29. November 2019

coliquio-Diskussion

Ärzte im (Un)ruhestand

Viele coliquio-Ärzte gehen auch im Rentenalter noch ihrer Tätigkeit nach, andere sind dagegen froh, ihren Ruhestand genießen zu können. Erfahren Sie mehr über die Beweggründe Ihrer Kollegen.

Lesedauer: 3 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf der Forumsdiskussion „Arzt im Ruhestand: Arbeiten Sie trotzdem weiter?“, die Christoph Renninger für Sie zusammengefasst hat.1

Selbstwert und Wertschätzung

Der Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC) führte im Jahr 2018 eine Umfrage zum Thema „Arbeiten im Ruhestand” unter 1420 Ärzten durch. Der häufigste Grund für eine fortbestehende Tätigkeit im Rentenalter ist demnach die Erhaltung des Selbstwertes (77,13%) und die Möglichkeit, weiterhin Wertschätzung zu erfahren (74,36%).2

Weitere Gründe sind das Gefühl, gebraucht zu werden (72,21%) und die Angst, nichts mehr zu tun zu haben (59,25%). Finanzielle Anreize oder die Sorge vor Altersarmut spielen kaum eine Rolle.

Die Stärken der „Silver Worker” liegen, nach Ansicht jüngerer Generationen, in ihrem hohem Erfahrungswissen, der selbstständigen Arbeitsweise und dem hohen Qualitätsbewusstsein. Senioren sind häufig in Teilzeit oder über Minijobs tätig. Bei den über 65-Jährigen liegt die durchschnittliche Arbeitszeit bei 16 Stunden in der Woche.2

coliquio-Ärzte auch im höheren Alter noch aktiv

Der Allgemeinmediziner seplnerhe hat zwar seit 13 Jahren die Tätigkeit in seiner Kassenpraxis beendet, ist aber aus Freude an der Sache weiter medizinisch tätig. Zunächst noch für die Beurteilung von Piloten, Kraftfahrern und Tauchern zuständig, ist er weiterhin sachverständiger Arzt.

Auch dobersberger ist seit 5 Jahren in Pension, arbeitet aber weiter als Wahlarzt, Arbeitsmediziner und Gutachter. Er genießt es, nach seiner Tätigkeit als Kassenarzt seinen Traumberuf ohne die „Fesseln der Kassenmedizin” weiter ausüben zu können. Die Zeit, die er nun für die Patienten und sich selbst habe, sei im Vergleich zu früher unbeschreiblich.

Nach seiner Praxisabgabe 2013 nimmt petfuell weiterhin als Poolarzt am Bereitschaftsdienst teil. Durch die Einnahmen gönnt er sich nun schöne Reisen und ist dort auch für NGOs wie die German Doctos aktiv. Für ihn ist nun die Allgemeinmedizin als „Hobby” fast schöner als davor im Berufsleben.

Die ehemalige Krankenhausärztin dorsch übernimmt trotz Rente noch Bereitschaftsdienste, um im Fach zu bleiben, den Kontakt zu Kollegen zu erhalten und sich etwas dazu zu verdienen. Ansonsten nutzt sie die Zeit für verschiedene Aktivitäten und genießt es vor allem, morgens nicht mehr so früh aufstehen zu müssen.

7 Jahre nach Rentenbeginn ist Dr. William Lechner noch voll aktiv. Würmer im Garten zu suchen, das Haus 3 Mal im Jahr zu streichen oder nur aus dem Koffer zu leben, war einfach keine Perspektive für die Rente. Arzt zu sein ist seiner Meinung nach eine Berufung auf Lebenszeit.

Ein Leben außerhalb der Medizin?

Da seine Rente niedrig ist, müsste auch mictrau aus wirtschaftlicher Sicht auch mit 73 Jahren noch arbeiten. Probleme mit den Krankenkassen und Regressforderungen auch Jahre nach Abgabe der Praxis, haben ihm jedoch die Lust an einer Tätigkeit als Kassenarzt verdorben.

Ähnliche Erfahrungen musste Dr. Dieter Dehne machen. Mangels eines Nachfolgers hat er seine Praxis für Innere Medizin mit 67 Jahren geschlossen. Er erteilt seinen Kollegen den Rat, dass es auch ein Leben außerhalb der Medizin gibt.

Der frühere Hausarzt boogie2 vermisst seine Kassenpatienten nicht. Er findet, dass es auch andere erfüllende Tätigkeiten gibt. Ohnehin habe er sich nie allein über den Beruf definiert.

Dr. Bernd Schubel war bis zum Alter von 66 Jahren Chefarzt in der Herzchirurgie. Ihm fiel das Arbeitsende schwer. Nach Tätigkeiten für den MDK und im Jemen hat er inzwischen einen Schlussstrich gezogen und verfolgt die Entwicklung der Medizin mit Abstand. Er betont: „Niemand ist unersetzbar!“

Nahender Ruhestand: Pläne für die Zukunft?

Seine Zukunft plant der Psychiater Prof. Dr. Dr. Martin Peveling bereits jetzt mit Mitte 50. Er versorgt seine Patienten nach Abgabe eines halben Kassensitzes und hat nun deutlich mehr Zeit für die Erholung. So kann er sich vorstellen auch in 10, 15 oder 20 Jahren noch mit Patienten zu arbeiten.

Die Anästhesistin Dr. Livia Sinu kann sich kaum vorstellen, ihr ärztliches Tun von einem Tag auf den anderen einzustellen. Es sei keine Frage des Geldes, sondern die Tatsache, dass ihre Profession ein Großteil ihres Lebensinhaltes ist.

Einen ganz besonderen Plan für den nahenden Ruhestand im kommenden Jahr hat der 70-jährige longdistance. Es wird ihm eine Genugtuung sein, alles in den Container zu werfen und die Zeit zu haben, sich auf seinen 10. Ironman vorzubereiten.

  1. coliquio-Diskussion „Arzt im Ruhestand: Arbeiten Sie trotzdem weiter?“, 23.10.2019
  2. Geiger M & Krones CJ. Umfrage Silver Worker 2018: Generation „Active Retirement“. Berufsverband Deutscher Chirurgen, 6.10.2019

Bildquelle: © Getty Images/FG Trade

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