05. Juli 2021

Warum es lohnt, die Praxisabgabe frühzeitig zu organisieren

Egal ob medizinischer Nachwuchs, MVZ oder Investor, bei der Praxisabgabe sollten sich Niedergelassene frühzeitig um eine passende Lösung bemühen. Denn so sichern sie sich viele Vorteile.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Der Beitrag wird vertreten von Hans-Joachim A. Schade, Fachanwalt für Medizinrecht. Redaktion: Sebastian Schmidt

Nachfolgeregelung mit Vorteilen für alle Seiten

In den nächsten 10 Jahren werden viele Haus- und Facharztpraxen auf den Markt kommen. Denn die Generation „Baby-Boomer“ verabschiedet sich in diesem Zeitraum in den Ruhestand.

Dem wachsenden Markt an abzugebenden Praxen steht eine sinkende Zahl von selbstständigen Ärzten und Ärztinnen als Käufer gegenüber. Denn fast 50% des medizinischen Nachwuchses sucht eine Anstellung ohne Führungsverantwortung.

Dabei liegen die Vorteile einer frühen Regelung bei der Praxisabgabe für beide Seiten klar auf der Hand. Arbeiten Praxisabgebende weiter mit, freuen sich die jeweiligen Übernehmer, weil sie so die Rentabilität sichern können. Gleichzeitig können Praxisabgebende nun ohne unternehmerisches Risiko weiterarbeiten und verdienen.

Mögliche Käufer und ihre Intentionen

Weil die Praxisübergabe an Kollegen nicht immer gelingt, lohnt der frühzeitige Blick auf mögliche weitere Kaufinteressierte. In die Nachfragelücke springen beispielsweise Kapitalinvestoren und kommunale/freigemeinnützige Träger von Krankenhäusern.

So gibt es private Klinikgruppen wie z.B. Helios aus der Fresenius Medical Gruppe, Asklepios und die Sana-Gruppe, die den deutschen privaten Krankenversicherern gehört. Ferner gibt es Investoren mit Schwerpunkten im ambulanten Bereich wie z.B. Laborarztketten, Dialyse-Gruppen und eine Nachfrage im Bereich Röntgen und im operierenden Augenarztbereich. Bei diesen steht die Steigerung des Börsenwertes im Mittelpunkt. Voraussetzung ist eine stabile Rentabilität der Praxis.

Über den Autor:
Hans-Joachim A. Schade ist Fachanwalt für Medizinrecht und Wirtschaftsmediator von der Rechtsanwaltskanzlei “Broglie, Schade & Partner GbR” mit den Sitzen in Wiesbaden, Berlin und München.

Immer mehr Landkreise und Kommunen sind am Kauf interessiert

Kommunale Institutionen investieren ebenfalls in Praxen, häufig in Form eines MVZs. Dahinter steht der Wunsch, die regionale Gesundheits- und Daseinsvorsorge zu sichern. Denn ohne wohnortnahe medizinische Versorgung kommt die regionale Wirtschaft mangels Fachkräftezuzug ins Stocken. Deshalb spielen die Verantwortlichen in Landratsamt und Rathaus eine immer größere Rolle als Zielgruppe für den Kauf.

Übernahme: Eine Frage des Managements und stabiler Umsätze

Etablierte Praxen wagen oft keine Expansion mehr. Sie sehen sich mit Digitalisierung, Delegation und Nachwuchsmangel konfrontiert. Hinzu kommt: Erfahrene Fachkräfte für die betriebswirtschaftlichen Aufgaben im ambulanten Bereich, die hier unterstützen könnten, sind Mangelware.

Deshalb ist es für alle Käufergruppen oft so wichtig, sich für längere Zeit die medizinische und Organisationskompetenz von Praxisabgebenden sichern zu können. Und damit rückt neben der Kaufpreisverhandlung auch Inhalt und Dauer einer Weiterbeschäftigung von Praxisabgebenden in den Mittelpunkt der Übernahmegespräche. Und auch für Investoren und Investorinnen und kommunale Institutionen ist dieser Aspekt bei der Übernahme von Bedeutung. Binden sie so doch langfristig die umfassende Erfahrung und die medizinische Kompetenz.

Online-Seminar "Praxisabgabe an MVZ / Investoren"

Die Rechtsanwaltskanzlei “Broglie, Schade & Partner GbR” veranstaltet am 7. Juli 2021 von 18 bis 19.30 Uhr ein Online-Seminar für niedergelassene Ärzte.

Die Experten gehen im Seminar im Detail darauf ein, was bei den Verhandlungen und bei der Vertragsgestaltung beachtet werden sollte.
Weitere Informationen und Anmeldung>>

Praxis früher abgeben? Wann es sich lohnt und wann nicht

Eins wird deutlich: Es kann sich lohnen mit der Nachfolgeregelung nicht zu warten, bis man Mitte 60 ist, sondern stattdessen mit Mitte 55 bis 60 Jahren den Praxisverkauf zu organisieren. Dabei gilt es abzuwägen:

Solange potenzielle Abgebende weiter wie Selbstständige arbeiten, werden auch Käufer und Käuferinnen bereit sein, den bisherigen Gewinn zu gewährleisten. So spart sie sich kurzfristig die Nachwuchssuche und die Kosten für eine betriebswirtschaftliche Geschäftsführung.

Anders ist die Situation, wenn Abgebende über eine kurze Zeit beschäftigt werden sollen, weil bereits neue Ärzte und Ärztinnen und eine erfahrende betriebswirtschaftliche Führungskraft gesucht wird. Denn das mindert in vielen Fällen automatisch den Kaufpreis.

Titelbild: © GettyImages/IvanMikhaylov

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