07. Juli 2017

Ungepflegte Patienten: Die besten Tipps Ihrer Kollegen

Fettige Haare, verschwitzte Kleidung und eine Wolke aus Zigaretten- und Essensgeruch – jeder Arzt kennt solche Patienten. Doch wie geht man mit ihnen um? Lesen Sie hier, wie Ihre Kollegen solche Situationen meistern. (Lesedauer: 3 Minuten)

Dieser Beitrag basiert auf zwei Diskussionen aus dem coliquio-Forum, die von den coliquio-Mitgliedern chanice und cmohrmann erstellt wurden. 1,2 Redaktionelle Aufbereitung: Dr. Milena Kleffel.

So schützen sich Ihre Kollegen vor Gerüchen

„Lüften“ heißt die Devise, um alle in der Praxis Anwesenden vor Geruchsbelästigungen zu schützen. Das geht in verschiedenen Variationen:

  • Bei User mathegu können Untersuchung und Behandlung schlecht riechender Patienten von vorn herein in Nebenräumen stattfinden, zeitlich begrenzt und auf das Nötigste beschränkt.
  • Anschließend lüften und gegebenenfalls einen Raumduft versprühen, empfiehlt Martin.
  • Mitglied Elyzol versucht, ihm bekannte übelreichende Patienten immer erst gegen Ende der Sprechstunde einzubestellen.
  • drweisskittel öffnet sogar noch während der Behandlung demonstrativ das Fenster – auch im Winter.
  • Als Zahnmediziner hat diafuss die Behandlungsräume mit Vertikalventilatoren samt Absaugung ausgestattet, die neben Fräs-, Schleif- und Lösungsmitteldüften auch unangenehmen Foetor ex ore abtransportieren. In Extremfällen von Knoblauch- oder Nikotingerüchen kommt bei ihm sogar der chirurgische Sauger zum Einsatz. Auch im Wartebereich ließen sich leise Fensterventilatoren einbauen, die im Bedarfsfall per Fußschalter oder Funk bedient werden können.

Zusätzlich kann man sich selbst schützen:

  • Neben der Idee, eine Patientendusche einzurichten, empfiehlt mondirk das Tragen eines Mundschutzes (vielleicht sogar mit Minzöl oder Ähnlichem beträufelt), doppelter Handschuhe und vielleicht sogar eines Einmalkittels.
  • Laut Elyzol bieten manche Hersteller inzwischen sogar einen Mundschutz mit integriertem Geruchsfilter an.

All diese Maßnahmen sind sicher effektiv, beheben das Problem aber natürlich nicht grundlegend und nachhaltig.

Wie sag ich’s meinem Patienten?

Darüber, dass man den Patienten auf die Vernachlässigung der Körperpflege hinweisen sollte, sind sich die meisten Diskussionsteilnehmer einig. Nur wann und wie?

Senioren, behinderte oder demente Patienten nimmt painlesspotter so hin. Ungewaschene Teenager hingegen könne man seiner Meinung nach auf die mangelnde Körperpflege hinweisen. Der Psychotherapeut dawn hält die Situation beim Erstkontakt noch aus, macht es aber danach vorsichtig zum Thema. Alkoholgerüche werden hingegen bei ihm sofort thematisiert. Außerdem bittet er darum, keine „letzte Zigarette“ unmittelbar vor der Behandlung zu rauchen. Er findet, ein allzu ungepflegter Patient solle sich einen neuen Termin geben lassen, mit der Auflage, dann geduscht erscheinen.

NeTePP, ebenfalls in der Psychotherapie tätig, empfiehlt bei einem solchen Gespräch eine Botschaft aus der Ich-Perspektive, kombiniert mit der Frage nach einer möglichen Lösung. Auch sollte mit dem Augenmerk auf eine eventuell nötige Betreuung die Frage nach Hilfebedarf gestellt werden.

Eine klare Botschaft sendet dietmar2804 zum Schutz der neuen silberbeschichteten Elektroden seines EKG-Geräts: Er verschreibt vor einem geplanten EKG bei einem einschlägigen Patienten medizinische Babyseife oder Betaisodona Flüssigseife.

Ursachenforschung: Was steckt hinter dem Hygienemangel?

Sicher ist auch die Frage wichtig: Ist es nur Nachlässigkeit oder steckt vielleicht eine psychische Erkrankung hinter der fehlenden Körperpflege?

Der psychologische Psychotherapeut novlessa bezeichnet das „Stinken“ als Symptom, welches auch angesprochen werden sollte. Da ein starker Mangel an Körperpflege Zeichen einer Depression sein könne, empfehlen die User Danufsch, Flament und niwa12, den Sozialpsychiatrischen Dienst einzuschalten und dies auch gegenüber dem Betroffenen zu erwähnen.

Es ist auf jeden Fall immer besser, das Thema anzusprechen als schweigend zu leiden. Denn schließlich, so Agosto14, stellt es ebenfalls eine Diskriminierung eines Patienten dar, eine ärztliche Behandlung nur auf Notfallsituationen zu beschränken.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

1. coliquio-Forumsdiskussion vom 16. April 2014 Patienten mit schlechten Gerüchen
2. coliquio-Forumsdiskussion vom 16. Februar 2016 Verweigerung von Körperpflege bei normal mobilem Patienten

Titelbild: iStock. Bildnachweis: Cimmerian.

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