17. Mai 2021

Das sollten Ärzte bei Praxisabgabe an Investoren beachten

Wie kann ein Arzt seine Praxis vorbereiten, um eine reibungslose Übergabe zu gestalten? Was gilt es bei Rechtsform und Praxisstruktur vor seinem Ausscheiden zu beachten? Fragen, die sich jeder Praxisabgeber stellen sollte.

Lesedauer: 4 Minuten

Redaktion: Sebastian Schmidt

Die Praxisabgabe von Arzt zu Arzt wird immer seltener. Deshalb gilt es, auch andere Möglichkeiten zu bedenken, um das Fortbestehen der Praxis sicherzustellen. Hierfür müssen Praxisabgeber mit Herausforderungen umgehen, die sich von Fachrichtung zu Fachrichtung deutlich unterscheiden können.

Auch bei der Abgabe gilt – reden, reden, reden

Bei Facharztpraxen, die in der Regel als Berufsausübungsgemeinschaft organisiert sind, geht es letztlich um die Abgabe eines Gesellschaftsanteils. D.h. eine gute Kommunikation mit den Kollegen ist besonders wichtig. Denn es kommt nun nicht mehr allein auf den Praxisabgeber an. Entscheidend für eine gute Lösung sind dann Haltung und Zukunftsvision der verbleibenden Partner.

Zwei Beispiele: Denkbar ist, dass die bisherigen Partner lieber mit einem angestellten Arzt arbeiten möchten. Zudem kann es bei einer Gemeinschaft mit älteren Kollegen sein, dass auch diese in absehbarem zeitlichem Abstand auszuscheiden beabsichtigen. Darüber sollten sich die Kollegen unterhalten, um eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Gute Verhandlungsposition für Praxisabgeber

Die Erfahrung zeigt: Der erstausscheidende Partner ist in einer guten Position, sowohl was die Nachfolgersuche angeht als auch bei der Erzielung des Preises. Das liegt daran, dass der Gesellschaftszweck durch den Wechsel der Partner verändert wird. Hinzu kommt: Vorübergehend wird die Arztgemeinschaft auch einen Gewinnrückgang verzeichnen. Bei der Planung der Praxisabgabe sollten die verbleibenden Partner diese Punkte bedenken.

Trend gilt auch für Hausarztpraxen

Das Thema Praxisabgabe an Investoren ist nicht nur für Fachärzte relevant. Auch Hausarztpraxen werden zunehmend von größeren Anbietern aufgekauft. Dies liegt vor allem daran, dass immer mehr Ärzte die Anstellung der freiberuflichen Tätigkeit vorziehen. Tatsächlich arbeiten mittlerweile 30% Prozent aller im ambulanten Bereich tätigen Ärzte in Deutschland als Angestellte.

MVZ-Gründung im Vorfeld einer Praxisabgabe

Für manchen Arzt stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoll ist, bereits im Vorfeld der Praxisabgabe ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) in der Rechtsform einer GmbH zu gründen. Das Ziel: Krankenhäuser, Investoren oder Ärzte, die in den Standort investieren wollen, soll so die rechtliche Zulassung erleichtert werden.

Dieses Vorgehen scheint auf den ersten Blick eine gute Lösung zu sein. Jedoch gilt es auch bei dieser Lösung Vor- und auch Nachteile abzuwägen. Hierzu gehören zulassungsrechtliche Besonderheiten – z.B. bleibt die Zulassung im MVZ – wie auch steuer-, zivil- sowie arbeitsrechtliche Fragen:

  • Ist es sinnvoll eine GmbH zu gründen?
  • Lassen die Gesellschafter sich anstellen?
  • Welche steuerlichen Folgen hat der Rechtsform-Wechsel hin zur GmbH?

Praxisabgabe unter Aufgabe des alten Praxisstandortes

Es kommt häufig vor, dass ein Krankenhaus, der Betreiber eines MVZ oder eine größere Berufsausübungsgemeinschaft bereit sind einen Vertragsarztsitz aufzukaufen, der allerdings an einen anderen Standort verlegt werden soll.

Mit dieser Maßnahme werden erhebliche Vorteile für den übernehmenden Verhandlungspartner generiert. Teilweise können so die Kosten des zusätzlichen Standortes eingespart werden. Das Leistungsspektrum wird erweitert. Flexibilität und Steigerung bei den Angeboten von Sprechstunden spielen in den Überlegungen ebenfalls oftmals eine Rolle.

Auch diesen Punkt gilt es für den Praxisabgeber mit Blick auf Verhandlungsposition und Patientenversorgung zu bedenken.

Die Abgabe rechtzeitig planen

Wegen der vielen Möglichkeiten wie auch wegen der vielen Fallstricke bei der Praxisabgabe gilt es den Übergabeprozess frühzeitig zu planen. Dabei spielt die Beratung im Vorfeld eine immer größere Rolle.

Wer beispielsweise noch als Angestellter in der ehemals eigenen Praxis tätig sein will und wer sicher gehen möchte, auch die steuerlichen Haltefristen bei der Umwandlung ausreichend berücksichtigt zu haben, der sollte bereits bis zu 5 Jahre vor der Praxisabgabe die Weichen stellen.

Online-Seminar "Praxisabgabe / Verkauf an ein Krankenhaus / Investor / Steuer-Spezial"

Die Rechtsanwaltskanzlei “Broglie, Schade & Partner GbR” veranstaltet am 19. Mai 2021 von 18 bis 19.30 Uhr ein Online-Seminar für niedergelassene Ärzte. Das Online-Seminar soll einen Eindruck geben, was bei den Verhandlungen und bei der Vertragsgestaltung beachtet werden sollte.

Die Experten gehen im Seminar im Detail auf Möglichkeiten der Übertragung der Zulassung, steuerrechtliche Fallstricke, den Praxisübergabevertrag und den Arbeitsvertrag im MVZ ein. Weitere Informationen und Anmeldung>>

Titelbild: © Getty Images / Cecilie_Arcurs

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