23. März 2020

Covid-19

Hamburger Start-up bietet PCR-Testung ohne persönlichen Kontakt an

Patienten mit Verdacht auf das Coronavirus SARS-CoV-2 weiterhin versorgen, ohne sich selbst, das Praxisteam und andere Patienten im Wartezimmer zu gefährden. Vor dieser Herausforderung stehen heute die meisten niedergelassenen Ärzte. Ein Hamburger Start-up bietet nun eine mögliche Lösung an.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Über die Plattform „meinRezept.online” können niedergelassene Ärzte aller Fachrichtungen einen SARS-CoV-2-Test für ihre Patienten beantragen. Worauf genau basiert die Testmethode?

Hanno Behrens: Der Abstrich wird mittels RT-PCR-Methode auf das Coronavirus SARS-CoV-2 geprüft.

Mit welchem Labor arbeiten Sie zusammen?

Hanno Behrens: Aktuell wird der Test vom Labor Dr. Heidrich & Kollegen durchgeführt. Wir möchten jedoch bald auch mit anderen Laboren dezentral in ganz Deutschland kooperieren, um flexibler auf die steigenden Anfragen zu reagieren. Aktuell werden bei uns aus ganz Deutschland über 1.000 täglich beantragt.

Wie genau funktioniert Ihr Service für Ärzte?

Hanno Behrens, Gründer und Geschäftsführer des E-Health-Projekts „MeinRezept.online“ mit Sitz in Hamburg
Hanno Behrens, Gründer und Geschäftsführer des E-Health-Projekts „MeinRezept.online“ mit Sitz in Hamburg

Hanno Behrens: Im ersten Schritt registrieren sich Ärzte über unsere Webseite. Danach bekommen sie einen Website-Button, den sie auf ihrer Praxiswebseite integrieren können. Über diesen Button kommen die Patienten zu einem Anamnesebogen, den sie bei Verdacht auf Covid-19 ausfüllen müssen. Nach der Auswertung dieses Anamnesebogens entscheiden dann die Ärzte, ob der Patient den Test benötigt oder nicht. Wenn ja, lösen die Ärzte den Laborversand der Selbstabstrich-Kits direkt über den online-Anamnesebogen aus. Dieser wird dann dem Patienten nach Hause geschickt. Der Patient führt den Abstrich selbst durch und schickt die Probe zurück an das Labor. Eine entsprechende Anleitung erhält er von uns elektronisch, zudem ist sie dem Abstrich-Kit beigelegt.  

Die Testergebnisse werden sowohl dem Arzt als auch dem Patienten per E-Mail zugeschickt. Über alle weiteren Schritte entscheidet dann der behandelnde Arzt.

Wie bei unseren Online-Rezepten und von uns organisierten Medikamentenlieferungen möchten wir es allen Ärzten ermöglichen, ihre Patienten mit Coronaverdacht ohne persönlichen Kontakt weiterhin versorgen zu können.

Wie genau gestalten sich die Kosten?

Hanno Behrens: Für alle Beteiligten ist der meinRezept.online-Service Pro Bono. Aktuell berechnet das Labor den Patienten nach GOÄ für den Test 153,58 Euro (s. Abb.). Wir sind gerade dabei, gemeinsam mit den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) eine abrechnungsfähige Lösung zu finden.

Wie lang müssen Patienten auf ihr Testergebnis warten?

Hanno Behrens: Im Idealfall drei Tage: 2 Tage Postweg hin und zurück plus 24 Stunden, die vom Labor für den Test benötigt werden. Es kann allerdings auch bis zu 5 Tage dauern, wenn das Wochenende dazwischen liegt oder unser Labor Engpässe bei den nötigen Reagenzien hat.

Wie stellen Sie sicher, dass ein Patient nach Instruktion einen zuverlässigen Abstrich durchführt?

Hanno Behrens: Laut den uns vorliegenden Daten gibt es mehr positiv Getestete unter Patienten mit Selbstabstrich als bei den Abstrichen, die in Arztpraxen durchgeführt wurden. Professor Christian Drosten von der Charité hält einen Selbstabstrich von koordinierten Patienten, die mit Blick in den Spiegel und unter Zuhilfenahme einer Taschenlampe einen Rachenabstrich hinter dem Gaumensegel machen, für unproblematisch.

Wie viele Arztpraxen nutzen Ihren Service bereits?

Hanno Behrens: Bis heute haben bereits über 500 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte in Anspruch genommen.

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