23. November 2017

Tod des Praxisinhabers – so sind Sie vorbereitet

Als Praxisinhaber tragen Sie neben der medizinischen auch eine große wirtschaftliche Verantwortung. Auch wenn sich niemand gern mit dem eigenen Tod beschäftigt – erfahren Sie hier, was Sie tun sollten, damit Ihre Familie im Fall des Falles gut vorbereitet ist. (Lesedauer: 3 Minuten)

Die Tipps, welche Dinge Sie heute schon regeln können, wurden von Dr. Patricia Smerdka zusammengestellt.

Einen Notfallordner anlegen

Legen Sie alle entscheidenden Dokumente in einem Notfallordner ab – ob elektronisch oder in guter alter Papierform ist dabei egal. Wichtig ist nur, dass ein vertrauter Mensch weiß, wo dieser Ordner zu finden ist. Was sollte alles enthalten sein?

Die Checkliste: diese Stellen sind zu informieren

  • die zuständige Landesärztekammer
  • die zuständige Kassenärztliche Vereinigung
  • das Versorgungswerk
  • alle relevanten Versicherungsunternehmen
  • Vereine und Verbände (z.B. bei Mitgliedschaft in Fachgesellschaften)
  • Notfalldienstbeauftragter, damit der Notfalldienst auf andere Kollegen übertragen werden kann
  • Ihre eigene Krankenversicherung
  • der Steuerberater

Notieren Sie die Adressen und Ansprechpartner von allen diesen Stellen und vergessen Sie nicht, die Liste bei Änderungen zu aktualisieren.

Verträge & Versicherungen
Im Notfallordner sollten auch Unterlagen zu allen laufenden Versicherungen (z.B. Berufshaftpflicht, Praxisausfallversicherung etc.) und Verträgen (z.B. Mietvertrag für Praxisräume, Arbeitsverträge der Mitarbeiter, Telefon, Entsorgerverträge, Wartungsverträge, Softwarepflege, Zeitschriften usw.) abgelegt sein. Auf dem Deckblatt für jeden Vertrag können Sie notieren, was Ihre Erben zur jeweiligen Versicherung wissen sollten. Eine wichtige Information ist zum Beispiel, ob die Versicherung automatisch mit Ihrem Tod endet oder ob eine Kündigung notwendig ist.

Cave: Berufshaftpflichtversicherungen enden typischerweise mit dem Tod des Versicherungsinhabers. D.h. bei einer Weiterführung der Praxisgeschäfte sind die Praxisangestellten nicht mehr geschützt. Wenn ein Vertreter die Praxisgeschäfte weiterführt, ist die Haftungsfrage eine der dringendsten, die zu regeln ist.

Arbeits- und Ausbildungsverträge, Mietverträge und auch sonstige Verträge enden nicht automatisch mit dem Tod des Praxisinhabers. In der Regel sind die Erben zur Kündigung berechtigt.

Zentrales Element: der Erbschein

Damit die Erben alle notwendigen Dinge regeln können, muss zunächst ein Erbschein ausgestellt werden. Dies kann unter Umständen sehr langwierig sein. Sie können helfen, diesen Prozess zu beschleunigen, indem sie alle für einen Erbschein notwendigen und heute bereits verfügbaren Unterlagen in dem Notfallordner abheften. Das sind z.B. Originale oder beglaubigte Abschriften aller Geburtsurkunden von Kindern, die Eheurkunde etc. Eine Generalvollmacht für den Ehepartner oder die Nachkommen kann helfen, dass das Ausstellen des Erbscheins für manche Dinge nicht abgewartet werden muss. Diese ermächtigt den Bevollmächtigten z.B. einen Stellvertreter für die Praxis einzusetzen.

Fortführung oder Verkauf der Praxis

Die Mitgliedschaft in der KV endet durch Tod des Mitgliedes. Wenn die Praxis durch einen Vertreter weitergeführt werden soll, muss eine entsprechende Vertretergenehmigung durch die KV erfolgen. Einen Antrag bei der KV können die Erben stellen. Als kurzfristige Lösung kann in der Regel für bis zu zwei Quartale nach dem Sterbequartal die Praxis durch einen Vertreter weitergeführt werden (sogenanntes Gnaden- oder Witwenquartal).

Wenn Sie im Fall des Falles eher den Verkauf Ihrer Praxis als Möglichkeit in Betracht ziehen, kann ein heute schon erstellter „Praxissteckbrief“ dabei helfen, die Praxis bestmöglich anzubieten: halten Sie Ort & Größe der Praxis, Anzahl der Behandlungsräume, Ausstattung & Gerätschaften und eventuelle Besonderheiten darin fest. Wenn Sie den konkreten Wert Ihrer Praxis heute schon ermitteln möchten, können Sie z.B. bei der Landesärztekammer anfragen, ob sie den Kontakt zu einem Praxiswertermittler herstellen können.

Übrigens: die gesetzliche Aufbewahrungspflicht für die Patientenunterlagen geht auf die Erben über. Lesen Sie im Beitrag “Patientenakten: Was tun bei Praxisaufgabe?” nach, welche Unterlagen wie lange aufbewahrt werden müssen.

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  1. ZWP online, Praxismanagement 28.02.2011 “Tod des Praxisinhabers – Was ist zu tun?
  2. KV Berlin KV-Blatt 04.2014 “Krankheit oder Tod eines Praxisinhabers – Wenn die Weiterführung der Praxis nicht mehr möglich ist
  3. Deutsches Ärzteblatt PRAXiS 1/2016 “Wenn ein Praxisinhaber plötzlich stirbt
  4. Sudahl, M. gynäkologie + geburtshilfe 2016; 21: 44. https://doi.org/10.1007/s15013-016-1038-2
  5. Sonderveröffentlichung der LZÄKB und KZVLB, Beilage zum BRAND-AKTUELL 1/2009 “Tod des Praxisinhabers – Was ist zu tun?”

Bildquelle: istockphoto.com, Bildnachweis: elenaleonova

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