08. Juli 2020

Seit 1. Juli relevant

Abrechnung rund um Covid-19: Was ist neu?

Der Abrechnungsexperte Dr. med. Gerd Zimmermann hat in der ersten Folge der coliquio-„Sprechstunde“ über Abrechnungs-Änderungen zum Quartalsbeginn mit Schwerpunkt auf Covid-19 referiert. Seine Antworten auf alle Fragen, die während der Live-Veranstaltung und auch im Nachhinein gestellt werden konnten, finden Sie hier im Überblick.

Lesedauer: 2 Minuten

Wichtig: Am 03.07.2020 hat die Bundesärztekammer die Regelung für die Nr. A245 sowie die Nrn. 801, 807, 808, 860 und 885 bzw. 804, 806, 817, 846, 849, 861, 863, 870 , 886 sowie nach Nr. 60 GOÄ bis zum 30.09.2020 verlängert (bisher 31.07.2020). Mehr dazu lesen Sie in einer aktuellen Meldung

Alle Fragen im Überblick

Ist die Ziffer 01435 weiter abrechenbar?

  • Ja, aber nur in Fällen, bei denen keine Versichertenpauschale abgerechnet wird, erklärt der Experte Dr. Zimmermann. Eine Ausnahme bilden BAG‘s. Da die Leistung im Arztfall berechnet werden kann, ist eine Abrechnung durch Praxispartner möglich, die nicht die VP berechnet haben.

Ist die Ziffer A245 an konkret sichtbare Maßnahmen gebunden? Patient möchte nicht zahlen, weil er keine Maßnahmen sah (Psychotherapie). Doch die Maßnahmen fanden und finden statt.

  • Es handelt sich um eine Entschädigung für den besonderen Hygieneaufwand in der Pandemie, der auch in der Psychotherapie erforderlich ist. Ein besonderer Nachweis ist deshalb nicht erforderlich.

Kann ich die Ziffer A245 auch telefonisch bei coronarelevanten Themen einsetzen?

  • Nein! Die Leistung ist an einen persönlichen Arzt-Patientenkontakt gebunden, so der Abrechnungsexperte.

Gibt es eine Ziffer in Bezug auf Coronaviren bei Privatpatienten?

  • Zeitlich begrenzt bis zum 30.09.2020 kann bei jedem Privatpatienten im Rahmen eines persönlichen APK (auch wenn der nicht im Zusammenhang mit Covid-19 steht) der Hygienezuschlag nach Nr. A245 GOÄ berechnet werden. Ansonsten kommen alle GOÄ-Leistungen in Betracht, die auch ansonsten berechnungsfähig sind. Alternativ kann bei einem besonderen individuellen Hygieneaufwand aber auch der Multiplikator eingesetzt werden.

Wie sieht die Abrechnung bei geplanten Reihenuntersuchungen aus?

  • Reihenuntersuchungen können nach der Coronatest-VO nur durch den ÖGD durchgeführt oder an andere Leistungserbringer delegiert werden. Die Leistungsabrechnung erfolgt hier nicht nach EBM oder GOÄ. Es ist eine Aufwandserstattungsregelung vorgesehen, die über die zuständige KV abgerechnet werden kann. Die diesbezüglichen Konditionen sind bisher nicht bekannt (Ausnahme Bayern), erläutert der Abrechnungsexperte Dr. Zimmermann.

Wird ein Patient mit klinischem Verdacht auf eine Covid-19 Erkrankung nach negativem Testergebnis des Coronaabstriches weiterhin als Verdachtsfall mit U07.2+G geführt?

  • Ja, wenn zuvor die sogenannten RKI-Kriterien erfüllt waren. Das bedeutet, dass innerhalb von 14 Tagen ein definierter Kontakt zu einem positiven Fall bestand. In diesem Fall sollte zum ICD U07.2G der ICD Z20.8 (Kontakt mit und Exposition gegenüber sonstigen übertragbaren Krankheiten) zugesetzt werden. Die Kennzeichnung nach Nr. 88240 ist in einem solchen Fall an jedem Behandlungstag möglich, der sich auf den nichtbestätigten Verdachtsfall bezieht.

Ist der Gesundheitscheck bei HzV-Patienten alle 2 oder alle 3 Jahre vorgesehen?

  • Auch hier gilt der 3-Jahresabstand bei Versicherten ab dem 35. Lebensjahr. Hier sind wegen der Vielfalt der Einzelverträge mit den jeweiligen Kassen aber Sonderregelungen möglich.

Gibt es Regularien, wie der Abstrich zu entnehmen ist?

  • Auf der Webseite des RKI ist die Entnahmetechnik geschildert. Sie unterscheidet sich aber nicht von der bei jedem anderen Rachen-/Nasenabstrich.

Darf man die A245 nur einmal ansetzen oder jeden Monat?

  • Die Nr. A245 GOÄ kann je Behandlungstag berechnet werden, wobei es sich um einen persönlichen Arzt-Patientenkontakt handeln muss. Sie ist bis zum 30.09.2020 begrenzt.

Bezieht sich die neue Ziffer 3 ausschließlich auf Beratungen zu Corona oder ist sie auch in anderen Fällen anwendbar?

  • Die Neuregelung zur Nr. 3 GOÄ ist bis 31.07.2020 bei allen Telefonaten anwendbar, auch wenn das Gespräch sich nicht um das Corona-Thema dreht.

Kann man die Abrechnungsziffer A245 neben der Ziffer 3 abrechnen?

  • Ja, aber nur, wenn der Ansatz der Nr. 3 GOÄ auf einem persönlichen APK beruht. Die Nr. A245 GOÄ ist nur bei persönlichen APK möglich. Im Rahmen einer telefonischen Abrechnung der Nr. 3 GOÄ scheidet der Ansatz der Nr. A245 GOÄ deshalb aus.

Bei der KV Bayern vom 4.6.2020 steht in den Informationen zur Videosprechstunde, dass keine AUs und Verordnungen ausgestellt werden dürfen: Dies sei eine Anordnung vom BGM. Stimmt das?

  • Das ist korrekt. Die Regelung, dass AU und Rezept telefonisch oder per Videosprechstunde ausgestellt werden dürfen, endete am 31.05.2020. Sie gilt nur noch im Raum Gütersloh, wegen des dort aufgetretenen Hotspots, weiter.

Behörden akzeptieren oft nur 1-fachen GOÄ-Satz – gilt das auch bei der Ziffer zu Coronamaßnahmen?

  • Die Vereinbarung zur Abrechnung der NR. A245 GOÄ wurde zwischen der Bundesärztekammer und dem PKV-Verband sowie den Beihilfestellen getroffen und gilt damit nur in diesem Bereich. Trotzdem würde Dr. Zimmermann den Ansatz probieren, wenn es zu Beratungs- oder Untersuchungsleistungen kommt. Üblicherweise handelt es sich bei Behörden aber um Berichte, die nicht mit einem persönlichen Kontakt verbunden sind und deshalb den Ansatz der Nr. A245 GOÄ nicht ermöglichen.

Gilt die neue Ziffer 02402 auch bei einer telefonischen Beratung, wenn ich den Patienten zum Abstrich ins Drive-In schicke?

  • Die 02402 steht erst einmal für die Abrechnung des Abstrichs aber auch für die Beratung. Das heißt, die Ziffer kann jeweils berechnet werden, wenn ein Abstrich gemacht und/oder eine Beratung durchgeführt wurde. Sie ist also auch dann berechnungsfähig, wenn nur eines von beiden gemacht wurde. Da bisher eine telefonische Beratung nicht ausdrücklich ausgeschlossen ist, wäre auch dies in dem Fall möglich.

    Aber: Wenn man den Patienten dann zum Drive-In schickt und der Corona-Test dann negativ ausfällt, dann geht das eigentlich nicht.

Welcher Diagnoseschlüssel gilt in diesem Fall? Wie oft ist dieser im Behandlungsfall ansetzbar?

  • In dem Fall wäre zunächst mal die U99.0 (Spezielle Verfahren zur Untersuchung auf SARS-CoV-2) und die Z11 (Spezielle Verfahren zur Untersuchung auf infektiöse und parasitäre Krankheiten) die Kodierung. Am Behandlungstag kann die Ziffer 02402 einmal eingesetzt werden und im Behandlungsfall, also im Quartal, beliebig oft. Bei positivem Testergebnis käme U07.1G dazu.

In welche Kategorie der Corona-Kasuistiken gehört die minimal erkältete Altenpflegerin im Heim?

  • Das wäre die Kategorie Massentests, wenn sie eine App hat, dann auch die Kategorie App. Möglich wäre auch die Kategorie U07.2G. Also im Grunde genommen, sind alle drei Fälle möglich, sofern die Patientin eben überhaupt ein Handy hat.

Viele Patienten brauchen einen Nasenabstrich. Welche Ziffern setze ich an?

  • „Bei der GOÄ haben wir ja die gute Situation, dass man alles abrechnen kann, was man macht”, erklärt Dr. Zimmermann. In diesem Fall des Nasenabstrichs wäre die Abstrichziffer die 298, die Beratung wäre Nummer 1 und für die Untersuchung komme die Nr. 5 oder Nr. 7 infrage – und zumindest noch bis zum 30.09. die A245. Diese sollte nicht vergessen werden.

    Und für eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wäre noch die Nummer 70 zu berechnen, da der Patient ja bei einem positiven Testergebnis zu Hause bleiben müsste.

    Im EBM sind alle Abstrichleistungen oder Blutentnahmen in der Versichertenpauschale enthalten, ausgenommen bei einem Abstrich in Folge einer Warnung durch die Corona-App.

Welche Ziffern sind für eine Blutabnahme für den Covid-19-AK-Test zu berechnen?

  • Hier gilt die Nr. 250 für die venöse Blutabnahme und bis 30.09.2020 die Nr. A245 GOÄ, wenn man das Blut als Arzt oder Ärztin selbst abnimmt. Grundsätzlich ist eine Antikörperbestimmung bei jedem Patienten auch erlaubt – allerdings muss hierfür ein Grund vorliegen. Rein vorsorgliche Antikörperbestimmungen sind keine Kassenleistung, selbst in der PKV nicht. Der Patient muss den Test als IGeL in diesem Fall selbst bezahlen.

    Die Leistung kann nur zu Lasten der GKV berechnet werden, wenn anamnestisch ein Kontakt mit einem positiven Fall vorlag.

Kann eine MFA den Abstrich durchführen? Und ist auch ein kontaktloser Selbstabstrich möglich?

  • Ja, das geht. Denn solche Leistungen sind generell delegierbar. Auch könnten Patienten selbst den Abstrich durchführen. Allerdings könnte man diese nicht abrechnen. Sollte jedoch die Corona-Warn-App anschlagen, könnte der Arzt die 02402 abrechnen, wenn dieser mit dem Patienten einen direkten Kontakt hatte und diesen berät.

Was ändert sich in der EBM-Regelung an den Ziffern der ärztlichen Psychotherapie?

  • Bis zum 30.09.2020 sind definierte psychotherapeutische Leistungen telefonisch bzw. per Videosprechstunde berechnungsfähig.

Wie sehen die RKI-Kriterien zur Testung von asymptomatischen Personen aus?

  • Asymptomatische Personen sollen getestet werden, wenn sie Kontakt zu bestimmten Personen hatten, z.B. mit denen sie im gleichen Haushalt leben oder die sie im gleichen Haushalt pflegen (z.B. im Altenheim), die positiv getestet wurden.

    Außerdem sollten Personen, die aus einem von Corona stark betroffenen Land eingereist sind, getestet werden – auch wenn diese asymptomatisch sind.

Darf ich eine gesunde Person mit einer Warnung über die Corona-Warn-App krankschreiben?

  • Das komme auf den Grund der Krankmeldung an, erläutert Dr. Zimmermann. Wenn jemand eigentlich körperlich gesund ist, kann man ihn nicht krankschreiben. Kommt es aber aufgrund der Warnung bei der Person zu einer psychosomatischen Störung, kann man durchaus mit der entsprechenden Diagnose, eine Krankmeldung ausstellen.

Darf man die A245 auch bei Post- oder Bahn-Patienten abrechnen?

  • Das sei eine gute Frage, die eigentlich mit den Patienten zu klären sei, so der Experte. Denn die Vereinbarung ist definitiv nur zwischen der Bundesärztekammer, der PKV und der Beihilfestelle geschlossen worden.

    Für Bahn- und Postbeamte, die ja eine spezielle Privatversicherung haben, gilt das so nicht. Hinzu kommt, dass man die A245 nur mit dem 2,3-fachen Satz abrechnen kann. Diesen Multiplikator haben weder Bahn noch Post nicht. Der Vorschlag des Experten: Trotzdem abrechnen und abwarten was passiert. Das Schlimmste, was passieren könnte, dass man mit dem Patienten eine Diskussion kommt, falls dieser nicht den gesamten Betrag von seiner Versicherung erstattet bekommen sollte.

    Doch Dr. Zimmermann ergänzt: Es gibt ja noch den Basis- und den Standardtarif. Da Post- und Bahnangestellte ganz normale PKV-Versicherte sind, könnte man aufgrund der Vereinbarung mit der PKV sagen, der 2,3-fache Satz gelte beim Basis- und beim Standardtarif sehr wohl, auch wenn alle anderen Leistungen dort nicht auf den 2,3-fachen Satz multipliziert werden könnten.

EBM und ICD für folgende Fallbeispiele:

  • symptomfrei, Test negativ: ICD 10: U99.0 und Z11 und keine besonderen EBM-Leistungen möglich (insbesondere keine Kennzeichnung mit 8824)
  • Symptom ja, Test negativ: ICD 10: zunächst U07.2G, danach U99.0 und Z11, EBM: zunächst 88240 bis zur negativen Testung, keine weiteren speziellen EBM-Leistungen möglich.
  • symptomfrei, Test positiv: ICD 10: U07.1G, EBM: alle Behandlungstage mit 88240

Den Vortrag von Dr. Zimmermann können Sie sich hier anschauen:

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