17. November 2020

Wenn MFA ihre Kompetenzen überschreiten

Delegation an MFA ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits erleichtert es den Arbeitsalltag, andererseits sind Praxisinhaber für Fehler ihrer Mitarbeiter haftbar. Der Virchowbund erklärt, worauf es bei der Delegation ankommt.1

Lesedauer: 4 Minuten

Symbolbild
Symbolbild

Ein coliquio-Mitglied berichtet im Forum:
„Ich war geschockt. Zufällig habe ich entdeckt, dass eine meiner MFA selbstständig Bescheinigungen mit Diagnosen unterschreibt und ohne meine Kenntnis Anordnungen für Tests macht.“

Dass MFA und andere Praxismitarbeiter ihre Kompetenzen bewusst oder unbewusst überschreiten, kommt durchaus vor. Zugegeben – nicht immer so gravierend wie in dem Beispiel einer gynäkologischen Praxis.

Was können Praxisinhaber tun, um solche Fälle bereits im Vorfeld zu verhindern? Und was können sie tun, wenn sie eine Kompetenzüberschreitung erleben?

Was MFA dürfen und was nicht, hängt im Wesentlichen von ihrem

  • Arbeitsvertrag,
  • den betrieblichen Vereinbarungen,
  • den allgemeinen Dienstanweisungen und
  • den Einzelanweisungen des Arbeitsgebers ab.

Praxisinhaber sollten den Kompetenzbereich ihrer Mitarbeiter ganz klar festlegen. Das sorgt für Sicherheit auf beiden Seiten.

Verstoßen MFA gegen diese Regeln, kann der Arbeitgeber eine Ermahnung aussprechen oder sogar eine schriftliche Abmahnung erteilen. Wiederholt sich die Kompetenzüberschreitung, kann er ordentlich kündigen.

In jedem Fall ist es sinnvoll, sich vorher arbeitsrechtlichen Rat einzuholen. Mitglieder im Virchowbund können sich kostenlos von der Rechtsanwältin Andrea Schannath beraten lassen. Außerdem erhalten sie juristisch geprüfte Textvorlagen für die rechtssichere Abmahnung und Kündigung.

So delegieren Ärzte richtig

Ärzte dürfen bestimmte Tätigkeiten an nichtärztliches Personal delegieren. Das ist in vielen Fällen sinnvoll, denn es spart Zeit. Zeit, in der Ärzte sich anderen Aufgaben widmen können, die ihnen vorbehalten sind.

Die Delegation ist aber an klare Regeln geknüpft:
Der Arzt ist zur persönlichen Leistungserbringung verpflichtet. Nur bestimmte Leistungen dürfen an nichtärztliche Mitarbeiter delegiert werden. Als Entscheidungskriterium gelten:

  • Art der Leistung
  • Gefährlichkeit der Leistung für den Patienten
  • Umstände der Erbringung, insbesondere Schwere des Krankheitsfalles
  • Qualifikation des Mitarbeiters, an den delegiert wird
  • Je nach Qualifikation des Mitarbeiters muss der Arzt zusätzlich abwägen, in welcher Form er die Leistungserbringung überwacht bzw. ob und wie er den Mitarbeiter dabei anleiten muss.

Wenn Ärzte medizinische Leistungen an MFA delegieren möchten, müssen sie zuerst sicherstellen, dass diese auch dafür qualifiziert sind – egal, ob es darum geht, zu impfen oder ein Untersuchungsgerät zu bedienen. Die Mitarbeiter sind verpflichtet, den Arzt darauf hinzuweisen, wenn sie sich für eine delegierte Aufgabe nicht ausreichend qualifiziert fühlen.

Der Arzt wiederum muss die Mitarbeiter bei der Ausführung anleiten und überwachen. Das bedeutet allerdings nicht, dass er die ganze Zeit danebenstehen und den MFA auf die Finger blicken muss. Er muss allerdings „in Rufweite“ (persönlich oder z. B. per Telefon) erreichbar sein. Damit ist es auch zulässig, wenn MFA Hausbesuche ohne Arzt durchführen.

Je erfahrener die Mitarbeiter sind, desto seltener sind (Stichproben-)Kontrollen durch den Arzt notwendig.

Typische delegierbare Leistungen

Die „Vereinbarung über die Delegation ärztlicher Leistungen an nicht-ärztliches Personal“ enthält einen Katalog von über 50 delegierbaren Leistungen. Dabei handelt es sich nur um Beispiele, der Katalog ist also nicht abschließend. Für jede Leistung sind auch die typischen Mindestqualifikationen aufgeführt.

Häufig delegiert werden u. a.:

  • Anamnese-Vorbereitung
  • Aufklärungs-Vorbereitung
  • Hausbesuch
  • Injektion
  • Labordiagnostik
  • Wundversorgung

Während z. B. Anamnese und Aufklärung nicht delegiert werden dürfen, können MFA sehr wohl in der Anamnese-Vorbereitung und der Aufklärungs-Vorbereitung unterstützen. Sie können zum Beispiel standardisierte Daten erheben. Wichtig ist, dass diese Arbeiten später vom delegierenden Arzt überprüft und ggfs. im Patientengespräch ergänzt werden.

Bei Hausbesuchen lautet die Bedingung, dass zuvor ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt stattgefunden haben muss. Der Mitarbeiter muss nach dem Besuch zudem Bericht an Sie erstatten. Hier können Sie die Vereinbarung herunterladen.

Nicht-delegierbare Leistungen

Leistungen, die aufgrund der erforderlichen besonderen Fachkenntnisse nur ein Arzt höchstpersönlich erbringen kann, dürfen auch nicht delegieren werden. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Anamnese
  • Indikationsstellung
  • Untersuchung der Patienten einschließlich invasiver diagnostischer Leistungen
  • Diagnosestellung
  • Aufklärung und Beratung der Patienten
  • Entscheidungen über die Therapie
  • Durchführung invasiver Therapien und operativer Eingriffe

Haftung bei Delegation

Delegation ist eine Einzelfallentscheidung. Ein „Das haben wir schon oft so gemacht“ zählt nicht.

Gemäß Behandlungsvertrag haftet immer der Arzt gegenüber dem Patienten – auch wenn die Leistung nicht höchstpersönlich von ihm selbst erbracht wurde. In anderen Worten: Falls Mitarbeiter ihre Pflichten verletzen, fällt das auf den Arbeitgeber zurück. Im Zweifel muss er nachweisen können, dass er und seine Mitarbeiter ihre Pflichten ordnungsgemäß erfüllt haben.

Übrigens gelten die Haftungsprinzipien zur Delegation nicht nur bei MFA, sondern auch bei angestellten Ärzten. Einen detaillierten Einblick in Rechte und Pflichten angestellter Ärzte gibt die Praxisinfo „Assistent/angestellter Arzt in der Vertragsarztpraxis“ des Virchowbundes. Mitglieder können die Praxisinfo kostenlos als PDF downloaden. Wer noch kein Mitglied ist, kann eine Leseprobe anfordern.

© Virchowbund / Lopata.
© Virchowbund / Lopata.

RA Andrea Schannath berät Ärzte im Virchowbund kostenlos bei allen Fragen z.B. aus dem Vertragsarzt- und Arbeitsrecht. Erfahren Sie mehr unter www.virchowbund.de/recht.

Mehr über den Virchowbund: Virchowbund-Mitglieder erhalten automatisch Zugriff auf über 80 Muster-Verträge und Praxisinfos und sparen so Zeit und Geld im Praxisalltag. Kostenlose Rechtsberatung ist im Mitgliedsbeitrag ebenfalls inklusive. Hier erfahren Sie, wie sich die Mitgliedschaft im Virchowbund für Sie lohnt.

  1. Virchowbund

Bildquelle: © gettyImages/FangXiaNuo

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.

coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653