08. März 2017

Uneinsichtige Patienten: Hilfreiche Tipps Ihrer Kollegen

Eine Behandlung ist medizinisch notwendig, wird jedoch vom Patienten abgelehnt. Ein Thema, dass auch viele coliquio-Mitglieder beschäftigt. Lesen Sie hier, zu welchen rechtlichen Konsequenzen eine Behandlungsverweigerung führen kann und was Ihre Kollegen in solchen Situationen empfehlen.

Dieser Beitrag basiert auf der Forumsdiskussion “Umgang mit uneinsichtigen Patienten“, die von coliquio-Mitglied 007zahn erstellt wurde. Das Meinungsbild fasst Christoph Renninger, coliquio-Redaktion, hier für Sie zusammen.

Behandlung abgeleht: Was tun?

Aufklärung in der Patientenakte vermerken: Der Zahnarzt 007zahn klärt mündlich über die möglichen Konsequenzen einer Behandlungsverweigerung auf und vermerkt dies in der Patientenakte. Er betont, dass es immer wieder zu den Fällen kommt, in denen sich Patienten über spätere Folgen beschweren und die stattgefundene Aufklärung leugnen.

Das Formular vom Patienten unterschreiben lassen: Ähnlich geht auch der Allgemeinmediziner synapse1947 vor, der sich jedoch mit einer Unterschrift bestätigen lässt, dass der Patient über mögliche Konsequenzen einer Verweigerung informiert wurde. Der Patient erhält ebenfalls eine schriftliche Fassung. Zur Sicherheit kann noch eine weitere Person, beispielsweise eine Arzthelferin, die Aufklärung bezeugen und das Dokument gegenzeichnen.

Betreuung vom Amtsgericht: Der Psychiater WATERPROOF bestätigt dieses Vorgehen, weist aber auch auf Fälle hin, wenn der Betroffene offensichtlich geistig nicht mehr in der Lage ist, die Situation angemessen bewerten zu können. Dann sollte eine Betreuung beim Amtsgericht angeregt werden.

Beratungsresistente Patienten abgeben: Bei beratungsresistenten Patienten ist es dem Mitglied moserzahn sogar lieber, wenn sich diese eine andere Praxis aufsuchen. Den Kollegen stellt er gerne auch Röntgenbilder zur Verfügung, bevor er eine weitere Verschlechterung beobachten und dokumentieren müsse. Die Möglichkeit Patienten abzugeben, nutzt auch der Kieferchirurg domheiz.

Fehlende Dokumentation kann Folgen haben

Findet keine umfassende Aufklärung von behandlungsunwilligen Patienten statt bzw. wird sie nicht dokumentiert, hat das möglicherweise auch juristische Konsequenzen.

Ärztliche Pflichtverletzung: coliquio-Mitglied dent402 verweist auf die Entscheidung des Landgerichts Mönchengladbach, in dem eine Zahnärztin zu Schadensersatz verurteilt wurde. Eine Wurzelkanalbehandlung wurde empfohlen, auf Wunsch der Patientin jedoch verschoben und dies auch so in der Patientenakte vermerkt. Da nach Ansicht des Gerichts jedoch nicht hinreichend über die Folgen der Unterlassung informiert wurde, kam es zu einer ärztlichen Pflichtverletzung. Die Zahnärztin muss ihrer Patienten knapp Tausend Euro erstatten und zudem ein Drittel der Verfahrenskosten tragen. 2, 3

coliquio-Mitglied dent402 zieht daraus das Fazit, dass man Patienten eingehend aufklären solle und vor allem die Dokumentation wichtig sei. So kann man sich rechtlich absichern, wenn Vorwürfe auftauchen, man hätte einen Befund übersehen oder gesehen, aber nicht reagiert.

Kein pauschales Aufklärungsformular: Von einem pauschalen Aufklärungsformular, wie es beispielsweise in Kliniken verwendet wird, wenn sich Patienten auf eigene Verantwortung hin selbst entlassen, rät er jedoch ab. Es handele sich um individuelle Vorgänge, die auch entsprechend dokumentiert werden sollten.

Die Verantwortung liegt bei Patienten

Die Verantwortung sehen die meisten der Diskussionsteilnehmer bei Patienten selbst, die man nicht zu einer Behandlung zwingen könne. Schließlich sei man nicht der Erziehungsberechtigte, wie coliquio-Mitglied chrbrei anmerkt. Wenn trotz aller Aufklärung über die gesundheitlichen Konsequenzen der Patient eine Therapie noch immer verweigert, habe dieser auch mit den Folgen zu leben.

Mehr zum Thema Ablehnung der Behandlung

Behandlungsverweigerung: So können Ärzte handeln

In der Regel geht der Patientenwille vor – doch es gibt auch Ausnahmen. Erfahren Sie anhand fünf möglicher Situationen, wie Sie sich aus Sicht eines Anwalts verhalten sollten, wenn ein Patient notwendige medizinische Maßnahmen zurückweist. Hier zum Beitrag >>

  1. Umgang mit uneinsichtigen Patienten, coliquio-Diskussion 31.01.2017.
  2. Zahnarzt haftet, wenn er nicht über die Folgen des Unterlassens einer gebotenen Behandlung aufklärt. Nachricht, Praxis Implantologie, 07.02.2017.
  3. LG Mönchengladbach, Urteil vom 7. Januar 2015 Az. 4 S 74/14.

Bildquelle:©KatarzynaBialasiewicz-istockphoto.com

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