22. Dezember 2020

Fördermaßnahmen für Arztpraxen

5 Tipps vom Steuerberater

Viele Unternehmen – auch Arztpraxen – sind aktuell auf kurzfristige finanzielle Unterstützung angewiesen. Irgendwann sind Stundungen ausgelaufen und Fördermittel aufgebraucht. Steuerberater und Geschäftsführer der alpha Steuerberatung GmbH, Michael Neuberger, empfiehlt die Liquidität schon jetzt mittelfristig zu planen und sicherzustellen.

Lesedauer: 3 Minuten

Sinnvolle Maßnahmen, die in einigen Arztpraxen genutzt wurden, waren unter anderem:

  • Sonderzahlung an Mitarbeiter bis zu 1.500 EUR Steuer- und Sozialversicherungsfrei
  • Wiedereinführung der degressiven Abschreibung
  • Senkung der Mehrwertsteuer von 19% auf 16% bzw. von 7% auf 5%
  • Förderung für Beschäftigung von Azubis
  • Zuschuss zur Digitalisierung der Unternehmensabläufe
  • Erlass von Mietzahlungen / Stundung von Mieten

Eine echte Erleichterung dagegen war die Nutzung des Kurzarbeitergeldes, die Stundung von Steuervorauszahlungen sowie die Unterstützung der KV Abschlagszahlungen in Form von Umsatzvorschüssen. Das Kurzarbeitergeld spart die tatsächlichen Personalkosten. Dies jedoch nur, soweit der Mitarbeiter nicht in der Praxis arbeitet und keinen Urlaub oder Überstunden abbaut.

Aus Erfahrung, waren die Lohnabteilungen der Steuerkanzleien mit dem Thema „Kurzarbeit“ sehr stark belastet. Durch die Einsparung von Personalkosten, konnte manch Arzt/Ärztin Betriebsausgaben einsparen. Nachteil ist der Zeitverzug bei der Abrechnung und Zahlung des Kurzarbeitergeldes durch die öffentlichen Kassen.

Die jeweiligen KV´n haben vielen Arztpraxen schnell und einfach geholfen, indem Abschläge und Restzahlungen, unabhängig von den tatsächlichen Scheinen, abgerechnet und ausgezahlt wurden.

10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember sind bekanntermaßen die unbeliebtesten Tage im Jahr. Insbesondere für den selbständigen Arzt / die selbstständige Ärztin, denn es handelt sich um die Tage der Einkommensteuervorauszahlung. Hier hat die Finanzverwaltung großzügig und unbürokratisch die fälligen Steuervorauszahlungen gestundet.

Tipp 1: Welche Maßnahmen ist die Richtige?

Einige Maßnahmen, wie das Kurzarbeitergeld, werden erst zu einem späteren Zeitpunkt ausgezahlt und schonen entsprechend spät die Liquidität. Andere Maßnahmen, wie zum Beispiel die Stundung der Einkommensteuervorauszahlung, schonen zwar kurzfristig die Liquidität, müssen aber in naher Zukunft gezahlt werden.

Das Gebot der Zeit heißt: Liquiditätsplan
Ein Beispiel aus der Praxis:

Die Stundung von Juni 2020 bis Dezember 2020 war zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen durchaus hilfreich, doch auch die Steuernachzahlung im Frühjahr 2021 sollte eingeplant sein.

Liquiditätssicherung während der Corona-Pandemie

Kurzarbeitergeld, Steuervorauszahlungen und Corona-Überbrückungshilfe. Steuerberater und Geschäftsführer der alpha Steuerberatungsgesellschaft Michael Neuberger spricht über Maßnahmen zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit Ihrer Arztpraxis während der Pandemie. Zum Beitrag >>

Tipp 2: Erstellung eines Liquiditätsplans

Sollte bis zur Fälligkeit von Zahlungen, die erwartete Liquiditätserholung nicht erfolgt sein, so muss mit den entsprechenden Stellen kommuniziert werden.

Ein guter Ratgeber und Begleiter ist hier in erster Line Ihr Steuerberater. Scheuen Sie auch nicht davor, einen Mitarbeiter der KV anzusprechen. Spielen Sie gegenüber Ihrer Bank mit offenen Karten und schildern Sie Ihre Bedenke, zum Beispiel wegen fälligen Kreditraten. Sprechen Sie ggf. Ihren Vermieter an, der ein Interesse an einem dauerhaften und guten Mietverhältnis hat.

Tipp 3: Kommunikation

Verständnis und Hilfe können Sie nur erwarten, wenn Sie, zum Beispiel Ihrer Bank aktuelle Auswertungen vorlegen oder der Finanzverwaltung eine aktuelle BWA, damit die Stundungen ggf. verlängert werden. Das gilt auch für Vermieter und Lieferanten.

Ihre Buchhaltungsunterlagen Ihrem Steuerberater zu übergeben ist zu Krisenzeiten noch aktueller, denn was nutzt dem Kreditsachbearbeiter bei der Bank eine Auswertung zum Dezember 2019?

Tipp 4: Chancen sehen

Neben den negativen Auswirkungen aus der Corona Pandemie sollten wir aber auch die Chancen sehen. Es ist gerade jetzt an der Zeit einige Abläufe und Ausrichtungen, auch und gerade, in der Praxis zu überdenken. Es kommt die Frage wie lange will und kann ich die Praxis noch führen. Wie kann ich einen Nachfolger für meine Praxis gewinnen. Sind Abläufe in der Praxis und in der Kommunikation nicht mehr zeitgemäß.

Tipp 5: Digitalisierung

Auch wir als Steuerberater haben in der Corona Zeit erleben dürfen, dass die Digitalisierung bei allen Nachteilen auch Chancen bietet. Wir haben eine Vielzahl unserer Mandanten auf die Digitale Buchhaltung umgestellt. Wir versuchen damit auch den Daten und Informationsaustausch zu beschleunigen, zu vereinfachen und transparenter zu gestalten.

Bei allen Nachteilen und Probleme die uns die Corona Pandemie beschert hat, sollten wir dennoch gespannt und offen in die Zukunft sehen. Jede Krise hat auch ein Ende und damit einen Neuanfang.

© GettyImages/scibak

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