19. Oktober 2021

Arzt wirbt mit erfundener Facharztbezeichnung

Ein Mediziner darf nicht mit erfundenen Facharztbezeichnungen werben. Das hat das Landgericht Koblenz am 20.07.2021 (Az.:1 HK O 29/21) entschieden. Außerdem wurde im vorliegenden Fall auf unzulässige Weise Werbung für eine Fernbehandlung betrieben.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag wird vertreten vom Virchowbund.

Im Februar 2021 versandte ein Mediziner per E-Mail ein Informationsschreiben zur Beratung über Telefon und Video zu Raumfahrt- und Regulationsmedizin. Hierbei bewarb er diesbezügliche Ferndiagnostik und -therapie. Er bezeichnete sich zudem neben anderen Facharztrichtungen auch als Facharzt für „Akupunktur“, „Sexualmedizin“ und „Raumfahrttechnik“.

Ein Verband forderte den Mediziner erfolglos auf, diese Werbung zu unterlassen, bekam aber vor Gericht Recht.

Da sagt das Gericht

Der Inhalt der E-Mail ist unlautere Werbung, da der Mediziner zum einen in unzulässiger Weise eine Fernbehandlung bewarb und sich zum anderen als Facharzt für Fachgebiete bezeichnete, die keine anerkannten Facharztbezeichnungen darstellen.

Ausschließliche Fernbehandlung unzulässig

Werbung für eine sogenannte Fernbehandlung, die nicht auf eigenen Wahrnehmungen an dem zu behandelnden Menschen beruht, ist unzulässig – es  sei denn, nach allgemein anerkannten fachlichen Standards ist ein persönlicher ärztlicher Kontakt mit dem zu behandelnden Menschen nicht erforderlich.

Eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien ist zwar im Einzelfall erlaubt, wenn dies ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt insbesondere durch die Art und Weise der Befunderhebung, der Beratung, der Behandlung sowie der Dokumentation gewahrt wird und die Patientin bzw. der Patient auch über die Besonderheiten der ausschließlichen Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien aufgeklärt wird. Dass der persönliche ärztliche Kontakt nicht erforderlich wäre, hatte der Mediziner dem Gericht aber nicht dargelegt.

Nur mit anerkannten Facharztbezeichnungen werben

Zudem war die Bezeichnung u.a. als Facharzt für „Akupunktur“, „Hypnose“, „Sexualmedizin“ und „Raumfahrtmedizin“ irreführend. Eine Facharztbezeichnung setzt den erfolgreichen Abschluss einer Weiterbildung in einer zugelassenen Weiterbildungsstätte sowie die Anerkennung durch die jeweils zuständige Bezirksärztekammer voraus. Ansonsten darf eine Facharztbezeichnung nicht geführt werden.

Die Gebiete, für die es eine anerkennungsfähige Facharztbezeichnung gibt, sind in der jeweiligen Weiterbildungsordnung näher bezeichnet. Weder „Akupunktur“ noch „Hypnose“,„Sexualmedizin“ und auch nicht die „Raumfahrtmedizin“ gehören zu diesen Gebieten.

Es ist unzulässig mit einer Fachärztebezeichnung zu werben, die es nicht gibt. Denn diese Werbung kann dazu führen, dass zu behandelnde Personen nur deshalb diesen Arzt oder diese Ärztin wählen, weil sie wegen der angeblich besonderen Fachkunde in den genannten Fachgebieten die bestmögliche Behandlung erwarten, während sie einen anderen Arzt oder eine andere Ärztin ausgewählt hätten, wenn sie gewusst hätten, dass es diese Facharztbezeichnung nicht gibt.

So tappen Sie nicht in die Werbefalle

Mehr darüber, welche Form der Werbung zulässig ist und welche nicht, erläutert der Virchowbund auf seiner Internetseite unter dem Stichwort “Praxismarketing” und in der Praxisinfo „Praxis-Webseite“. Mitglieder können eine persönliche Rechtsberatung in Anspruch nehmen.

© Virchowbund / Lopata.

RA Andrea Schannath berät Ärztinnen und Ärzte im Virchowbund kostenlos bei allen Fragen z.B. aus dem Vertragsarzt- und Arbeitsrecht. Erfahren Sie mehr unter www.virchowbund.de/recht.

Bild: © GettyImages/MaryAnnShmueli

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