11. September 2019

Falsche Ärzte: Wie kann man sich schützen?

Regelmäßig machen Mitteilungen über falsche Ärzte die Runde, die sich zum Teil über Jahre hinweg als kompetente Mediziner in leitenden Positionen ausgegeben haben. Lesen Sie hier, welche Sicherheitsvorkehrungen Arbeitgeber treffen können.

Lesedauer: 3 Minuten

Redaktion: Dr. med. Laura Cabrera

5 Jahre Haft für angeblichen Arzt

In diesem Sommer hat ein falscher Arzt in Deutschland wieder für Aufsehen gesorgt: Ein 38-jähriger Libyer wurde zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt, weil er nicht nur einen Aufenthaltstitel, sondern auch eine ärztliche Approbation gefälscht hatte.

Dabei handelt es sich hier nur um den aktuellsten Betrugsfall. Die Ärztezeitung zählt in ihrem Artikel aus dem vergangenen Jahr die Namen verurteilter „Ärzte“ auf, die sich nur mit einem selbstsicheren Auftreten und zum Teil auffällig schlecht gefälschten Urkunden in leitende Positionen deutscher Kliniken hinauf logen.1

Der bekannteste Fall ist sicher der des „Dr. med. Dr. phil. Clemens Bartholdy“, der in Wahrheit Gert Postel hieß und Postzusteller war. Er gab sich zwischen 1980 und 1997 als Psychiater aus und bekleidete eine Stelle als Amtsarzt.

Das Verlangen nach Prestige

Den meisten Scheinärzten geht es vor allem darum, sich in dem Ansehen, das Ärzte genießen, zu sonnen. Das Geld ist meist eine willkommene Nebensache.1 Oft steht ein pathologischer Narzissmus hinter dem Verhalten, gepaart mit psychopathischen Aspekten: Selbstüberhöhung, Lügen und Betrügen sowie das bereitwillige Riskieren der Gesundheit anderer.

In der Regel treten diese Menschen mit einem ausgeprägten Selbstbewusstsein auf. Ihr medizinisches Fachwissen haben sie sich angelesen. Manche haben tatsächlich eine medizinische Ausbildung, zum Beispiel in der Pflege oder als Arzthelfer. Diese Betrüger beherrschen dann auch handwerkliche Tätigkeiten wie Blut abnehmen oder Infusionen anschließen.

Zeit- und Kostendruck beim Arbeitgeber

In der heutigen Zeit stehen Kliniken und Praxen unter großem finanziellem sowie personellem Druck. Nicht selten werden Bewerber nach lediglich einem kurzen Gespräch eingestellt, besonders auf Assistenzarztebene. Wenn der Arbeitgeber dann die Dokumente nicht überprüft und sich auf die Glaubwürdigkeit von Scans und Kopien verlässt, hat der Betrüger zumindest bei der Einstellung ein leichtes Spiel. Der 28-Jährige Kaufmann Christian E. fälschte sich zwei Doktortitel der Universität Frankfurt und der Universität Oxford. Niemand bemerkte, dass er „Franlfurt“ und „Doktor medicnae” geschrieben hatte. Erst nach 13 Monaten als Assistenzarzt in der Chirurgie wurde er dank eines anonymen Hinweises enttarnt.

Die Mühlen der Justiz

Falsche Ärzte, die besonders schnell enttarnt wurden, fielen wegen ihrem mangelnden Wissen bei Routine-Tätigkeiten auf. Im aktuellen Fall um den 38-Jährigen Libyer war es zunächst ein Medikament, das er in einer Kasseler Arztpraxis fälschlicherweise einem Säugling rezeptierte. Doch die Mühlen der Justiz waren zu langsam: Zwar wurde er bereits zu knapp vier Jahren Haft verurteilt, doch weil das Urteil noch nicht rechtskräftig war, wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen. Daraufhin bewarb er sich erfolgreich in einer Privatklinik in Nordhessen, wo den Krankenschwestern nach fünf Bereitschaftsdiensten auffiel, dass der angebliche Facharzt nicht wusste, wie eine Bluttransfusion abläuft.2

Im Zweifel Approbation überprüfen

Wenn Sie Zweifel an der Echtheit eines Bewerbers haben, sollten Sie sich die Approbationsurkunde sowie eine eventuelle Promotionsurkunde im Original vorlegen lassen, denn auch eine beglaubigte Kopie ist leichter zu fälschen als eine offizielle Urkunde. Verlassen Sie sich nicht auf Scans.

Im nächsten Schritt können Sie bei der zuständigen Behörde um eine Bestätigung der Echtheit bitten, im Falle einer Approbation ist dies das ausstellende Landesprüfungsamt. Manche Kliniken lassen grundsätzlich alle Approbationen überprüfen.3

Nicht alle Ärztekammern geben Auskunft

Der Weg über die Ärztekammer zur Bestätigung eines Facharztes ist leider nicht immer möglich. Die Bezirksärztekammer Nordhessen zum Beispiel lehne die Bestätigung der Echtheit von Dokumenten aus Datenschutzgründen ab, schreibt die Waldeckische Landeszeitung in ihrem Bericht über das Thema.3 Dirk Schulenberg, Justiziar der Ärztekammer Nordrhein, sprach hingegen im Jahr 2015 bei Medical Tribune über die Möglichkeit von Auskunft und Beratung.4

Weitere Maßnahmen, die Sie treffen können

Natürlich kann auch das Amt getäuscht worden sein, doch dies zurückzuverfolgen ist für den einzelnen Arbeitgeber schwierig. Stattdessen sollten Sie Bewerber im persönlichen Gespräch unter die Lupe nehmen. Machen alle Angaben auf dem Lebenslauf zeitlich Sinn? Ist der oder die Bewerberin sehr jung im Verhältnis zu den erreichten Leistungen (so wie bei Christian E.)? Hat er oder sie im Gespräch ein offensichtliches Talent dafür, sich selbst zu verkaufen? Ebenfalls können Sie Referenzen über vorherige Arbeitgeber verlangen und diese kontaktieren.

Praxisinhaber sollten noch einen anderen Aspekt bedenken: Betrüger versuchen manchmal, nach dem Tod des Inhabers trauernde Angehörige auszunutzen und so an die Nachfolge zu kommen, erklärt Justiziar Dirk Schuler.4

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