03. März 2021

Meinung

Es ist Zeit für die hybrid-digitale Arztpraxis

Das Fernbehandlungsverbot ist schon länger passé, ohne größere Reaktionen bei Ärzten und Bevölkerung. Bisher: Denn die Pandemie zeigt die Chancen der Digitalisierung für Ärzte wie unter dem Brennglas. Ein Beitrag von Hans-Joachim A. Schade, Fachanwalt für Medizinrecht.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Digitalisierung der Arztpraxen ist vom Gesetz gegeben

Die Aufhebung des Fernbehandlungsverbotes und die Einführung von Videosprechstunden und Telemonitoring – wie die Dauerüberwachung Diabeteskranker mit Sensoren am Körper – hatten Ärzteschaft und Bevölkerung noch ohne unmittelbare Verhaltensänderungen zur Kenntnis genommen. Keiner nutzte die neuen Chancen, hielten sie die gesetzgeberischen Interventionen doch für überflüssig.

Mit der ersten und zweiten Corona-Welle hat sich das grundlegend geändert. Die Menschen haben gelernt, die trainierten Wege zu regelmäßigen Arztkonsultationen zu reduzieren. Die Nutzung von Videosprechstunden und Telefonberatung ist zeitgleich hochgeschnellt. So haben Ärzte und Patienten entdeckt, dass auch telefonische und Video-basierte Kontakte Informationsgewinn und Sicherheit bringen.

Über den Autor:
Hans-Joachim A. Schade ist Fachanwalt für Medizinrecht und Wirtschaftsmediator von der Rechtsanwaltskanzlei “Broglie, Schade & Partner GbR” mit den Sitzen in Wiesbaden, Berlin und München.

Noch hapert es an der Abrechnung digitaler Kontakte

Je mehr Videosprechstunden und Telefonberatungen eingesetzt werden, desto weniger physische Untersuchungen können die Ärzte in den Praxen naturgemäß abrechnen. Arztvertreter formulieren in der Folge, dass der persönliche Kontakt immer noch Goldstandard sei. Zugleich räumen sie ein, dass er in nur noch etwa 20 % aller Arztkontakte erforderlich sei.

Zusammengefasst: Weniger Arztkontakte und die Patientenverlagerungen in die neuen Wohn- und Arbeitsquartiere steigern die Gefahr, dass es einen Einbruch in der abgerechneten Patientenkontaktfrequenz und damit in der Fallzahl gibt.

Wird zusätzlich der regelmäßige physische Arztbesuch durch dauerhaft am Körper messende Sensoren ersetzt, zeigt sich, dass es neue Herausforderungen für die Abläufe in der Arztpraxis geben könnte.

Die Arztpraxis wäre dann nicht mehr die Erstanlaufstelle mit Diagnose, sondern zunehmend Ort für das Gespräch über die von Patienten mitgebrachten und übermittelten Daten, inklusive der daraus resultierenden Vorschläge für Diagnose und Behandlung. Für diese Anforderungen und Abläufe gibt es jedoch heute keinen Gebührenrahmen.

Die Vision von der hybrid-digitalen Hauptpraxis

In den Quartieren in städtischen Randvierteln und in der Fläche entstehen neue multifunktionale Begegnungsstätten. Hierzu gehören auch multipel nutzbare Räume mit nichtärztlichem Personal für Videokonferenzen mit der Hauptpraxis. Hinzu kommen Zeiten mit persönlichen Begegnungsmöglichkeiten für den unmittelbaren Erstkontakt durch Ärzte.

So wird es möglich sein, zentrale Praxisstandorte in der Fläche zu entwickeln. Dort stehen dann sowohl ärztliches Praxispersonal als auch Ärzte auf flexibler Zeitbasis zur Verfügung. Dies gilt für Ärzte der Grundversorgung ebenso, wie für Zahnärzte mit Schwerpunkten wie Prophylaxe und Schmerzintervention. Ferner könnten sich um diesen Standort Angebote zur Kurzzeit-, Tages- und Nachpflege und stark automatisierte Apotheken und Sanitätshäuser entwickeln.

Bildquelle: © GettyImages/ipopba

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