29. September 2021

Ab Oktober 2021

Neue Leistungen im EBM

Im zweiten Teil des Beitrags zu den Neuerungen für Praxisärztinnen und -ärzte erfahren Sie, welche Änderungen im EBM im vierten Quartal 2021 in Kraft treten.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Redaktion: Dr. Nina Mörsch

Einmaliges Hepatitis-Screening neuer Bestandteil des „Check-ups“

Versicherte ab 35 Jahren können sich ab 1. Oktober 2021 einmalig auf Hepatitis B und Hepatitis C testen lassen. Das Screening-Angebot ist neuer Bestandteil des Check-ups, der Gesundheitsuntersuchung alle 3 Jahre. Die Tests können übergangsweise auch separat durchgeführt werden, wenn der letzte Check-up weniger als 3 Jahre zurückliegt. Ziel ist es, Infektionen zu erkennen, die bislang noch symptomlos verlaufen.

Neugeborenen-Screening auch auf SMA und Sichelzellkrankheit

Mit Hilfe des Neugeborenen-Screenings, bei dem einige Tropfen Blut untersucht werden, können seltene angeborene Erkrankungen bereits in den ersten Lebenstagen entdeckt werden. Die Früherkennungsuntersuchung umfasst künftig auch die spinale Muskelatrophie (SMA) und die Sichelzellkrankheit. Somit kann zukünftig schneller mit der Behandlung des Kindes begonnen werden.

Unterkieferprotrusionsschiene wird Kassenleistung

Ärzte können Patienten mit einer obstruktiven Schlafapnoe künftig mit einer Unterkieferprotrusionsschiene zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung behandeln, falls eine Überdrucktherapie nicht erfolgreich durchgeführt werden kann. Hierfür wurden in den EBM-Abschnitt 30.9 „Schlafstörungsdiagnostik“ zwei neue Gebührenordnungspositionen (GOP) aufgenommen sowie die bestehenden Leistungen für die kardiorespiratorische Polygraphie und die kardiorespiratorische Polysomnographie angepasst.

Psychotherapie: Vergütung für Gruppentherapie

Mit der gruppenpsychotherapeutischen Grundversorgung steht ab 1. Oktober 2021 in der ambulanten Psychotherapie ein neues Versorgungsangebot zur Verfügung. Therapeutinnen oder Therapeuten informieren in bis zu vier Sitzungen à 100 Minuten oder in bis zu acht Sitzungen à 50 Minuten über psychische Störungen sowie über Arbeitsweise und Wirkmechanismen, Chancen und Nutzen einer Gruppentherapie. Zur Abrechnung der Leistungen wurden die GOP 35173 bis 35179 in den EBM aufgenommen. Die Vergütung erfolgt extrabudgetär. Außerdem sind ab Oktober auch probatorische Sitzungen im Gruppen-Setting möglich. Diese können über die neuen GOP 35163 bis 35169 abgerechnet werden. Die Vergütung beträgt pro Teilnehmer und Sitzung zwischen 78,32 Euro (3 Personen) und 45,50 Euro (9 Personen). Zur Übersicht der neuen Leistungen im EBM.

Auch Akutbehandlung & Gruppentherapie per Video möglich: Die Möglichkeiten für Psychotherapie per Video werden weiter ausgebaut und sind ab Oktober auch für Akutbehandlungen und Gruppentherapien möglich. Es wurde zwischen KBV und dem GKV-Spitzenverband vereinbart, dass dieses Angebot künftig ohne Einschränkungen per Video berechnungsfähig ist.

Anpassungen bei den strahlentherapeutischen Leistungen

Der Bewertungsausschuss hat die Bewertungen von strahlentherapeutischen Leistungen im EBM überprüft und von einigen eine Absenkung zum 1. Oktober beschlossen. Hintergrund: Die Überprüfung deckte einen Unterschied zwischen den Annahmen einerseits und den Ergebnissen der Abrechnung andererseits auf. Betroffen von der Absenkung sind u.a. die therapeutische Bestrahlung gutartiger Erkrankungen mit dem Linearbeschleuniger. Eine höhere Bewertung erhält hingegen die Weichstrahl- und Orthovolttherapie. Eine Übersicht der aktuellen und neuen Bewertung der einzelnen GOP in Kapitel EBM finden Sie bei der KBV hier.

Onkologie-Vereinbarung ab Oktober angepasst

Auf in der Onkologie-Vereinbarung gibt es zum 1. Oktober Anpassungen, auf die sich KBV und GKV-Spitzenverband geeinigt haben. Unter anderem sind die Berechnungsfähigkeit der Kostenpauschale für die orale Tumortherapie und die Therapieoption „Active Surveillance“ beim Prostatakarzinom sowie die paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (Marchiafava-Micheli-Syndrom) als neue Indikation aufgenommen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Substitutionsgestützte Behandlung Opioidabhängiger

KBV und GKV-Spitzenverband haben im Bewertungsausschuss die substitutionsgestützte Behandlung Opioidabhängiger mit einem Depotpräparat dauerhaft in den EBM aufgenommen. Die Regelung gilt ebenfalls ab Oktober. Mit der GOP 01953 (130 Punkte/14,46 Euro) können behandelnde Ärzte einmal in der Woche die subkutane Applikation eines Depotpräparats und die Nachsorge abrechnen. Die Vergütung erfolgt extrabudgetär.

  1. PraxisNachrichten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV)
  2. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA)

Bild: © GettyImages/krisanapong detraphiphat

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