31. Dezember 2021

Ärzte-Finanzcheck nach dem ersten Corona-Jahr

Wo liegt Ihre Fachrichtung im Vergleich?

Neben der Corona-Pandemie hatten sich im vergangenen Jahr auch die EBM-Änderungen deutlich auf die ärztlichen Honorare ausgewirkt. Lesen Sie hier, welche Fachrichtungen sich über einen Gewinnzuwachs freuen konnten und wie Ihre Fachgruppe im Gewinnranking abschneidet.

Lesedauer: 3 Minuten

Quelle: Die Daten stammen aus dem Heilberufeinformationssystem ATLAS MEDICUS® des Unternehmens REBMANN RESEARCH, das sich auf die Erhebungen wirtschaftlicher Daten in allen Gesundheitssektoren spezialisiert hat. Autorin: Andrea Kern-Schnur. Redaktion: Marina Urbanietz

Verluste und Gewinne im zweistelligen Prozentbereich

Das Jahr 2020 ist uns vor allem durch die Coronapandemie und Lockdowns im Bewusstsein. Deren honorarseitige Auswirkungen zeigten sich bei der vertragsärztlichen Versorgung erst in der zweiten Jahreshälfte. Der Rettungsschirm zeigte Wirkung und fing zu große Umsatzrückgänge ab. Anders war es bei den Privatliquidationen, die sofort in den Praxen fehlten. Die Hygienepauschale konnte nur einen Teil der Honorarausfälle abmildern.

Zu der Coronapandemie wirkten noch zwei weitere gesetzliche Änderungen auf das Praxishonorar. Bis zum 10. Mai 2020 wurden die Fälle, die im Rahmen des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) über die Terminservicestellen vermittelt und extrabudgetär vergütet wurden, bereinigt.

Hinzu kommt eine Änderung des EBM seit 1. April 2020. Hier wurden insbesondere die Gesprächsleistungen aufgewertet und technische Leistungen teilweise deutlich abgewertet. Somit haben die Honorarsteigerungen bzw. -verluste je nach Praxis und Fachgruppe unterschiedliche Ursachen.

Weiterhin Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland

Obwohl sich einige Fachgruppen stark angenähert haben (Allgemeinmedizin/Pädiatrie), zeigen sich bei den meisten Fachgruppen weiterhin Honorarunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland.

Die Spitzenposition haben die Ärztinnen und Ärzte der Radiologie mit einem Gewinn von 384.000 Euro in West- und 293.000 Euro in Ostdeutschland erobert. Sie mussten nur einen geringfügigen Gewinnrückgang von 0,9 % (West) bzw. 1,2 % (Ost) hinnehmen.

In den westdeutschen Bundesländern folgen auf den Rängen 2 bis 5:

  • Augenheilkunde mit 310.000 Euro (-2,0 %)
  • Dermatologie mit 295.000 Euro (+6,6 %)
  • Nuklearmedizin mit 278.000 Euro (+2,7 %)
  • Urologie mit 260.000 Euro (+4,9 %)

In den ostdeutschen Bundesländern:

  • Nephrologie mit 280.000 Euro (-28,5 %)
  • Augenheilkunde mit 256.000 Euro (-0,6 %)
  • Nuklearmedizin mit 244.000 Euro (+3,8 %)
  • Pneumologie mit 224.000 Euro (-7,1 %)

Im Mittelfeld weisen Ärztinnen und Ärzte der Allgemeinmedizin und Pädiatrie in den ostdeutschen Bundesländern höhere Gewinn aus als ihre Kolleginnen und Kollegen aus Westdeutschland.

Interaktives Ranking: Wo liegt Ihre Fachrichtung im Vergleich?

Zuwächse bei Psychotherapeuten

Noch auf den hinteren Rängen, aber mit deutlichem Gewinnzuwachs von rund 11,8 %, bzw. 13,2 % im Osten und 4,3 % bzw. 7 % im Westen befinden sich die ärztlichen und nichtärztlichen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.

Hohe Verluste bei Hausärzten

Besonders hohe Verluste mussten die in der hausärztlichen Versorgung tätigen Ärztinnen und Ärzte mit 16,3 % (West) und 17,8 % im Osten hinnehmen. Ebenso die internistischen Kolleginnen und Kollegen ohne Schwerpunkt, die im Westen einen Gewinnverlust von 23,6 % und im Osten von 24,5 % verzeichneten. Diese sind auch auf die Coronapandemie zurückzuführen, da insbesondere Vorsorgeuntersuchungen weniger nachgefragt wurden. Hinzu kommen EBM-Abwertungen bei den technischen Leistungen wie Sonografien.

Auch Hämatoonkologen mit deutlichen Verlusten

Bei den Ärztinnen und Ärzten der Hämatoonkologie sind die sehr deutlichen Gewinnverluste (West: -24,3 %, Ost: -23,2 %) auf die verschobenen Operationen aufgrund der Pandemie und der EBM-Absenkung der Betreuungspauschale zurückzuführen.

SARS-CoV-2 wird die Gewinne weiterhin beeinflussen

Aufgrund der nachgelagerten Vergütung wirken die Einflüsse der Pandemie auch noch bis weit ins Jahr 2022 fort.

Trotz einer Erholung der Fallzahlen in den Zeiten ohne Kontaktbeschränkungen zeigte eine aktuelle Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) 1, dass es nur kurzzeitige Nachholeffekte gab. Meist konnten die Fallzahlen des Vergleichszeitraumes 2019 nicht oder nur annähernd erreicht werden.

1. Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi); Veränderung der vertragsärztlichen Leistungsinanspruchnahme während der Covid-Krise; tabellarischer Trendreport bis zum Ende das 1 Halbjahres 2021.

Bild: © GettyImages/Sebastian Condrea

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.

coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigter Geschäftsführer:
Jeremy Schneider, Blake DeSimone
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653