28. Februar 2020

Interview

Als Zahnarzt auf Teneriffa: Das Leben genießen

Seit 20 Jahren arbeitet Dr. Karl Gnadlinger auf den kanarischen Inseln. Im Gespräch mit coliquio berichtet er über die Vorzüge der Inseln und den Umgang mit seinen Patienten.

Lesedauer: 3 Minuten

Redaktion: Christoph Renninger

Wie sind Sie beruflich auf die kanarischen Inseln gekommen?

Seit 20 Jahren arbeite und lebe ich auf den kanarischen Inseln, zunächst auf Gran Canaria, seit 5 Jahren nun in Bajamar im Norden von Teneriffa in meiner eigenen Praxis. Als Zahntechnikermeister habe ich erst ein zahntechnisches Labor und Fortbildungszentrum aufgebaut. Ab 2009 habe ich dann parallel Zahnheilkunde in Madrid studiert.

Wie sieht Ihr Lebensalltag, in der Praxis und privat, aus?

Mittlerweile bin ich auch als beeidigter Sachverständiger für die hiesigen Gerichte und in der Zahnärztekammer aktiv und habe meine Ordination an 3 Tagen in der Woche geöffnet. Diese sind jedoch vollständig ausgelastet und noch immer kommen jede Woche neue Patienten hinzu. Viele deutschsprachige Touristen oder Auswanderer sind froh, sich mit ihrem Zahnarzt in ihrer Muttersprache unterhalten zu können. Einheimische Patienten machen inzwischen etwa die Hälfte der Behandlungen aus.

Ich genieße hier das gute Essen, das Klima und die christlichen Lebenshaltungskosten. Auch die Menschen hier sind sehr offen und freundlich, Fremdenfeindlichkeit gibt es nicht, da die Gesellschaft schon immer sehr multikulturell geprägt war.

Welche Voraussetzungen waren für den Berufsstart notwendig?

Natürlich sind Sprachkenntnisse grundlegend. Da ich mein Studium in Spanien absolviert habe, war die Niederlassung und Aufnahme in die Zahnärztekammer kein Problem. Ärzte aus anderen Ländern müssen entsprechende Dokumente einreichen. Die Anerkennung kann etwas dauern, stellt aber in der Regel kein Hindernis dar.

Wie nehmen Ihre Patienten es wahr, von einem deutschsprechenden Arzt behandelt zu werden? Wie ist der Umgang mit Kollegen?

Viele meiner Patienten sind erleichtert, wenn sich ein Zahnarzt Zeit für sie nimmt und ihnen zuhört, bei anderen Zahnärzten oder Medizinern leider keine Selbstverständlichkeit. Als Zahntechnikermeister habe ich zudem den Vorteil, Laborarbeiten direkt vor Ort durchführen zu können. Patienten müssen nicht lange warten bis die Arbeiten in einem externen Labor angefertigt werden.

Die Zahnärztekammern hier auf den kanarischen Inseln bieten ein ausführliches Fortbildungsprogramm an, bei dem man sich über neue Inhalte informieren und mit Kollegen in Kontakt kommen kann.

Was sind Nachteile des spanischen Gesundheitssystems?

Bei der Administration ist oftmals Geduld gefragt, da manche Vorgänge, wie Anträge bei Behörden, manchmal eine Weile dauern.

Wie ist das gesellschaftliche Ansehen als Zahnarzt und das finanzielle Einkommen?

Zahnärzte und andere Mediziner sind sehr hoch angesehen. Auch das fachliche Niveau von Medizinern aus Europa wird anerkannt.

Ein Problem im zahnmedizinischen Bereich sind derzeit Praxisketten, die vermehrt Niederlassungen eröffnen. Dabei handelt es sich um Unternehmen, die nicht von Zahnärzten geleitet werden und die Qualität daher nicht adäquat ist.

Geld ist für mich nicht entscheidend und ich bin nicht ins Ausland gegangen, um reich zu werden. Dennoch ermöglicht mir mein Einkommen ein gutes Leben, selbst wenn mein Umsatz nicht mit dem mancher Praxen in Deutschland oder Österreich mithalten kann.

Würden Sie sich erneut für eine Tätigkeit im Ausland entscheiden?

Ja, und ich werde auch, wenn ich im kommenden Jahr in Pension gehe, weiterhin auf Teneriffa bleiben. Natürlich ist ein Gang ins Ausland immer auch ein Abenteuer, aber, wenn man bereit dafür ist und arbeiten möchte, dann stehen hier alle Möglichkeiten offen.

Für meine Praxis bin ich derzeit noch auf der Suche nach einem Nachfolger und möchte sie in gute Hände abgeben.

Dr. Karl Gnadlinger ist Zahnarzt, Zahntechnikermeister und gerichtlich beeideter Sachverständiger. Seit 5 Jahren betreibt er seine eigene Praxis auf Teneriffa.

  • 1. “Planung, Morphologie und Wiederherstellung von Molaren” Sektor 2 und 3 (I) Gaceta Dental 235, Seiten 126-140 April 2012

    2. “Planung, Morphologie und Wiederherstellung von Molaren”. Sektor 2 und 3 (II) 06.09.2016 Gaceta Dental 236, Seiten 182-193-Mai 2012

    3. “Die kartesische Ebene als Referenz für keramischen Zahnersatz” Prótesis Dental 159 ,Seiten 24-29 Dezember 2008

    4. “Zwischen der Farbe und kartesianischen chromatischen Raum bei Zahnästhetik” Prótesis Dental 157 Seiten 38-44-September 2008

    5. “Die Liebe zum Detail” Dental Dialogue, Band 2, Seiten 17-34 Dezember 2009

    6. “Zermahlen der Nahrung mit Zähnen” Dental Dialogue Volumen 1/2005 Seiten 2- 12

    7. “Exzellente dentale Zahnästhetik”Quintessenz 11 2003

    8. “Funktionelle Parameter” Dentallabor 5/11-2000

    9. “Funktion und Ästhetik mit Conquest/Skulptur/FibreKor und OPC-Presskeramik”, Seiten 1261- 1271, Quintessenz 12/1999

    10. “Ideen über die Rolle metallfreier Restaurationen” Dentallabor 1999

    11. “Funktion und Ästhetik mit Presskeramik” Dentallabor 1999

    12. “Materialien ohne Metallbasis” Dentallabor 1999

    13. “Beobachtungen im täglichen Funktionskomplex” Quintessenz 1999

    14. “Funktion Skulptur-Fibrecor und Presskeramik OPC 1998, Dental Labor,Seiten 24-29

    15. “Das Fernröngten als Planungshilfe für eine funktionelle Frontzahngestaltung” Dentallabor, Seiten 1869- 1872 Heft 11/ 1996

    16. “Problematik Dentaler Werkstoffe aus Sicht der Ganzheitsmedizin” Dental Labor, Seiten 1095- 1101, Heft 8/ 1994

    17. “Konzept der harmonischen funktionellen prothetischen Okklusion” Soproden 1993, Seiten 177- 189

    18. “Der Zahn, Energieräuber und Schwerpunkt für Zahnerkrankungen” Dentallabor 1992

    19. “Funktionelle Konfiguration der Frontzähne als heilprothetisches Muss” Österreichisches Zahntechnikerhandwerk 1991

    20. “ Ein harmonisches Okklusionskonzept für funktionsfähigen Zahnersatz” Dental Labor, Seiten 1607- 1618Heft 11/ 1991

Titelbild: © Getty Images/ MikeMareen

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