21. Juli 2021

Ärzte nach Flutkatastrophe in Not

Wie Sie Ihre Kollegen jetzt unterstützen können 

Es fehlt an allem: Medizinische Geräte, Laborzubehör, Verbandsmaterial, Kommunikationssysteme, Praxis-Mobiliar und mehr. Viele Praxen sind durch die Fluten komplett zerstört worden. Wie Sie betroffenen Ärzten und Ärztinnen im Hochwassergebiet helfen können. 

Lesedauer: 4 Minuten

Redaktion: Dr. Nina Mörsch, Sebastian Schmidt

Viele Ärztinnen und Ärzte in den überfluteten Gebieten stehen vor den Trümmern ihrer Existenz: So sind nach aktuellem Stand (21.07.2021) insgesamt 105 Praxen allein in Nordrhein als Folge des Unwetters nicht mehr oder nur bedingt arbeitsfähig, so die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein.

In vielen Praxen gibt es weder fließendes Wasser noch Strom – außerdem wurden vielerorts zum Teil Inventar, medizinische Geräte, Medikamente, Impfstoffe und Akten zerstört bzw. unbrauchbar gemacht. 

Zugleich versuchen die betroffenen Arztpraxen eine Notfallversorgung ihrer Patientinnen und Patienten aufzubauen. Für die Kolleginnen und Kollegen ist Unterstützung angekündigt. Doch wann der Praxisbetrieb wieder normal laufen kann, ist ungewiss.

Wir möchten deshalb gerne einen kurzen Überblick über die Lage, eine Woche nach dem Starkwetterereignis geben und zusammenfassen, wohin sich betroffene Praxen aber auch helfende Kolleginnen und Kollegen wenden können:

Soforthilfen beschlossen 

Die Bundesregierung hat Soforthilfen von bis zu 200 Millionen Euro beschlossen. Weitere 200 Millionen Euro sollen von den Ländern kommen, wie Bundesfinanzminister Olaf Scholz heute im Rahmen einer Bundespressekonferenz bekannt gab, meldete die Tagesschau.

Fluthilfe – wichtige Informationen für die Praxen

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein hat aktuelle Infos rund um die Folgen der Flutkatastrophe für betroffene Praxen und Hinweise für unterstützende Kollegen und Kolleginnen in einer aktuellen Praxisinformation zusammengefasst.
Darin werden unter anderem folgende Fragen geklärt:

  • Mengenbegrenzung
  • Schutzschirm für betroffene Praxen
  • Umgang mit beschädigten Patientenakten
  • Wirtschaftlichkeitsregresse infolge der unbrauchbaren SSB-Artikel
  • Vorgehen, wenn die Praxis geschlossen werden muss
  • Vorgehen, wenn die Praxis den Betrieb in Ausweichräumlichkeiten wieder aufnimmt

Wenn Sie von den Folgen des Unwetters betroffen sind oder Hilfe anbieten möchten, schreiben Sie an fluthilfe@kvno.de.

Die KV Nordrhein hat für die betroffenen Praxen ein Spendenkonto bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank eingerichtet:

Spendenkonto Hochwasserkatastrophe
Empfänger: Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
IBAN: DE84 3006 0601 0031 4179 16
Verwendungszweck: Spendenkonto Fluthilfe

Praxen sollten sich mit Impfstoffen und Antibiotika bevorraten
Um möglichen Infektionen in den betroffenen Regionen vorzubeugen, empfiehlt die KV Nordrhein dortigen Praxen, sich mit Impfstoffen gegen Tetanus (Tetanol ggf. als Kombinationsimpfstoff) und gegen Hepatitis A und B zu bevorraten. Außerdem sollten die gängigen drei bis vier Standardantibiotika verfügbar sein. Auch empfehle es sich, externe Antiseptika wie Polysept- und Octenisept-Lösungen vorzuhalten.

Ein wichtiger Punkt auch: Psychotherapeutische Hilfe für die Flutopfer. Psychotherapeuten, die sich um die Akutversorgung von Opfern der Flutkatastrophe kümmern, sollen unabhängig vom Praxissitz abrechnen können, heißt es bei der KV Nordrhein.

Landesärztekammer Rheinland-Pfalz

Vom Fall des Arztehepaars Friedl aus Bad Neuenahr berichtete die Ärztezeitung bereits am 15. Juli. Die erst frisch-renovierte Praxis des Ehepaars war vom Wasser vollkommen zerstört worden. Die Landesärztekammer Rheinland-Pfalz ruft ebenfalls betroffenen Kolleginnen und Kollegen dazu auf, sich zu melden, um Hilfen zu erhalten.

Außerdem könne sich, wer Sachspenden hat, zur Vermittlung an folgenden Kontakt wenden:  
Ines Engelmohr M.A. 
Fon: 06131 28822-25  
Fax: 06131 28822-8625 
Mobil:0170 4771471 
Mail: engelmohr(at)laek-rlp.de  

Für Geldspenden habe man folgendes Spendenkonto eingerichtet: 
Empfänger Landesärztekammer, Mainzer Volksbank
IBAN: DE74 5519 0000 0654 2750 31
BIC: MVBMDE55, Stichwort: Hochwasser)  

Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) hat ein Spendenkonto für ihre Mitglieder eingerichtet:
Empfänger: KV RLP
IBAN: DE83 3006 0601 0042 1510 81
Verwendungszweck: Spende Flutkatastrophe 

  • Um die medizinische Versorgung vor Ort aufrechtzuerhalten und schnell wiederaufzubauen hat die KV RLP einige Sofortmaßnahmen eingeleitet:

    • Sie frage Praxen in den betroffenen Regionen ab, um die Übernahme von Patientinnen und Patienten zu regeln. Dabei solle die Mengensteuerung der Versorgung keinesfalls im Wege stehen.
    • Diejenigen, die ihre Räumlichkeiten nicht mehr nutzen können, versucht die Kammer bei der Suche nach neuen bzw. vorübergehenden Praxisräumen zu unterstützen.
    • Abschlagszahlungen werden weiterhin gezahlt. Wichtig sei, dass Ärztinnen und Ärzte nicht in Liquiditätsprobleme geraten. Kann die Abrechnung nicht erstellt werden, ist eine Honorarermittlung auch als Schätzung möglich.
    • Außerdem arbeitet die KV RLP an der Ermöglichung von Ersatzverfahren. Hierzu führe ihre Vertragsabteilung bereits Gespräche mit den Krankenkassen.

    Die Hotline der KV RLP ist zu erreichen unter
    Fon: 06131 326-326
    Fax: 06131 326-327
    Mail: kv-hotline@kv-rlp.de
    Mo – Do 7:30 – 17 Uhr, Fr 7:30 – 15 Uhr

Hilfen und Spenden für Zahnarztpraxen 

Von den Überschwemmungen sind auch Zahnarztpraxen betroffen. Die sehr betroffenen Landeszahnärztekammern und die KZVen in Nordrhein, in Westfalen und in Rheinland-Pfalz wenden sich zusammen mit der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), sowie der Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebiete (HDZ) an alle Zahnärzte und Zahnärztinnen.

Spendenkonto:
Hilfswerk Deutscher Zahnärzte 
Deutsche Apotheker- und Ärztebank 
IBAN: DE28 300 60601 000 4444 000 
BIC: DAAEDEDD 
Stichwort: Flutkatastrophe 

(Eine Spendenbescheinigung wird bei genauer Adressangabe ausgestellt. Zur Steuerbegünstigung bis 300,- Euro kann als vereinfachter Zuwendungsnachweis nach § 50 Abs. 2 EStDV der Kontoauszug vorgelegt werden.)

Psychotherapeutische Unterstützung gesucht

Die Folgen der aktuelle Hochwasserkatastrophe werden für viele Betroffene noch lange nach dem Aufräumen spürbar bleiben. Um Flutopfern bei der Verarbeitung des Erlebten zu helfen, bittet die Psychotherapeutenkammer NRW psychotherapeutische Kolleginnen und Kollegen zu prüfen, ob und wie diese Behandlungsmöglichkeiten für die Durchführung von Sprechstunden und / oder Akutbehandlungen zur Verfügung stehen können.

Vertragspsychotherapeutinnen oder Vertragspsychotherapeuten können sich direkt an die Terminservicestelle der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung wenden. Psychotherapeutinnen oder Psychotherapeuten in privater Niederlassung können sich an die örtlichen Gesundheitsämter oder die vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe genannten Adressen wenden.

Aus dem coliquio-Forum

Auch auf coliquio berichten betroffene Ärzte von ihren Nöten und Kollegen und Kolleginnen unterstützen moralisch und wollen mit Sach- und Geldspenden unterstützen. 

Weitere Spenden – und Hilfsmöglichkeiten für Hochwasser-Opfer

Wer Hochwasseropfern mit Spenden, Zeitspenden von medizinischem Personal oder Schlafplätzen im Kreis Ahrweiler oder Rhein-Sieg-Kreis helfen will, findet auf der Internetseite der Stadt Bonn eine Adressliste.

Die Landesregierung Rheinland-Pfalz hat ein Spendenkonto für die betroffene Bevölkerung eingerichtet: Empfänger: Landeshauptkasse Mainz, DE78 5505 0120 0200 3006 06, Stichwort: „Katastrophenhilfe Hochwasser“.

Darüber hinaus können Sie für die Flutopfer an verschiedene Organisationen spenden, z. B. an die Aktion Deutschland Hilft, DE62 3702 0500 0000 1020 30, Stichwort: „Hochwasser Deutschland“.

Teaserbild: © Getty Images/Marc Bruxelle

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