20. März 2020

Covid-19 in der Praxis: Empfehlungen des Hausärzteverbands

Wie sollten Hausärzte mit dem Wunsch umgehen, sich auf Corona testen zu lassen? Und was tun, wenn plötzlich jemand mit konkretem Coronaverdacht im Wartezimmer sitzt? Dr. Wolfgang Kreischer, Vorsitzender des Hausärzteverbands Berlin und Brandenburg e.V. (BDA), beantwortet diese und andere Fragen zu Covid-19.

Fragen: Dr. Horst Gross

Wie sollten Hausärzte mit dem Wunsch umgehen, sich auf Corona testen zu lassen?

Dr. med. Wolfgang Kreischer ist Facharzt für Allgemeinmedizin und Vorsitzender des Hausärzteverbands Berlin und Brandenburg e.V. (<span>BDA</span>)
Dr. med. Wolfgang Kreischer ist Facharzt für Allgemeinmedizin und Vorsitzender des Hausärzteverbands Berlin und Brandenburg e.V. (BDA)

Dr. Kreischer: Das muss man kanalisieren. Entscheidend ist, dass die Menschen Folgendes verstehen: Wer keinerlei Beschwerden hat und auch in den letzten Tagen keinen Kontakt mit einem Coronainfizierten hatte, für den ist der Test komplett überflüssig. Und wir machen in unseren Arztpraxen keine Wohlfühltests. Das ist reine Verschwendung. 

Was ist bei einem realistischen, eventuell symptomatischen Infektionsverdacht?

Dr. Kreischer: Entscheidend ist, dass die Betroffenen nicht plötzlich im Wartezimmer auftauchen. Die meisten sind auch so vernünftig und rufen vorher an. Dann hat sich folgendes Vorgehen bewährt: Man drückt entweder Angehörigen die Teststäbchen in die Hand oder man nimmt den Test außerhalb der Praxis ab. Etwa auf dem Parkplatz vor dem Praxisgebäude.

Egal wie der Test dann ausgeht, der Praxis droht so kein Quarantänerisiko. Man muss dabei ja Folgendes bedenken: Wenn Praxen reihenweise kontaminiert werden und in Quarantäne müssen, dann ist die medizinische Betreuung der Bevölkerung massiv in Gefahr. Das gilt es unbedingt zu verhindern. 

Und wenn doch plötzlich jemand mit konkretem Coronaverdacht im Wartezimmer sitzt?

Dr. Kreischer: Dann bleibt nichts anderes übrig, als einen Abstrich zu machen und danach die Praxis zu schließen. Die Patienten im Wartezimmer sollte man allerdings noch behandeln, denn die sind ja schon exponiert. Und dann kann man nur hoffen, dass der Abstrich negativ ist. Ansonsten droht der Praxis eine längere Quarantänezeit. Aber um es klar zu sagen: Das gilt  wirklich nur für einen konkreten Verdachtsfall. Coronatests im Sinne einer Ausschlussdiagnostik sind kein Quarantänegrund.

Die Erkältungssaison läuft noch. Was ist bei einer ganz normalen Erkältung?

Dr. Kreischer: Viele Praxen weisen diese typischen Erkältungspatienten sicherheitshalber ab.  Der kassenärztliche Notdienst ist überlastet und die Krankenhäuser sind nicht zuständig. Also da haben wir ein echtes Versorgungsproblem. Aus diesem Grund befürwortet unser Hausärzteverband eine ambulante Fiebersprechstunde. Die könnte zum Beispiel einigen Krankenhäusern angegliedert werden. 

Außerdem gibt es ja noch die Möglichkeit, Patienten mit typischem Erkältungsverdacht nach telefonischer Konsultation für eine Woche krankzuschreiben. Bei einer echten Erkältung ist die Sache danach meist ausgestanden.

Sollte man jetzt gegen Pneumokokken und Influenza impfen?

Dr. Kreischer: Als prophylaktische Maßnahme  sollten ältere Menschen jetzt unbedingt gegen Pneumokokken und Influenza geimpft werden. Und gerade bei diesen Impfstoffen zeichnen sich nun Lieferprobleme ab. Wir hoffen darauf, dass die kassenärztlichen Vereinigungen die Sache in den Griff bekommen.

Wie reagieren Ihre Patienten auf die Lage?

Dr. Kreischer: Wir sehen zwei typische Muster des Fehlverhaltens: Da ist zum einen die Laissez-faire-Einstellung. Die nehmen das alles nicht so ernst. Man geht nach wie vor mit den Kindern auf den Spielplatz oder macht seine Shoppingtour.

Aber dann gibt es auch das andere Extrem. Das sind die Angstpatienten. Da gibt es eine regelrechte Hysterie. Deshalb raten wir unbedingt davon ab, sich von dubiosen Internetquellen und WhatsApp-Nachrichten verrückt machen zu lassen. Entscheidend für uns Hausärzte ist, dass wir unsere Patienten auf seriöse Informationskanäle hinweisen.  Auch darauf muss sich jeder Hausarzt vorbereiten.

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.

coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653