03. Januar 2021

Start 2021

Heilmittelrichtlinie: Das ändert sich ab 1. Januar

Mit dem Start der neuen Heilmittel-Richtlinie am 1. Januar verbinden sich Hoffnungen der Vertragsärzte auf einen Abbau von Bürokratie. Lesen Sie jetzt, was sich in den Praxen ändert.1

Lesedauer: 2,5 Minuten

Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung KBV

Klare und einfache Vorgaben lösen die komplizierte Regelfallsystematik und die aufwändige und trotzdem unsichere Bemessung der behandlungsfreien Intervalle ab, erläutert die KBV 1. Außerdem wird der Heilmittelkatalog überschaubarer: Zur Verordnung gibt es nur noch ein Formular für alle Heilmittel. Insgesamt sind die neuen Vorgaben zur Verordnung von Heilmitteln wesentlich besser zu überblicken. So sollen die verordnenden Ärztinnen und Ärzte entlastet werden.

Die wichtigsten Neuerungen betreffen:

  • die Systematik,
  • den Heilmittelkatalog,
  • die Verordnungsoptionen,
  • das Formular.

  • Systematisch sind drei Begriffe wichtig:

    • der Verordnungsfall,
    • die orientierende Behandlungsmenge,
    • das Verordnungsdatum.

    • Bezugsgröße ist nicht mehr der Regelfall, sondern der Verordnungsfall. Er bezieht sich auf den verordnenden Arzt, die Erkrankung seines Patienten und das Verordnungsdatum.
    • Ärzte müssen damit nicht mehr in Erfahrung bringen, wieviel Heilmittel andere Kolleginnen oder Kollegen demselben Patienten verordnet haben.
    • Ein Verordnungsfall endet sechs Monate nach dem Verordnungsdatum – sofern der Arzt in dieser Zeit keine weitere Verordnung aufgrund derselben Erkrankungen für denselben Patienten ausstellt.
    • Für jede Diagnosegruppe ist im Heilmittelkatalog eine sogenannte orientierende Behandlungsmenge angegeben. Mit ihr soll das Behandlungsziel erreicht werden. Sofern medizinisch notwendig, können Ärzte weitere Verordnungen ausstellen. Eine Begründung ist nicht mehr auf der Verordnung notwendig, sondern nur noch in der Patientenakte zu dokumentieren.
    • Allerdings: Wie bisher gibt es für jede Verordnung Höchstmengen. Diese Höchstmenge je Verordnung dürfen Ärzte nur in Ausnahmefällen überschreiten – etwa bei einem langfristigen Heilmittelbedarf oder bei einem besonderen Verordnungsbedarf, wo der Bedarf für bis zu 12 Wochen bemessen werden darf.
    • Sowohl die orientierende Behandlungsmenge als auch die Höchstmenge je Verordnung finden Ärzte im Heilmittelkatalog – ebenso wie die jeweils empfohlene Therapie-Frequenz.

    • Insgesamt ist der Heilmittelkatalog übersichtlicher. Die Diagnosegruppen wurden zusammengefasst, vor allem im Bereich Physiotherapie.
    • Innerhalb der Diagnosegruppen wird nicht mehr unterschieden zwischen kurzfristigem oder mittelfristigem beziehungsweise langfristigem Behandlungsbedarf.
    • Was ebenfalls entfällt: das Aufrechnen der Verordnungsmengen von Vor-Verordnungen für verwandte Diagnosegruppen. Und: Ärzte brauchen nicht mehr formell zu wechseln zwischen verwandten Diagnosegruppen.

    • Auf der Verordnung können neuerdings mehrere Leitsymptomatiken angegeben oder bis zu drei vorrangige Heilmittel zugleich verordnet werden.
    • Auch können Ärzte die Verordnung als dringlich markieren.
    • Besteht kein dringlicher Behandlungsbedarf, behält die Verordnung nun länger ihre Gültigkeit: nämlich 28 Tage lang, früher waren es nur 14 Tage. Das soll Patienten mehr Zeit geben, den richtigen Heilmitteltherapeuten zu finden und einen Termin zu vereinbaren.

    • Das neue Formular 13 ist eine weitere Vereinfachung. Es löst die alten Formulare 13, 14 und 18 ab und wird zur Verordnung sämtlicher Heilmittel eingesetzt.
    • Das Verordnungsformular ist übersichtlich aufgebaut und kann wie die anderen vertragsärztlichen Formulare regulär bestellt beziehungsweise über die Praxissoftware abgerufen werden.

Weitere Informationen

Die KBV stellt verschiedene Serviceangebote zur Verfügung, um Arztpraxen zu helfen, sich möglichst einfach mit den neuen Regelungen vertraut zu machen

Alle Informationen und Serviceangebote bündelt die KBV auf der Themenseite “Heilmittel” hier.

Update: Liste der zertifizierten Software aktualisiert

Die KBV hat die Liste der zertifizieren Heilmittelverordnungssoftware aktualisiert (Liste der zertifizieren Heilmittelverordnungssoftware). Dort können Praxen sehen, ob ihre Software bereits zertifiziert ist und gegebenenfalls bei ihrem Softwareanbieter nachfragen, wenn das verwendete Produkt nicht auf der Liste steht. Seit 2017 dürfen Ärzte nur eine von der KBV zertifizierte Heilmittelverordnungssoftware einsetzen. Da nicht alle Softwareprodukte rechtzeitig zertifiziert waren, musste der Start der Heilmittel-Richtlinie vom 1. Oktober 2020 auf den 1. Januar 2021 verschoben werden.

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