03. Juni 2021

Medizinklimaindex

Ärzte gelassener als vor einem Jahr

Dem Medizinklimaindex Frühjahr 2021 (MKI) zufolge bleibt die Stimmung deutscher Haus-, Fach- und Zahnärzte sowie Psychologischen Psychotherapeuten weitgehend stabil. Die Werte sind damit auf Vor-Pandemie-Niveau.

Lesedauer: 2,5 Minuten


Der folgende Beitrag basiert auf dem 
Medizinklimaindex Frühjahr 2021 der Stiftung Gesundheit. Redaktion: Marc Fröhling

Wirtschaftliche Lage und Aussichten auf Vor-Pandemie-Niveau

Abb. 1: Einschätzung der wirtschaftlichen Lage und Erwartungen an die Zukunft aller befragten Ärzte.

Die niedergelassenen Ärzte, Zahnärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in Deutschland schätzen ihre wirtschaftliche Lage und Aussicht nur geringfügig pessimistischer ein als im Herbst 2020. Der Medizinklimaindex (MKI) sank seit der vorherigen Erhebung um drei Punkte auf einen Wert von -1,4. „Damit liegt er nun auf dem Niveau, das wir auch in den zwei Jahren vor der Pandemie beobachtet haben“, berichtet Prof. Dr. Dr. Konrad Obermann, Forschungsleiter der Stiftung Gesundheit.

Abb. 2: Der MKI im Zeitverlauf seit dem Frühjahr 2013.

Bei einer Sonderbefragung im Zuge der Coronakrise im Mai 2020 wurde noch der stärkste Stimmungsrückgang seit Erhebung der Daten ermittelt. Der MKI gilt als Indikator für die wirtschaftliche Zuversicht der niedergelassenen Ärzte und wird seit 2006 halbjährlich von der Stiftung Gesundheit erhoben.

Mehrheit rechnet künftig mit gleichbleibenden Verhältnissen

Ein Blick in die Daten zeigt, dass aktuell rund ein Drittel der ambulant tätigen Ärzte, Zahnärzte und Psychologischen Psychotherapeuten ihre derzeitige wirtschaftliche Lage als gut einschätzen. Über die Hälfte bezeichnet die aktuelle Situation als befriedigend, rund 15% beurteilen die Lage als schlecht. Der Großteil der Befragten erwartet in den nächsten sechs Monaten keine Veränderung der wirtschaftlichen Lage (62%). Knapp 30% rechnen künftig mit einer Verschlechterung, rund 8% blicken optimistisch in die Zukunft. Dies ergibt einen MKI von -1,4 für das Frühjahr 2021.

Berechnung des MKI

Der von der Stiftung Medizin in Auftrag gegebene MKI erfasst halbjährlich die Stimmung zur wirtschaftlichen Lage bei Fach- und Hausärzten, Zahnärzten und Psychologischen Psychotherapeuten. Diese geben eine Einschätzung ihrer aktuellen wirtschaftlichen Lage und einen Ausblick in die Zukunft ab. Aus dem Saldo der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage (Differenz der Prozentanteile der Antworten „gut” und schlecht”) und dem Saldo der Zukunftsaussichten (Differenz der Antworten „günstiger” und „ungünstiger”), wird der MKI berechnet. Im Zuge der Covid-19-Pandemie fand im Mai 2020 eine Sondererhebung statt.

Hausärzte pessimistisch – Fachärzte mit positiver Entwicklung

Mit Blick auf die einzelnen Fachgruppen, sehen vor allem die Hausärzte ihre wirtschaftlichen Zukunftsaussichten pessimistisch. Rund ein Drittel erwartet in den kommenden sechs Monaten eine Verschlechterung. „Das ist erheblich mehr als in den anderen Fachgruppen“, so Obermann. Dies spiegelt sich in einem deutlich negativen Fachgruppenindex von -10,1 für die Hausärzte wider. Eine ebenfalls negative Entwicklung haben die Fachgruppenindices der Zahnärzte und Psychologischen Psychotherapeuten zu verzeichnen. Anzumerken ist hier jedoch, dass sich der Index der Psychologischen Psychotherapeuten mit 18,9 Punkten noch deutlich im positiven Bereich befindet. Eine positive Entwicklung zeigt sich bei den Fachärzten: Hier stieg der Index um 6,2 Punkte auf einen positiven Wert von 1,3. Die detaillierten Ergebnisse finden Sie in der folgenden Bildergalerie zum Durchklicken.

MKI im Vergleich mit anderen Branchen

Abb. 3: Im Branchenvergleich liegt der Medizinmarkt gleichauf mit dem Handel leicht im negativen Bereich.

Der Medizinsektor hat den Beginn der Pandemie vergleichsweise gut überstanden und verzeichnete im vergangenen Jahr im Vergleich zu den Ergebnissen der ifo-Konjunkturumfragen ausgewählter Branchen geringere Verluste. Aktuell bilden jedoch die Ärzte, punktgleich mit dem Handel, wieder das Schlusslicht (-1,4). Mit einem Index von 24,1 ist das Verarbeitende Gewerbe deutlicher Spitzenreiter vor dem Dienstleistungssektor (6,5) und dem Bauhauptgewerbe (2,3).

Abb. 4: Im Branchenvergleich konnte seit dem vergangenen Herbst nur das Verarbeitende Gewerbe deutlich zulegen.

Im Vergleich mit anderen Branchen hat der Medizinklimaindex seit dem vergangenen Herbst den stärksten Rückgang zu verzeichnen (-3,0). Etwas geringer vielen die Rückhänge im Handel, Baugewerbe und im Dienstleistungssektor aus. Einzig das Verarbeitende Gewerbe konnte einen deutlichen Anstieg um 24,3 Punkte verzeichnen.

1. Medizinklimaindex: Ärzte gelassener als vor einem Jahr. Presseinformation Stiftung Gesundheit; 19.04.2021.

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