19. Dezember 2018

Zweitmeinungsverfahren in Kraft getreten

6 Regelungen zum Prozedere

Patienten können sich vor bestimmten planbaren Operationen in Kürze eine zweite ärztliche Meinung einholen. Nachdem nun die Höhe der Vergütung feststeht, kann das Zweitmeinungsverfahren in den nächsten Wochen starten. Hier finden Sie die 6 Regelungen zum Verfahren im Überblick.

Lesedauer: 3,5 Minuten

Der folgende Beitrag wurde auf Basis von Informationen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) im Oktober 2017 erstellt und im Dezember 2018 aktualisiert.1,2 Redaktion: Dr. Nina Mörsch, Christoph Renninger

Gesetzlicher Anspruch

Durch eine zweite ärztliche Meinung soll das Risiko einer zu weiten Indikationsstellung und damit zu hoher Zahlen bestimmter planbarer „mengenanfälliger“ Eingriffe, die nicht immer medizinisch geboten sind, verringert werden. Der Anspruch auf Zweitmeinung geht auf das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz von 2015 zurück. Die Details hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in einer Richtlinie festgelegt, die am 8. Dezember in Kraft getreten ist.

1. Was gehört zu einer Zweitmeinung dazu?

Die Zweitmeinung umfasst die Durchsicht vorliegender Befunde des behandelnden Arztes und ein Anamnesegespräch. Hinzu kommen ärztliche Untersuchungsleistungen, sofern sie zur Befunderhebung und Überprüfung der Indikationsstellung zwingend medizinisch erforderlich sind. Im Rahmen der Indikationsstellung bereits erhobene Befunde sind zu berücksichtigen, soweit der Patient sie dem Zweitmeiner zur Verfügung stellt.

2. Für welche Eingriffe kommt sie infrage?

Eingriffe, für die ein Anspruch auf Zweitmeinung besteht, werden nicht auf bestimmte ICD-Codes eingegrenzt. Im „Besonderen Teil“ der Richtlinie werden die planbaren Eingriffe definiert, bei welchen Patienten einen zweiten Arzt konsultieren können. Ein rechtlicher Zweitmeinungsanspruch besteht vorerst bei einer

  • Mandelteilresektion (Tonsillotomie),
  • bei einer vollständigen Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie) sowie
  • bei einer Gebärmutterentfernung (Hysterektomie).

Tumorerkrankungen aus dem Verfahren ausgeschlossen: Ausdrücklich vom Zweitmeinungsverfahren ausgenommen sind maligne Erkrankungen bei den benannten Eingriffen, beispielsweise ein Tumor an den Gaumen- oder Rachenmandeln. Der Grund hierfür ist, dass Verzögerungen im Behandlungsablauf und eine Doppelung spezieller Strukturen (z.B. Tumorkonferenzen oder Tumorboards) für den Patienten nachteilig sein könnten.

Das Zweitmeinungsverfahren soll um weitere Eingriffe ergänzt werden.

3. Welche Aufgaben hat der indikationsstellende Arzt?

Bei den Indikationen, bei denen eine Zweitmeinung möglich ist, müssen Patienten über das Recht zur Einholung einer solchen Zweitmeinung informiert werden. Dies hat in der Regel mindestens zehn Tage vor der geplanten Durchführung des Eingriffes zu erfolgen.

Zu den Informationspflichten des Arztes gehört unter anderem, die Patienten darauf hinzuweisen, wo sie die Kontaktdaten von Ärzten finden, die eine Zweitmeinung abgeben dürfen. Hierzu wird es ein Online-Angebot geben.

4. Welche Ärzte dürfen eine Zweitmeinung abgeben?

Ärzte, die am Zweitmeinungsverfahren teilnehmen möchten, benötigen eine Genehmigung ihrer Kassenärztlichen Vereinigung. Dazu müssen sie folgende Voraussetzungen nachweisen:

  • die Anerkennung einer Facharztbezeichnung in dem für den jeweiligen Eingriff festgelegten Fachgebiet und
  • eine mindestens 5-jährige ganztägige oder vom Umfang her entsprechende Teilzeittätigkeit in der unmittelbaren Patientenversorgung nach Anerkennung der maßgeblichen Facharztbezeichnung,
  • die Erfüllung der Fortbildungsverpflichtungen und
  • eine erteilte Befugnis zur Weiterbildung oder eine akademische Lehrbefugnis.

Näheres zur Genehmigung, zum Beispiel ab wann eine Antragstellung möglich ist, regeln die Kassenärztlichen Vereinigungen.

5. Wann gilt eine Zweitmeinung als abgegeben?

Die Zweitmeinung gilt als abgegeben, wenn die Empfehlung zum Eingriff bestätigt oder nicht bestätigt wurde und dem Patienten die weiteren Handlungsoptionen erläutert wurden. Das Ergebnis der Zweitmeinung wird dem indikationsstellenden Arzt und dem Patienten in einem zusammenfassenden Bericht dargestellt, sofern der Patient dies wünscht.

6. Wie werden die Leistungen vergütet?

  • „Erstmeiner“: Der Arzt, der die Indikation für einen der definierten Eingriffe stellt, kann für die Aufklärung und Beratung im Zusammenhang mit dem ärztlichen Zweitmeinungsverfahren die Gebührenordnungsposition (GOP) 01645 einmal im Krankheitsfall (vier Quartale) abrechnen. Sie ist mit 75 Punkten (8,12 Euro) bewertet. Die Leistung beinhaltet auch die Zusammenstellung aller erforderlichen Unterlagen für den Patienten.
  • „Zweitmeiner“: Die Abrechnung der Zweitmeinung ist im neuen Abschnitt 4.3.9 „Ärztliche Zweitmeinung“ im Allgemeinen Teil des EBM geregelt. Danach rechnet der Arzt, der die Zweitmeinung abgibt, für den Patienten seine jeweilige arztgruppenspezifische Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale ab. Sind für seine Beurteilung ergänzende Untersuchungen notwendig, kann er diese ebenfalls durchführen, muss sie aber medizinisch begründen.
  • Extrabudgetäre Vergütung: Die Vergütung erfolgt für alle Leistungen extrabudgetär – befristet bis Ende 2021.
  • Kennzeichnung: Ärzte müssen alle Leistungen des Zweitmeinungsverfahrens bei der Abrechnung nach bundeseinheitlichen Vorgaben eingriffsspezifisch kennzeichnen. Die genauen Regelungen werden derzeit noch abgestimmt.

  1. Zweitmeinungsverfahren kurz vor dem Start – Vergütung geregelt, Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 13.12.2018
  2. Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses über eine Richtlinie zum Zweitmeinungsverfahren: Erstfassung. Gemeinsamer Bundesausschuss, 21.09.2017

BIldquelle: © Nomad-istockphoto.com

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