14. März 2020

Aus dem Praxisalltag

Covid-19 in der Arztpraxis: So geht Ihr Kollege bei Verdachtsfällen vor

Matthias Sunnus ist Facharzt für Innere Medizin und Arbeitsmedizin mit eigener hausärztlicher Praxis in Wiesbaden und damit in vielen Fällen der erste Ansprechpartner für Patienten mit Verdacht auf das Coronavirus SARS-CoV-2. Wir haben mit ihm über die aktuelle Situation, Vorgehen bei Verdachtsfällen und seine Prognose zur Virusausbreitung gesprochen.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Fragen: Marina Urbanietz

Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf Ihre Praxis bisher?

Matthias Sunnus
Matthias Sunnus

Matthias Sunnus: Sehr deutliche! Unsere größte Herausforderung heute ist, die Patienten, die grippeähnliche Symptome aufweisen, von der Praxis fernzuhalten. Wir versuchen verstärkt auf telefonische Beratung und digitale Möglichkeiten zu setzen, um so die potentiell von Covid-19 betroffenen Patienten rechtzeitig auszusortieren.

Wir versuchen nur solche Patienten in die Praxis reinzulassen, die nach unserer Einschätzung zu 99% nicht mit dem Coronavirus infiziert sind. Seitdem auch das Thema AU-Bescheinigungen seitens der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) neu geregelt wurde, können wir unsere Praxisabläufe viel effizienter gestalten.

Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel “AU per Telefon: Update zu Abrechnung und eGK”

Die von manchen Kollegen bereits erfolgreich eingeführte Lösung mit getrennten Wartezimmern kommt für Sie nicht infrage?

Matthias Sunnus: Unsere Praxis ist an eine große Notaufnahme angeschlossen, wodurch das Infektionsrisiko in unserem Wartebereich für alle Keime grundsätzlich erhöht ist. Daher ist es bei uns besonders wichtig, Patienten mit Corona-Verdacht von unserem Wartezimmer fernzuhalten.

Wie reagieren Sie, wenn ein Patient mit grippeähnlicher Symptomatik trotz aller Warnungen in Ihre Praxis kommt?

Matthias Sunnus: Wenn jemand direkt zur Anmeldung kommt und erklärt, dass er das Coronavirus haben könnte, wird er schnell abgefragt und schleunigst weggeschickt. Danach findet eine telefonische Beratung per Handy statt. Wenn der Patient mit dem Auto gekommen ist, können wir ihn bei Bedarf in seinem Auto – direkt bei uns auf dem Parkplatz – untersuchen. Wenn der Zustand des Patienten stabil ist und er stationär aufgenommen werden müsste, wird er gleich in die Notaufnahme weitergeleitet.

Werden Patienten bei Ihnen auf Covid-19 getestet?

Matthias Sunnus: Nein – und dies aus zwei Gründen. Erstens weisen die Schnelltests laut neusten Daten kein zufriedenstellendes Sicherheitsprofil auf. Zweitens haben unsere Labore nicht genug Kapazitäten, um alle Patienten mit grippeähnlichen Symptomen auf Covid-19 zu testen.

Mehr zur Sicherheit von Schnelltests finden Sie in unserem Artikel “Covid-19: Schnelltests liefern kein zuverlässiges Ergebnis”

Wie gut fühlen Sie sich auf eine Epidemie vorbereitet?

Matthias Sunnus: Hier in Wiesbaden sind wir eigentlich gut aufgestellt. Allerdings könnte es bei uns in der Praxis mit der Schutzausrüstung und Desinfektionsmitteln knapp werden.

Ihre Prognose: Wird sich das Coronavirus in Deutschland weiterhin rasant ausbreiten?

Matthias Sunnus: Ja, dieses Virus breitet sich mit Sicherheit weiter aus. Die Frage ist nur, ob wir es schaffen, den Prozess zu verlangsamen. Aber dass es sich in Deutschland durchsetzen wird, halte ich für ziemlich sicher.

Covid-19-Verdachtsfälle sicher behandeln – über einen digitalen Messenger-Dienst
Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt, in Zeiten hohen Ansteckungsrisikos auf telemedizinische Anwendungen zurückzugreifen. medflex, der medizinische Messenger von coliquio, ist eine Möglichkeit, um die Kommunikation und die Datenübertragung (z.B. Befunde und AU-Scheine) sicherer zu machen. Jetzt mehr erfahren >>

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