14. März 2017

Wundermittel Urlaubsgeld

So sparen Sie Steuern & motivieren Ihr Team

Es gibt viele Mittel und Wege, um Mitarbeiter zu motivieren und langfristig an Ihre Praxis zu binden. Eines davon wird jedoch oft vergessen. Zu Unrecht: Urlaubsgeld, das als pauschalversteuerte Erholungsbeihilfe ausgezahlt werden kann, ist nicht nur für MFA ein guter Bonus, sondern rentiert sich auch für Praxisinhaber.

Business Analyst Thomas Trubiansky erklärt im folgenden Beitrag, wie Sie Ihre MFA finanziell unterstützen und dabei selbst Steuern sparen können. Redaktionelle Umsetzung: Marina Urbanietz, coliquio-Redaktion.

Beispiel 1: Steuerpflichtiges Urlaubsgeld

Das Urlaubsgeld wird entweder aufgrund vertraglicher Vereinbarungen oder als Bonus im Fall eines guten Praxisgewinns ausgezahlt. In beiden Fällen ist das ein steuer- und sozialpflichtiger Arbeitslohn. Dies bedeutet, dass nach Abzug der Lohnsteuer und den Sozialabgaben in den meisten Fällen die MFA nur die Hälfte der Summe ausgezahlt bekommen. Dabei muss der Praxisinhaber durch die zusätzlichen Beträge zur Sozialversicherung noch 20 Prozent mehr zahlen.

Eine medizinische Fachangestellte bekommt als Sondervergütung das Urlaubsgeld in Höhe von 1.500 Euro. Nach Abzug der Steuer werden ihr netto knapp 800 Euro ausgezahlt (je nach Lohnsteuerklasse, kirchlichen Abgaben, etc.). Der Praxisinhaber muss für dieses Urlaubsgeld hingegen 1.800 Euro zahlen.

Beispiel 2: Pauschalversteuerte Erholungsbeihilfe

Praxisinhaber können ihren Angestellten eine sogenannte Erholungsbeihilfe zahlen. Diese ist jedoch auf die Jahresbeträge von 156 Euro für den Arbeitnehmer, zusätzlich 104 Euro für den Ehegatten und 52 Euro für jedes Kind begrenzt (§ 40 Abs. 2 Nr. 3 EStG).

Für eine Familie mit zwei Kindern sind das zusätzliche 364 Euro netto. Der Arbeitnehmer muss in diesem Fall keine Steuern und Sozialabgaben zahlen. Der Praxisinhaber besteuert die Erholungsbeihilfe mit 25 Prozent pauschal, Sozialversicherungsbeiträge fallen aber auch für ihn nicht an.

Wichtig: Der Arbeitgeber muss sicherstellen, dass das Geld tatsächlich für Erholungszwecke verwendet wurde. Die Erholungsbeihilfe sollte daher nicht länger als drei Monate vor oder nach dem Urlaub ausgezahlt werden.

Schriftliche Bestätigung: Es wird außerdem empfohlen, von Angestellten schriftlich bestätigen zu lassen, dass die Erholungsbeihilfe für Erholungszwecke verwendet wurde. Dieser Nachweis kann bei einer späteren Betriebsprüfung erforderlich sein. Dabei können Sie sich an das folgende Musterschreiben orientieren:

Ich verpflichte mich, die im Monat … 20 … von meinem Arbeitgeber erhaltene Erholungsbeihilfe in Höhe von … Euro innerhalb der nächsten 3 Monate zu Erholungszwecken zu verwenden.
Ort/Datum/Unterschrift Arbeitnehmer

Auch Mini-Jobber können Erholungsbeihilfe erhalten

Die pauschalbesteuerte Erholungsbeihilfe darf auch an Arbeitnehmer gezahlt werden, die im Rahmen eines Mini-Jobs beschäftigt sind. Und auch in diesem Fall ist die Zahlung einer Erholungsbeihilfe für beide Seiten besser, als im Fall des steuerpflichtigen Urlaubsgeldes.

So kann beispielsweise eine verheiratete Mini-Jobberin mit zwei Kindern in einem Monat 814 Euro (450 Euro Lohn +364 Euro Erholungsbeihilfe) erhalten. Sie ist damit immer noch geringfügig und sozialversicherungsfrei beschäftigt. Würde dagegen ein Urlaubsgeld gezahlt, wäre die Geringfügigkeitsgrenze überschritten.

Wichtig: Stundenlohn darf 12 Euro durchschnittlich nicht übersteigen.

Beispiel 3: Steuerpflichtiges Urlaubsgeld + Erholungsbeihilfe

Die MFA erhält 750 Euro Urlaubsgeld und zusätzlich eine Erholungsbeihilfe von 260 Euro (156 Euro für sich selbst und jeweils 52 Euro für zwei Kinder).

Nach Abzug der Lohnsteuer und den Sozialabgaben verbleiben ihr vom Urlaubsgeld netto 418 Euro und zusätzlich die 260 Euro, was in Summe 678 Euro ausmacht und damit im Ergebnis kaum weniger als mit einem Urlaubsgeld von 1.500 Euro ist. Auch für den Arzt als Arbeitgeber ist diese Kombioption günstiger als die Zahlung eines Urlaubsgeldes in Höhe von 1.500 Euro. Abgaben für Arbeitgeber betragen dabei etwa 215 Euro mit einem Ersparnis von 75 Euro im Vergleich zu vollem Urlaubsgeld.

Wichtig: Die Beträge für die Urlaubsbeihilfen sind Jahreshöchstbeträge. Sie dürfen somit pro Jahr nicht überschritten werden. Dies bedeutet aber auch, dass der Maximalbetrag aufgeteilt werden kann, beispielsweise für den Sommer- und Winterurlaub.

Dieser Beitrag wird vertreten durch Thomas Trubiansky, Controller und Business Analyst bei der coliquio GmbH. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre (BWL) an der Hochschule Ravensburg-Weingarten war er unter anderem Leiter der Finanzbuchhaltung bei der PrismaLife AG, einer Lebensversicherungsgesellschaft sowie Vertriebscontroller bei MAGE Solar AG.

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Titelbild: iStock. erwo1.

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