17. April 2019

Als Arzt nach Deutschland

Die wichtigsten Schritte im Überblick

Wer als ausländischer Arzt in Deutschland arbeiten möchte, braucht außer soliden Sprachkenntnissen auch viel Geduld mit der Bürokratie. Unser Beitrag bietet einen Überblick.

Lesedauer: 3 Minuten

Dieser Artikel beruht auf der Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO 2002). Redaktion: Laura Cabrera

Antrag auf Approbation

Die Approbation ist die umfassende und zeitlich nicht begrenzte Erlaubnis, den Arztberuf in Deutschland auszuüben. Sie wird erteilt, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Hochschulabschluss des Herkunftslandes ist gleichwertig dem Deutschen. Dabei gilt ein Abschluss in Medizin von einer Universität in der EU, Island, Norwegen und der Schweiz als gleichwertig zum deutschen Medizinabschluss.
  • Keine Vorstrafen
  • Deutsch auf Niveau B2 im Alltag und C1 in der medizinischen Fachsprache (mindestens!)
  • Gesundheitliche Eignung für den Arztberuf

Schritt 1: Bundesland aussuchen

Da für jedes Bundesland etwas andere Kriterien gelten, muss man zunächst ein Bundesland aussuchen, in dem die Approbation beantragt werden soll. Am besten dasjenige, in dem man auch später arbeiten möchte. Eine Liste der deutschen Approbationsbehörden finden Sie auf der Seite des Marburger Bundes.

Schritt 2: Unterlagen zur Anerkennung einreichen

Beim zuständigen Landesprüfungsamt (LPA) reicht man dann die Unterlagen zur Anerkennung ein. Welche das sind, verrät die Website der Behörde. Eventuell fordert das Amt noch weitere Dokumente an. Mindestens werden aber immer verlangt:

  • Zeugnis über den Studienabschluss
  • Auszug aus dem Strafregister
  • Bescheinigung eines Arztes zur gesundheitlichen Eignung für den Arztberuf
  • Zeugnis Deutschkenntnisse Allgemein
  • Zeugnis Deutschkenntnisse Fachsprache

Schritt 3: Sprachprüfung bestehen

Die Ämter verlangen offizielle Sprachprüfungen. Wie hoch das verlangte Niveau für Alltags- und Fachsprache jeweils sein muss und wo man die Prüfungen ablegen kann, erfährt man bei der Behörde, bzw. auf der Übersicht vom Marburger Bund. Spezielle Sprachkurse gibt es zB. im mibeg-Institut für Medizin.

Schritt 4: Kenntnisprüfung bestehen

Falls das Studium nicht anerkannt wird, müssen Ärzte eine Fachkenntnisprüfung ablegen. Diese ist praktisch und beinhaltet einen Patientenfall. Falls im Medizinstudium im Herkunftsland gewisse Themen oder Fächer nicht behandelt wurden, die an deutschen Universitäten zum Curriculum gehören, werden diese in der Prüfung erfragt. Daher sollte man sich auch theoretisch auf diese Prüfung vorbereiten. Entsprechende Kurse werden an diversen Instituten angeboten. Empfehlungen gibt es auf der FAQ-Seite des Marburger Bundes unter Punkt 17, darunter besonders das mibeg-Institut Medizin.

Fächer, die Teil der Prüfung sind und meist in Vorbereitungskursen unterrichtet werden, sind:

  • Innere Medizin
  • Chirurgie
  • Notfallmedizin
  • Bildgebung und Strahlenschutz
  • Pharmakologie
  • Medizinrecht
Auf jeden Fall sollte man sich auf dasjenige Fach, in dem die Behörde ein Defizit festgestellt hat, besonders gut vorbereiten.

Wenn die Prüfung bestanden ist, erhält man die Approbation und gilt als anerkannter Arzt.

  • Für viele Ärzte ist es sinnvoll, eine Zeit lang als Gastarzt in einer deutschen Klinik zu arbeiten. Dabei kann man sich praktisch auf die Kenntnisprüfung vorbereiten und gleichzeitig auch die Sprachkenntnisse verbessern. Die Bewerbung erfolgt direkt an das Krankenhaus der Wahl. Viele Kliniken haben für die Bewerbung von Gastärzten eine eigene Info-Page eingerichtet.

    Berufserlaubnis beantragen: Nach der Stellenzusage, muss eine Berufserlaubnis beantragt werden. Diese ist zeitlich und örtlich begrenzt und befähigt zur Behandlung von Patienten unter der Aufsicht eines approbierten Arztes. Ausreichende Deutschkenntnisse sind dafür unverzichtbar. Die Antragsstellung läuft ähnlich wie der Antrag auf Approbation. Die nötigen Formulare und Anforderungen findet man auf der Website des zuständigen Landesprüfungsamtes.

    Sowohl für die Bewerbung in Kliniken als auch für den Antrag auf Berufserlaubnis kann man sich an den Dokumenten orientieren, die man auch für die Approbation einreichen muss. Diese Sammlung an Nachweisen wird in der Regel immer verlangt.

Schritt 5: Die Aufenthaltserlaubnis

Um sich als Bürger eines Drittstaates in Deutschland aufhalten zu dürfen, benötigt man einen Aufenthaltstitel. Dieser ist gekoppelt an den Beruf. Wer also eine Stelle als Gastarzt gefunden hat, kann eine zeitlich begrenzte Aufenthaltsgenehmigung erhalten.

Wer die Approbation erhalten hat, kann die Blaue Karte EU beantragen. Diese wird für Fachkräfte ausgestellt, die in Deutschland Mangelware sind. Zu dieser Gruppe gehören auch Ärzte. Die Blaue Karte gilt für vier Jahre. Hierfür muss man u.a. mindestens 41.808 Euro im Jahr verdienen, was 3.216 Euro monatlich entspricht (bei 13 Monatsgehältern). Die Blaue Karte EU erleichtert den Erhalt einer dauerhaften Niederlassungsbewilligung.

Alle Informationen rund um die Aufenthaltserlaubnis und die Blaue Karte EU finden Sie auf der Website des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

  1. Marburger Bund: FAQs-Ausländische Ärzte
  2. www.anerkennung-in-deutschland.de: Beratungs-Tool
  3. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Aufenthalt in Deutschland
  4. Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO 2002): www.gesetze-im-internet.de

Titelbild: © istock.com/AndreyPopov

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