dem 1. Oktober elektronisch: Ärztinnen und Ärzte müssen dann verpflichtend die AU-Daten an die Krankenkassen elektronisch übermitteln. Diese wiederum leiten die für die Arbeitgeber bestimmten Daten weiter. Wie das Ausstellen einer elektronischen AU (eAU) funktioniert, erläutert die KBV in einer Praxisinfo. 3

Einführungsphase des eRezepts ab Mitte 2021

Ab Juli 2021 können Ärztinnen und Ärzte in einer Einführungsphase Rezepte digital für ihre Patientinnen und Patienten bereitstellen. Damit wird das bisher gedruckte Formular zum Auslaufmodell. Ab Januar 2022 wird die Nutzung des elektronischen Rezepts bundesweit verpflichtend sowohl für gesetzlich Versicherte als auch für apothekenpflichtige Arzneimittel. Die Vorteile des eRezepts für zu behandelnde Personen, ärztliches Fachpersonal und Apotheken und wie das eRezept funktioniert, lesen Sie hier. 4

Neue Regeln bei der Anwendung von Laser, Licht & Ultraschall außerhalb der Medizin

Die Anwendung von nichtionisierender Strahlung zu nicht-medizinischen Zwecken wird ab dem 31.12.2020 strenger geregelt. Die Regeln sind festgeschrieben in der Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung beim Menschen (NiSV). Nach der NiSV dürfen einige Anwendungen ab dem Stichtag nur noch von approbierten Ärzten durchgeführt werden. Das betrifft beispielsweise die Entfernung von Tattoos oder Permanent-Makeup mit Lasern. Andere, von der Verordnung betroffene Technologien, setzen Fortbildungsmaßnahmen und einen Fachkundenachweis voraus. Um folgende Anwendungen geht es konkret:

  • Lasereinrichtungen und intensive Lichtquellen, zum Beispiel zur dauerhaften Haarentfernung oder zur Tattoo-Entfernung,
  • Hochfrequenzgeräte, beispielsweise zur Faltenglättung oder Fettreduktion,
  • Anlagen zur elektrischen Nerven- und Muskelstimulation, zum Beispiel zum Muskelaufbau in Sportstudios, und zur Magnetfeldstimulation, zum Beispiel über Magnetfeldmatten,
  • Anlagen zur Stimulation des Zentralen Nervensystems, zum Beispiel Hirnstimulation zur Leistungssteigerung,
  • Ultraschallgeräte, die beispielsweise für Ultraschall-Babykino (Mehr dazu lesen Sie hier) oder Fettreduktion eingesetzt werden und
  • Magnetresonanztomographen, die beispielsweise bei Gehirnuntersuchungen in der Marktforschung angewendet werden.

Behandlungen zu medizinischen Zwecken fallen nicht unter die Regelungen der NiSV. Die NiSV betrifft überdies nur Anwendungen, die gewerblich oder im Rahmen sonstiger wirtschaftlicher Unternehmungen durchgeführt werden. Weitere Informationen zur neuen Verordnung erhalten Sie hier. 5,6

Masernimpfung: Nachweis für Kita- und Schulkinder bis 31. Juli Pflicht

Den Nachweis für eine Masernimpfung müssen Eltern bis zum 31. Juli 2021 für ihre Kinder vorlegen, wenn der Nachwuchs in einer Gemeinschaftseinrichtung betreut wird. Alle Kinder ab dem ersten vollendeten Lebensjahr müssen bei Eintritt in eine Kita oder eine Schule die von der STIKO empfohlene Masernimpfung vorzeigen können. Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, begehen eine Ordnungswidrigkeit und zahlen ein Bußgeld von bis zu 2.500 Euro.

Die Nachweispflicht gilt auch für Personal in Gemeinschafts- oder medizinischen Einrichtungen. Der Nachweis kann über den Impfausweis, das gelbe Kinderuntersuchungsheft oder ein ärztliches Attest erfolgen. Warum die Masernimpfung für Kinder so wichtig ist, wer geimpft werden soll und welche Folgen eine Nicht-Impfung hat schildert das Bundesministerium für Gesundheit in einem Videobeitrag. 7

Weitere Änderungen, die 2021 in Kraft treten, lesen Sie im zweiten Teil des Beitrags.

  1. dpa, 31.12.2020
  2. Deutsche Krankenhausgesellschaft: Umsetzungshinweise und Anwendungsfälle für die elektronische Patientenakte
  3. Kassenärztliche Bundesvereinigung, Dezember 2020: Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
  4. gematik: Das eRezept für Deutschland
  5. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit: Kosmetische Anwendung nichtionisierender Strahlung
  6. Bundesamt für Strahlenschutz, 22.12.2020: Neue Regeln bei der Anwendung von Laser, Licht & Co außerhalb der Medizin
  7. Bundesministerium für Gesundheit, 05.01.2021: Impfpflicht soll Kinder vor Masern schützen

Bildquelle: © Getty Images/Dilok Klaisataporn, Getty Images/metamorworks, Getty Images/YsaL

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