15. August 2019

Arztkleidung: Das beste Outfit aus Patientensicht

Ärzte und Ärztinnen können mit der richtigen Kleiderwahl die Zufriedenheit ihrer Patienten beeinflussen. Dies legt zumindest eine Studie des Universitätsspitals Zürich nahe. Erfahren Sie hier, welche Variante am besten bei Patienten ankommt.1,2

Lesedauer: 3,5 Minuten

Redaktion: Dr. Nina Mörsch

In der im Fachblatt BMJ Open veröffentlichten Studie untersuchte ein Forscherteam am Universitätsspital Zürich (USZ), welche Kleidung Patienten bei Klinikärzten bevorzugen. Ziel der Studie war es aber nicht, zu erfahren, was optisch gefällt. Patienten reagieren – meistens unbewusst – auf das Erscheinungsbild von Ärzten, heißt es in einer Pressemitteilung der Klinik, und weiter: Trete ein Arzt sehr formell auf, traue sich ein Patient möglicherweise nicht, Probleme von sich aus anzusprechen, bei einem legeren Outfit würden Anweisungen zur Medikamenteneinnahme weniger strikt befolgt.

„Die Kleidung hat also letztlich auch Einfluss auf den Behandlungserfolg. Wir haben in der Studie deshalb untersucht, welche Kleidung bei Ärzten im Spital bei Patienten Vertrauen erweckt, bei welcher Bekleidung sie Arzt und Ärztin als zugänglich und fürsorglich erleben, und ob sie auch die Fachkompetenz an einem bestimmten Outfit festmachen”, erklärt Prof. Dr. Hugo Sax, Leiter der Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich die Studie.1

Studie: Befragung von über 800 Patienten
Für ihre Untersuchung wurden Patienten der Ambulanzen für Dermatologie, Neurologie und Infektionskrankheiten am Universitätsspital Zürich über einen standardisierten, anonymen Fragebogen mit Bildern einer Ärztin und eines Arztes in verschiedenen Kleidungskombinationen befragt. 834 Patientinnen und Patienten gaben Auskunft.

Arztkittel = Vertrauen, Fachkompetenz, Fürsörglichkeit

Mehr als ein Drittel der Teilnehmenden gab an, dass das Erscheinungsbild ihres Arztes und ihrer Ärztin wichtig für sie ist. Dies traf insbesondere auf ältere Patienten ab 65 Jahre zu. Ein Viertel war der Meinung, dass die Kleidung auch ihre Zufriedenheit mit der Versorgung beeinflusse. Im Vergleich der verschiedenen Erscheinungsbilder ist die Kombination aus einem weißen Oberteil und traditionellem Ärztekittel die bevorzugte Variante, zumindest für Ärzte in der Notaufnahme, im Krankenhaus und in der Chirurgie. Sie schnitt zudem insgesamt über alle Kategorien “Vertrauen”, “Zugänglichkeit”, “Fürsorglichkeit” und “Fachkompetenz” am besten ab. Hingegen lehnten viele der Befragten einen Kasack für Hausärzte ab.

Der weiße Ärztekittel ist dabei nicht nur eine Tradition oder ein Statussymbol“, ist Hugo Sax überzeugt. „Weil im Spital Personen mit verschiedenen medizinischen Berufen auftreten, hilft die Bekleidung dort, deren Funktionen zu erkennen und zu unterscheiden.”

Kleidung gezielt an das Umfeld anpassen

„Wir konnten zeigen, dass das Erscheinungsbild von Ärztinnen und Ärzten von den Patienten – teils bewusst, teils unbewusst – durchaus wahrgenommen wird,” fasst Sax das Studienergebnis zusammen. „Weil es sogar Auswirkungen auf den Erfolg der Behandlung haben kann, lohnt es sich, die Kleidung gezielt an das Umfeld und die damit verbundenen Erwartungen der Patientinnen und Patienten anzupassen. Dieser Aspekt wurde bisher bei der Kleiderwahl wenig beachtet. Und wir haben gesehen, dass wir mit der am USZ üblichen Bekleidung richtig liegen.”

Die Studie am USZ erhärtet die Resultate von 30 vergleichbaren Studien, die das Forscherteam um Hugo Sax zusätzlich zu der Umfrage systematisch auswertete. Auch dort zeigte sich aus den Befragungen, dass die Kleidung grossen Einfluss auf die Beziehung von Arzt und Patient hat.

Weiß oder farbig – aus hygienischer Sicht unerheblich

Welche Kleidung für Ärztinnen und Ärzte als angemessen gilt, ist jedoch nach Umfeld und Ländern verschieden. In den USA wird eher formelle Kleidung getragen. Dort ziehen Männer häufig Hemd und Krawatte unter den Kittel an, während die Pflegenden in simplen, farbigen Oberteilen (“Scrubs”) arbeiten. In der Schweiz trägt medizinisches Personal in den Krankenhäusern außerhalb des Operationsbereichs traditionell weiß.

In Hausarztpraxen wird zunehmend Farbiges getragen, und wenn weiß, dann eher ein T-Shirt; der Ärztekittel ist dort inzwischen fast eine Seltenheit. Ob sich dieser Trend zu informellerer Kleidung ähnlich positiv auswirkt wie die weiße Kleidung in der Klinik, wurde bisher aber nur vermutet und nicht untersucht.

Aus hygienischer Sicht gäbe es hingegen keine Einwände gegen farbige Kleidung. „Auf weiß sieht man zwar Verunreinigungen besser, im Operationsbereich wird meistens grün getragen, weil die Farbe nicht blendet. Wichtiger als die Farbe sind jedoch der regelmäßige Kleiderwechsel und Hygienemaßnahmen wie die Händedesinfektion.”

Arztkittel – Ja oder Nein? Auch hier im Forum wurde das Thema “Arztkittel” angesichts der Schweizer Studie vom Nutzer dudeldoc erneut zur Diskussion gestellt. Hier können Sie den Meinungsaustausch mitverfolgen.

1. Zollinger M., Houchens N., Chopra V. et al. Understanding patient preference for physician attire in ambulatory clinics: a cross sectional observational study. BMJ open, Mai 2019. 

2. UniversitätsSpital Zürich, 30.07.2019: Götter in Weiss oder im bunten T-Shirt?

Bild: © Getty Images/geogif

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.

coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653