29. Oktober 2021

Controlling

So meistern Ärzte die Stolpersteine in der MVZ-Organisation

Medizinische Versorgungszentren (MVZ) sind Fremdkörper im vertragsärztlichen Abrechnungssystem. Denn das wurde für die selbstständige Ärzteschaft entwickelt. Wie „Ärztliche Leiter“ dieser Herausforderung am besten begegnen.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag wird vertreten von Stefanie Pranschke-Schade, Fachanwältin für Medizinrecht. Redaktion: Sebastian Schmidt

MVZ, ein modernes Erfolgsmodell mit Hürden

Gründer der Zentren sind laut KBV Statistik zum Stichtag 31.12.2019 meistens Krankenhäuser und Vertragsärzte. Am häufigsten finden sich Hausärzte, fachärztlich tätige Internisten, Chirurgen und Orthopäden im MVZ. Wie oft es sich um von Investoren geführten Krankenhäusern handelt, geht aus der Statistik nicht hervor. Neue Akteure sind Kommunen, die versuchen die Versorgung Ihrer Orte nach Praxisabgabe der ansässigen Behandelnden im MVZ sicherzustellen.

Dabei wächst der Anteil innerhalb der Versorgungslandschaft jährlich um ca. 10%. Ende 2019 gab es etwa 3.500 Medizinische Versorgungszentren, in denen knapp 22.000 Ärztinnen und Ärzte tätig waren. Sie arbeiten überwiegend in Teilzeit. Ein Problem: Denn das führt häufig zu Konflikten im Rahmen von Plausibilitätsprüfungen.

MVZ sorgen für Konflikte bei der Abrechnung

Der Einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM) bietet mit seinen Zeitvorgaben Angriffspunkte, derer sich die Beteiligten häufig nicht bewusst sind. Denn das tatsächliche Abrechnungsleben zwischen quartalsbezogenen Zeiten und Zeiten im Tagesprofil lassen Ungereimtheiten entstehen, die auf den ersten Blick wie Falschabrechnung aussehen. Das nutzt die Kassenärztlichen Vereinigung gerne als Aufgreifkriterium.

Eines ist allen MVZ dabei gemeinsam: Anders als die Abrechnung, die Vertragsärzte als Selbstständige selbst verantworten, ist das Controlling von angestellten Medizinerinnen und Medizinern ohne permanente Überwachung fehleranfällig.

Der „Ärztlich Leiter“ ist der Repräsentant des MVZ gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung und bestätigt in dieser Rolle mit seiner Unterschrift unter der Quartalsabrechnung deren Richtigkeit. Der damit einhergehenden, verantwortliche Rolle wird den Repräsentanten häufig erst dann bewusst, wenn es zur Einleitung z.B. eines Plausibilitätsverfahrens kommt.

Technische Anwendungen können unterstützen

Mittlerweile gibt es webbasierte Hilfsmittel, die, rechtzeitig eingesetzt, zumindest eine Warnfunktion auslösen können. Diese Anwendungen können allerdings dazu führen, dass sich die einzelnen Beteiligten bei der Abrechnung zu sicher fühlen. Das kann zu Abrechnungsversäumnissen führen, die im Rahmen einer Stichprobenprüfung zu Tage treten.

Erfolgreiches Controlling – eine Frage der Organisation

Das A und O der richtigen Abrechnung liegt jedoch in der klaren Aufgabenverteilung an alle Mitarbeitenden, ganz gleich ob Ärztinnen und Ärzte, Medizinisch-technische Assistenten (MTA) und an alle anderen, die die manuelle Eintragung der Abrechnungsziffer und die Dokumentation des Behandlungsfalls vornehmen oder überprüfen.

Top 4 der häufigsten Stolpersteine beim Controlling im MVZ

  1. Abrechnung und Dokumentation – welches Controlling ist unverzichtbar?
  2. Zeitplausibilität bei vollen/halben/viertel Zulassungen
  3. Darstellungen der Verantwortlichkeiten der Beteiligten
  4. Besonderheiten im Arbeitsvertrag – Haftungsfreistellung, Pflichtaufgaben

Nach unserer Erfahrung ist die vorsorgliche Klärung der Aufgaben, auch in den Arbeitsverträgen, dazu geeignet ein transparentes Konzept zur Vermeidung von Abrechnungsfehlern zu erstellen. Das dient im Zweifel auch der Vermeidung von weiteren vertragsärztlichen Verfahren. Denn ein einfacher Hinweis auf das jeweilige EDV-System allein, ist nach unserer Erfahrung nicht ausreichend.

Online-Seminar: MVZ: Controlling und die Stolpersteine

Die Rechtsanwaltskanzlei „Broglie, Schade & Partner GbR” veranstaltet am 3. November 2021 von 18 bis 19.30 Uhr ein Online-Seminar für MVZ-Ärzte oder solche, die es werden wollen, Ärztliche Leiter und MVZ-Unternehmer. Das Online-Seminar soll einen Eindruck geben, was bei den Verhandlungen und bei der Vertragsgestaltung mit Investoren beachtet werden sollte.

Die Experten gehen im Seminar im Detail auf die Kontrolle der Abrechnung und der Dokumentation, die Zeitplausibilität, vor allem bei viertel und halben Versorgungsaufträgen, die Verantwortlichkeit des angestellten Arztes, des Ärztlichen Leiters und des MVZ-Unternehmers und die arbeitsvertraglichen Fallen.

Bildquelle: © Getty Images / skynesher

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