22. Dezember 2021

Das Geschäft mit der Schönheit: Wer darf Botox spritzen – und wer nicht?

Der Markt für käufliche Schönheit boomt. Insbesondere die Faltenunterspritzung ist gefragt und längst salonfähig. Anbieter werben mit schnellen und schmerzfreien Behandlungen und natürlichen Ergebnissen. Doch wer darf eigentlich tatsächlich die Falten wegspritzen?

Lesedauer: 2 Minuten

Autorin: Nadine Ettling, Fachanwältin für Medizinrecht bei der Kanzlei Lyck+Pätzold. healthcare.recht. Redaktion: Sebastian Schmidt. 

Wer wendet Botox und Co. an?

Auf dem Schönheitsmarkt finden sich zahlreiche Berufsgruppen, die mit verschiedenen Methoden Falten verschwinden lassen wollen. Doch nicht jeder darf mit jedem Mittel behandeln. Das Gesetz gibt strenge Vorgaben, welche Berufsgruppen welche Faltenunterspritzungen vornehmen dürfen.

Medizinerinnen und Mediziner dürfen unabhängig von ihrer Fachrichtung grundsätzlich jeden dermalen Filler verschreiben und unterspritzen. Dies gilt – bespielsweise – für hausärztlich Tätige genauso wie für Gastroenterologinnen oder Fachärzte für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie.

Botox und Filler

  • Botox (wissenschaflicher Name „clostridium botulinum neurotoxin“) legt bestimmte Nervenimpulse lahm und führt zu einem Stillstand von einzelnen Gesichtsmuskeln, indem der dafür notwendige Botenstoff blockiert wird. Als Folge der Muskelentspannung glätten sich die Falten und die Mimik verändert sich. Das Arzneimittel ist in Deutschland als verschreibungspflichtiges Medikament gelistet.
  • Neben der Faltenunterspritzung mit Botox gibt es zahlreiche bislang nicht verschreibungspflichtige Filler, beispielsweise Hyaluronsäure oder Eigenfett, die ebenso Falten ausgleichen sollen und entweder gar nicht oder jedenfalls im oberflächlichen Anwendungsbereich nicht verschreibungspflichtig sind.

Zahnheilkundegesetz beschränkt Möglichkeiten für die Fachgruppe

Zahnärztinnen und Zahnärzte zählen nicht zu der Berufsgruppe der Ärzte und dürfen – vergleichbar zur aktuellen Diskussion um die Impferlaubnis – grundsätzlich keine Botox-Unterspritzungen vornehmen. Weder die zahnmedizinische Approbation noch das Vorhandensein entsprechender fachlicher Kompetenzen berechtigen Zahnärztinnen und Zahnärzte nach der derzeitigen Rechtsprechung dazu, Faltenunterspritzungen im Hals- und Gesichtsbereich außerhalb des Lippenrots vorzunehmen. Nach dem Zahnheilkundegesetz sind sie nur berechtigt, Mund, Kiefer und Zähne zu behandeln. Botoxbehandlungen und sonstige Unterspritzungen außerhalb dieses Bereiches sind mithin unzulässig. Zahnärztinnen und Zahnärzte, die ohne ärztliche Zulassung oder Heilpraktikererlaubnis Faltenunterspritzungen vornehmen, kann die Approbation entzogen werden.

Umstrittene Rechtslage in Heilpraktik und Kosmetik

Umstritten ist, ob Heilpraktiker gem. § 1 Heilpraktikergesetz (HeilpG) Faltenunterspritzungen mit Botox vornehmen dürfen. Denn für § 1 Abs. 2 HeilpG liegt die Ausübung von Heilkunde nur vor, bei der Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden. Ob eine Einstufung von Maßnahmen der ästhetischen Schönheitsbehandlung wie Faltenkorrekturen am gesunden Menschen im Einzelfall als Heilbehandlung möglich ist, bedarf der sorgfältigen rechtlichen Prüfung. Die Unterspritzung mit Hyaluronsäure hat das OVG Münster (Urteil vom 18.4.2013 – 13 A 1210/11) als unter § 1 Abs.2 HeilpG fallend seinerzeit jedenfalls noch für zulässig erachtet. Eindeutig und unumstritten ist aber jedenfalls, dass Heilpraktiker das verschreibungspflichtige Botox jedenfalls nicht selbst verordnen oder zur Anwendung beschaffen dürfen.

Die Faltenunterspritzung mit Botox, Hyaluron oder vergleichbaren Substanzen durch die Kosmetikerin oder den Kosmetiker hat das OLG Karlsruhe (Urteil vom 17.02.2012 – 4 U 197/1) klarstellend verboten. Solche Behandlungen sind eine erlaubnispflichtige Ausübung der Heilkunde und stellen bei einem Verstoß eine strafbare Körperverletzung dar.

Welche Folgen hat ein Verstoß?

Neben den möglichen Schadensersatzforderungen, die eine unbefugte Durchführung von medizinischen Eingriffen nach sich ziehen können, droht immer auch eine strafrechtliche Verfolgung und – für Zahnärztinnen und Zahnärzte – berufsrechtliche Konsequenzen bis hin zum Verlust der Approbation.

Da die Regularien hierzu stark im Wandel begriffen sind, sollte der Entschluss, die hier beschriebenen Eingriffe durchzuführen, im Vorfeld gut durchdacht und bestenfalls rechtlich abgesichert sein.

Wer darf was? – Eine Zusammenfassung

  • Ärzte: Approbierte Medizinerinnen und Mediziner dürfen unabhängig von ihrer Fachrichtung jeden dermalen Filler verschreiben und unterspritzen.
  • Zahnärzte: Botox darf nur in den Grenzen des Lippenrots angewendet werden, Faltenunterspritzungen sind generell unzulässig.
  • Heilpraktiker: Botox als verschreibungspflichtiges Medikament kann nicht verordnet werden, die Unterspritzung an sich (mit Botox und anderen Fillern) ist zwar umstritten, aber wohl derzeit noch weitgehend zulässig.
  • Kosmetiker: Invasive Eingriffe überschreiten regelmäßig die Grenze zur Heilbehandlung, und sind nicht zulässig.

  • Nadine Ettling ist Fachanwältin für Medizinrecht bei der Anwaltskanzlei Lyck+Pätzold. healthcare.recht. Die Kanzlei hat sich ausschließlich auf die Beratung medizinischer Leistungserbringer und Industrieunternehmen aus der Gesundheitsbranche spezialisiert.

Bildquelle: © Getty Images / Rick Gomez

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